Montag, 26. Juni 2017

21. April 2017 07:35 Uhr

Augsburg

Gut zu wissen! So können Sie auf dem Plärrer mitreden

Heute undenkbar, aber einst gab es auf dem Plärrer keinen Alkohol. Doch wie kam das Bier aufs Volksfest? Gab es schon immer Festzelte? Und woher hat der Plärrer seinen Namen?

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Die Jahre vergingen, die Attraktionen bleiben. So sah es auf dem Herbstplärrer 2016 aus.
Foto: Michael Hochgemuth

Wie viele Menschen arbeiten auf dem Volksfest?

Der Plärrer ist der Arbeitsplatz von gut 500 Menschen – diese Zahl nennt Josef Diebold, Chef des schwäbischen Schaustellerverbands. Etwa jeweils die Hälfte arbeitet an Fahrgeschäften und in den Zelten. Viele Mitarbeiter benötigen vor allem die großen Zelte, bei Weitem nicht alle sind fest angestellt: Viele Saisonarbeiter an Fahrgeschäften kommen aus Polen oder Rumänien – wie in der Landwirtschaft.

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Gab es schon immer Festzelte auf dem Plärrer?

Nein. In den Anfangsjahren gab es auf dem Volksfest sogar überhaupt keine Zelte. Seit 1878 wird der Plärrer auf dem Kleinen Exerzierplatz an der Langenmantelstraße gefeiert. Erst 1921 wird erstmals ein kleines Bierzelt aufgebaut. 1926 wird ein Heidelbeerwein-Ausschank erlaubt. Zwei Jahre darauf folgen dann zwei Bierzelte. Seither haben die Zelte ihren festen Platz auf dem Fest.

Wie viel Strom wird auf dem Plärrer verbraucht?

Bunte Lichter, Musik, Karussells, Bierzeltküche – nichts geht ohne Strom. Pro Plärrer werden laut Stadtwerke um die 220000 Kilowattstunden verbraucht. Damit ließen sich rund 100 Haushalte ein Jahr lang versorgen. Viele Schausteller setzen statt auf herkömmliche Birnen auf sparsame LED-Beleuchtung. Und der Strom kommt zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie.

 

Gibt es Kontrollen, ob richtig eingeschenkt wird?

Nein. Die Stadt könnte das tun – mit stichprobenartigen Kontrollen, wie es sie auf dem Münchner Oktoberfest gibt. Bislang halte man das aber für nicht erforderlich, sagt Marktamtsleiter Werner Kaufmann. Beschwerden über die Schankmoral der Plärrer-Wirte habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben.

Welches Lied ist der Dauerbrenner in den Zelten?

Das Publikum will vor allem aktuelle Partyhits hören, sagt Joe Williams, der mit seiner Band im Schaller-Zelt auftritt. Doch es gibt auch Dauerbrenner – Lieder, die sich seit vielen Jahren halten können. Ein „unkaputtbarer“ Song ist „Highway to hell“ der Hardrock-Band AC/DC. Zwei Dauerbrenner kommen von österreichischen Gruppen: „Live is live“ und „Fürstenfeld“. Dagegen sei „Skandal um Rosi“ von der bayerischen Band Spider Murphy Gang in der Beliebtheit zurückgefallen, sagt der erfahrene Bandleader.

Wurde früher auch Bier ausgeschenkt?

Anfangs war Alkohol verboten. Im Jahr 1880 wird über „alkoholische Zugeständnisse“ diskutiert. Dann darf, bei günstiger Witterung, erstmals Bier verkauft werden. Dann folgen wieder alkoholfreie Jahre. Als 1905 Bierausschank erneut gestattet wird, legen unter anderem die Kirchen und Frauen dagegen Beschwerde ein, heißt es in Berichten. Befürchtet wird „Entsittlichung“ und „Trunksucht“.

 

Wann beginnt für Schausteller der Arbeitstag?

Ein Arbeitstag auf dem Plärrer ist lang. Die Geschäfte öffnen unter der Woche um die Mittagszeit, am Wochenende sogar schon um zehn Uhr. Danach herrscht Betrieb bis 23 oder 23.30 Uhr. Doch langes Ausschlafen ist nicht drin. „Viele Betriebe beginnen mit den Vorbereitungen schon gegen acht Uhr“, sagt Josef Diebold, der mit seiner Frau das Kinderkarussell „Orient-Zauber“ betreibt. 

Woher hat der Plärrer seinen Namen?

Der Name kommt wohl vom Lärm – vom „Geplärre“. Früher fanden die Dulten in der Innenstadt statt. Dort gab es nicht nur Marktstände, sondern auch Fahrgeschäfte und andere Attraktionen. Aus Rücksicht auf Anwohner wurden laute Attraktionen 1878 auf den Kleinen Exerzierplatz umgesiedelt. „Blerrer“ nannte man auch einen offenen, freien Platz. Der Name taucht erstmals im Jahr 1879 in einem Bericht auf. Offiziell wird das Fest erst in den 1970er Jahren zum „Plärrer“.

 

Wie viel Bier wird auf dem Plärrer verkauft?

Daraus machen die Wirte ein Geheimnis. Es gibt Feste, bei denen die Wirte genaue Zahlen vorlegen müssen. In Augsburg nicht. Ein Rechtsstreit zwischen einer Brauerei und Wirt Dieter Held („Schaller“-Zelt) brachte vor einigen Jahren etwas Licht ins Dunkel. Damals ging es um 60000 Liter Bier, die der Brauer seinen Angaben zufolge für den Osterplärrer 2010 gebraut haben wollte. Dieter Held nahm aber kein Bier ab, weil er die Brauerei wechselte. Er gewann auch den Prozess.

Verdient die Stadt Augsburg mit dem Plärrer Geld?

Nein. Die Vorgabe ist aber, dass an die 90 Prozent der Kosten, die für die Stadt anfallen, gedeckt sein müssen. Das läuft vor allem über die Platzgelder, welche die Schausteller und die Festwirte bezahlen müssen. Im Jahr 2015 kosteten Oster- und Herbstplärrer die Stadt zusammengerechnet rund 65000 Euro.

Welches ist die älteste Attraktion auf dem Plärrer?

Das älteste Fahrgeschäft auf dem aktuellen Osterplärrer ist das „Kinderparadies Spieß“. Das Karussell, das am Eingang in Richtung Familienbad steht, wurde im Jahr 1962 gebaut und seither immer wieder auf den neuesten Stand gebracht.

Wer legt fest, welches Karussell wo steht?

Das ist die Aufgabe von Platzmeister Roland Bader. Er arbeitet im Marktamt der Stadt. Er sagt: Wichtig ist die Mischung aus großen und kleinen Attraktionen, aus Kinderkarussells, Buden und Zelten. Dass er dabei nie alle Schausteller zufriedenstellen kann, bringe der Job eben mit sich, sagt Roland Bader.

 

Wurden auf dem Plärrer auch schon Ehen gestiftet?

Vermutlich sogar viele. Ein Beweis: Walter Wiedemann hat seine Frau Marianne beim Osterplärrer 1984 kennengelernt. Er kannte sie zuvor nur flüchtig und kam mit ihr ins Gespräch. Noch im selben Jahr gaben sie sich das Ja-Wort. Damals waren sie nur Besucher. Heute ist das Paar selbst auf dem Fest aktiv – sie betreiben seit 2011 eine sich drehende Karussellbar.

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Jörg Heinzle

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