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11. März 2010 20:00 Uhr

Arbeitsmarkt

Däumchendrehen bis zur Insolvenz?

Die Wurstfabrik Schwarz in Gundelfingen (Kreis Dillingen) hat offenbar Liquiditätsprobleme. Beschäftigten fehlt seit Monaten der Lohn, sie müssen dennoch jeden Tag zur Arbeit kommen. Von Sebastian Schinhammer

Däumchendrehen bis zur Insolvenz?
Foto: ALFA

Schlaflose Nächte. Was soll nur werden? Jeder Gang zum Briefkasten birgt neue Überraschungen: Mahngebühren und neue Rechnungen. Vermieter fordern die rückständige Miete ein, drohen unverhohlen mit Rausschmiss. Wohin dann? Diese gewichtigen Fragen mit ungewissen Antworten beschäftigen zahlreiche Mitarbeiter der Firma Schwarz in Gundelfingen (Kreis Dillingen).

Einige von ihnen haben sich an die Donau-Zeitung gewandt. Das Unternehmen Schwarz bezahlte seinen noch ungefähr 50 Arbeitnehmern seit Dezember offenbar nur teilweise das Gehalt oder gleich gar nicht. Auch sei Mitarbeitern fristlos gekündigt worden, weil sie sich im Krankenstand befanden. Das hat möglicherweise Konsequenzen. Die Betroffenen haben beim Arbeitsgericht in Donauwörth gegen Inhaber Thomas Urmann, Rechtsanwalt in Regensburg, geklagt.

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Betroffene in der Zwickmühle

Die Arbeiter, die namentlich nicht genannt werden wollen, sind verzweifelt. Sie bekämen kein Geld und hätten trotzdem Anwesenheitspflicht. Ansonsten drohe ihnen die fristlose Kündigung. Das Problem dabei sei: bei einer fristlosen Kündigung bekomme man von der Arbeitsagentur drei Monate lang kein Geld.

Das könne sich niemand leisten, sagen sie. Eine Frau meint: "Erst wenn am 1. April kein Lohn kommt, kann ich kündigen." Rosemarie Kramer, Pressesprecherin bei der Arbeitsagentur in Donauwörth, sagt: "Das kommt auf den Einzelfall an." Wenn gewichtige Gründe vorlägen, sei die Sperre verhandelbar.

Bisher würden die Mitarbeiter jeden Werktag in den Betrieb kommen, herumsitzen, Sudokus lösen, Bücher lesen und den Tag vertrödeln. Sie tun das nicht, weil sie faul sind, sondern weil es nichts zu tun gebe.

Die Firma sei mittlerweile so zahlungsunfähig, dass keine Rohware geliefert werde. Die Maschinen seien defekt, bei Lieferfahrzeugen sei der TÜV abgelaufen und die Arbeitskleidung samt der Spinde sei abgeholt worden, berichten Beschäftigte. Grund dafür seien unbezahlte Rechnungen. "Wir wären froh, wenn die Insolvenz endlich angemeldet wird", sagt eine Mitarbeiterin.

Warum das nicht längst geschehen ist, verstehen die Arbeiter der Wurstfabrik nicht. "Wir stehen vor einem Rätsel." Zwar gab es Anfang Februar eine Betriebsversammlung, doch seien dort nur wieder leere Versprechungen gemacht worden.

Mittlerweile sind einige Mitarbeiter in die Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten (NGG) eingetreten. Tim Lubecki von der NGG für Schwaben sagt, dass die neuen Mitglieder von ihm jegliche Unterstützung erhalten würden. Empört zeigte sich Lubecki über den Umstand, dass Arbeitgeber Urmann offenbar auch seit Monaten keine Krankenkassenbeiträge mehr abgeführt habe.

Urmann nimmt keine Stellung

Gerüchte, dass der Rechtsanwalt vergangenen Dienstag Insolvenz anmelden wollte, bestätigten sich allerdings nicht. Volker Plaeschke, Richter am Amtsgericht Nördlingen, sagt: "Ein Insolvenzantrag ist bisher nicht eingegangen." Die Vorwürfe über ausstehende Gehälter und wie es mit der Firma Schwarz weitergehen soll, stehen weiter im Raum. Urmann selbst wollte auf Anfrage unserer Zeitung keine Stellung dazu nehmen. Von Sebastian Schinhammer

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