Samstag, 25. November 2017

17. August 2016 00:03 Uhr

Olympia-Serie (7)

Von der anderen Sorte

Triathletin Doris Kraus (TV Lauingen) findet an den Sommerspielen das Miteinander der verschiedenen Weltsportler toll. Und vermisst dennoch etwas „Männliches“

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2008 begann für Doris Kraus (Jahrgang 1982) das Triathlon-Zeitalter beim TV Lauingen. Sie musste erst einmal das Kraulen erlernen, sich ein Rennrad kaufen und mit den Klickpedalen zurechtkommen. Laufen konnte die sportliche Dame – sie kommt schließlich von der Leichtathletik. Mit jedem Jahr Training steigerte Doris Kraus ihre Leistungen und schnupperte auch schon mal Bayernliga-Luft. Die Mitteldistanz bei den bayerischen Meisterschaften in Lauingen meisterste sie bravourös und absolvierte zuletzt einen Staffel-Start beim legendären Triathlon in Roth. Es war ihr erster Auftritt bei einer Ironman-Distanz mit 3,8 Kilometer Schwimmen. Dank guter Vorbereitung meisterte Doris Kraus die Aufgabe mit kleineren Zwischenfällen (Wasserschlucken) prima. Hier blickt sie auf ihre Sportart und die deutschen Chancen bei Olympia in Rio.

Was begeistert Sie so sehr am Dreikampf Schwimmen/Radel/Laufen?

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Es ist die Vielseitigkeit, die Triathlon bietet. Die Abwechslung zwischen drei Sportarten und deren Ausdaueranforderungen. Es gibt für jeden Athleten Stärken und Schwächen, Höhen und Tiefen im Wettkampf – das macht das Ganze spannender für den Athleten und auch die Zuschauer. Es geht am Vortag schon los mit Besichtigen der Radstrecke. Welche Wassertemperatur herrscht im See? Ist der Neopren-Anzug, der ja für den nötigen Auftrieb sorgt, erlaubt oder nicht?. Das Bike in der Wechselzone muss richtig positioniert werden, eventuell die Schuhe schon eingeklickt, sodass man am Tag der Tage nur noch aufspringen muss. Klar ist, dass einen alleine das Zuschauen bei großen Events überlegen lässt, auch einmal da am Start zu gehen.

Ihre Prognose für die deutschen Olympiastarter?

Am Start sind dieses Jahr nach langem Hin und Her Anne Haug und Laura Lindemann, wobei Haug sich auch klassisch qualifiziert hat. Leider sind keine deutschen Männer in Rio dabei. Es wird auf jeden Fall kein leichtes Rennen, die Konkurrenz ist sehr groß. Bei uns werden Wettkämpfe meist im See ausgetragen – Süßwasser. In Rio dagegen müssen die Athletinnen mit Salzwasser kämpfen und den Wellengang überwinden, ohne seekrank zu werden. Eine große Herausforderung. Hinzu kommen noch die hohe Luftfeuchtigkeit und die Temperaturen. Aber ich glaube, wenn am Wettkampftag alles passt – körperliche wie physische Verfassung – und einigermaßen erträgliches Wetter herrscht, dann sehe ich die deutschen Damen auf jeden Fall unter den besten Zehn. Ein Sieg wie damals 2008 von Jan Frodeno wäre natürlich ein Highlight.

Was sagen Sie zu den äußeren Bedingungen in Rio für Triathlon?

Rio ist eigentlich bekannt dafür, dass es keine Abwasserklärung gibt und alles direkt ins Meer geschwemmt wird. So waren die Wasserwerte letztes Jahr höchst alarmierend und für Menschen sehr gefährlich. Es wurde versprochen, dass dies bis zu den Spielen verbessert wird und Klärungsanlagen gebaut werden sollten, aber den genauen Stand der Dinge kenne ich nicht. Eine Hepatitis Impfung wäre auf jeden Fall sinnvoll. Die Zika-Warnung ist meiner Meinung nach für Schwangere und die, die es werden wollen, berechtigt. Für einen normal, immunstarken Menschen, denke ich, ist diese Krankheit wahrscheinlich genauso ein Verlauf, wie wenn man eine Grippe ausbrütet. Man muss einfach eine Balance zwischen Vorsicht und Spaß finden, um diese Spiele genießen zu können.

Welche Bedeutung hat ein Olympiastart für Triathleten, oder ist der Ironman wichtiger?

Olympische Spiele sind für jeden Athleten ein einmaliges Erlebnis. Man ist nirgendwo anders so nah an anderen Weltsportler dran. Oder wer hat schon mal die Möglichkeit, in der Mensa zum Beispiel neben Usain Bolt zu stehen? Man lernt viele unterschiedliche Menschen aus den verschiedensten Ländern mit ihren Mentalitäten und deren Sportarten kennen. Das hat man auf so großen Veranstaltungen wie dem Ironman nicht ganz so. Da sind zwar auch Weltstars vertreten, jedoch nur von der eigenen Sorte.

Bei den Olympischen Spielen 2016 werden in Fort Copacabana, einer Militärbasis am Südende des Stadtteils Copacabana zwei Wettbewerbe im Triathlon ausgetragen, jeweils einer für Frauen (20. August) und Männer (18. August). Die Olympische Distanz im Triathlon beinhaltet 1500 Meter Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und einen 10.000-Meter-Lauf. Jeweils 55 Einzel-Athleten starten. Deutschland hatte bei den Frauen drei Startplätze, bei den Männern zwei, die aber mangels Qualifikation nicht ausgeschöpft wurden. Deutschland wird durch Anne Haug und Laura Lindemann vertreten. Bei den Damen holte Deutschland noch nie eine Medaille, hält aber eine eindrucksvolle Bestmarke: 2012 qualifizierte sich Anja Dittmer als erste Triathletin der Welt zum vierten Mal in Folge für die Teilnahme an Olympischen Spielen. Die Herren holten bereits zwei Medaillen. Stephan Vuckovic sicherte sich 2000 Silber, 2008 gelang Jan Frodeno mit der Goldmedaille sein Meisterstück.

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Ein Artikel von
Günther Hödl

Donau Zeitung
Ressort: Lokalsport Dillingen


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