Mittwoch, 17. September 2014

Radtouren Augsburg und Umgebung

22. September 2011 07:36 Uhr

Serie (21)

Von Neusäß nach Violau und zurück – eine Runde, die Ausdauer verlangt

Und diese Runde zur Wallfahrtskirche nach Violau ist für weniger Trainierte ein anstrengender, tagesfüllender Ausflug, ein kleines Abenteuer zwischendrin auch einmal...

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Das Schöne am Radfahren ist ja, dass der Kopf dabei zur Ruhe kommt. Die Beine machen stundenlang immer das gleiche, Kurbel rauf, Kurbel runter, das versetzt selbst den hartnäckigsten Grübler irgendwann in Trance. Nach ein paar Stunden auf der Trainingsmaschine bleibt selbst vom schlimmsten Ärger nur noch eine Ahnung zurück, dass da mal etwas war.

Das Blöde am Radfahren ist, dass man so wenig davon erzählen kann, wenn man seine Kilometer spult. Und diese Runde zur Wallfahrtskirche nach Violau ist für weniger Trainierte ein anstrengender, tagesfüllender Ausflug, ein kleines Abenteuer zwischendrin auch einmal, wenn nach dem Weg gesucht werden muss – für Trainiertere ist es eine ideale Strecke, um in den inneren Dialog mit seinen Oberschenkeln zu treten.

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Und dann fallen mir nach gut einer Stunde doch Verse von Rilkes Panther-Gedicht ein: „Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf. Dann geht ein Bild hinein.“ Im Vordergrund liegt kurz vor der Kapelle in Bieselbach ein neuer Solarpark in die Landschaft gebettet, eine schwarze Fläche, die uns als grüne Technik in ein ökologischeres Zeitalter hineinführen soll. Und wie eine Mahnung hebt sich im Hintergrund die weiße Wolke des Atomkraftwerks Gundremmingen vom Septemberblau ab. Gegenwart und Zukunft, Versprechen und Wirklichkeit, alles in einem Bild.

Damals war Fortbewegung eine einzige Beschwerlichkeit

Wirklich nur ein paar Meter weiter verdichtet sich das Bild noch einmal. Diese Kapelle in Bieselbach reißt einen Jahrhunderte zurück. Aus dem Atomzeitalter direkt in die Renaissance, als Daniel Mauch seinen Altar schnitzte. Damals gab es keine Fahrräder, keine asphaltierten Straßen und erst recht keine Energie, die in jedem Haushalt aus der Steckdose kommt. Damals war Fortbewegung eine einzige Beschwerlichkeit. Heute radelt man, um ein wenig Abstand zum Alltag zu gewinnen.

Mit solchen Gedanken geht es dann hinein ins Hügelreich zwischen Bieselbach und Violau, hinauf, hinab, bis Rilke plötzlich wieder das Stichwort liefert: „Das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir gerade noch ertragen.“ Erst beruhigt einen der Wald mit seinen Gerüchen und Geräuschen, dann trifft einen die Autobahn wie ein Schock: die Abgase, das Dauerdröhnen. Ein Unort, eine von Menschenhand geschaffene Wüste aus Asphalt. Immer diese Gegensätze, denkt man sich, ein wenig später noch einmal in der Wallfahrtskirche Violau. Was für eine Pracht in was für einer Zeit an was für einem Ort! Und als Radfahrer, schon verschwitzt, fühlt man sich wahrscheinlich wie ein Pilger, der vor drei Jahrhunderten hierher kam: stumm, klein und ein wenig fehl am Platz mit der eigenen dürftigen Erscheinung.

Dann hält so ein dicker Outdoor-Mercedes an

Also weiter, es gibt jetzt konkrete Sorgen, nämlich den richtigen Rückweg zwischen Wörleschwang und Welden zu finden. Beim ersten Versuch mit dieser Violau-Runde hörte der Weg, der auf der Karte so klar und deutlich eingezeichnet war, auf halber Strecke einfach auf. Das weglose Weiterfahren war dann eine angenehme Abwechslung, aber keine Lösung des Problems. Und während man mit der Karte dasteht und sich überlegt, ob der einfache Weg über Reutern besser gewesen wäre, hält so ein dicker Outdoor-Mercedes an.

Zwei Männer, die wie Jäger aussehen, sich aber allem Anschein nach in der Uhrzeit geirrt haben, sprechen einen stark schwäbelnd an, ob sie helfen können. „Ja, ich suche eine Verbindung, einen Feldweg zwischen da und dort.“ – „Es gibt hier keine Feldwege. Das Grüne auf der Karte ist Wald, alles Wald.“ Oh, zwei superkorrekte Mercedes-Fahrer, denkt man sich. „Ich suche einen Forstweg.“ – „Da gibt es viele, manche enden abrupt, da müssen Sie schauen.“ Dann fährt der Wagen weiter, Stuttgarter Kennzeichen, denke ich, und noch etwas Unflätiges. Womit wir wieder beim Blöden am Radfahren wären. Je anstrengender es wird, desto leichter fällt einem das Schimpfen. Zum Glück langt die Ausdauer bis nach Hause.

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