Samstag, 16. Dezember 2017

10. August 2017 09:00 Uhr

Gesundheitspolitik

Linke-Chef will deutlich mehr Pflegekräfte

Bernd Riexinger diskutiert in Günzburg mit Krankenhauspersonal. Droht an Kreiskliniken Warnstreik?

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Mit Pflegekräften der Kreisklinik Günzburg diskutierte Linke-Chef Bernd Riexinger, wie man die Menschen in dem aufreibenden Beruf entlasten kann.
Foto: Bernhard Weizenegger

Den Vergleich musste die Günzburger Verdi-Vorsitzende Helga Springer-Gloning gestern einfach loswerden: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sei vergangene Woche im Landkreis gewesen und habe sich durch die Spitzen zweier Krankenhäuser über die Situation vor Ort informieren lassen. Der Bundesvorsitzende der Partei „Die Linke“ dagegen habe gestern denen zugehorcht, die in den Krankenhäusern mit am meisten unter den Arbeitsbedingungen zu leiden hätten: dem Pflegepersonal. Bernd Riexinger war zwar „nicht überrascht“ über das Erzählte. Aber von denjenigen etwas zu erfahren, die täglich in der Pflege arbeiten, habe doch eine „ganz andere Qualität“.

Für den Linke-Parteivorsitzenden ist klar, dass sich in der Pflege baldmöglichst die Situation ändern müsse. Eine gesetzliche Personalbemessung gebe es noch nicht. Das und die Einführung von Fallpauschalen, die ausschließlich auf die Wirtschaftlichkeit der Krankenhäuser zielten, habe zu einem Personalschlüssel geführt, wie er ungünstiger kaum sein könne: „In Deutschland kommt eine Pflegekraft rechnerisch auf 10,3 Patienten, in den Niederlanden liegt der Schlüssel bei 1 zu 6, in Norwegen bei 1 zu 3,8.“ Rentabilität hat für Riexinger im Krankenhausbereich ohnehin nichts verloren.

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Zwar gibt es Planungen, einen solchen Personalschlüssel 2019 einzuführen, aber nur für die „sensitiven Bereiche“. Was damit konkret gemeint ist, konnte gestern keiner der Beteiligten im Pressegespräch sagen. Es reiche auch nicht, bis dahin abzuwarten. „Wir müssen jetzt handeln“, so Riexinger.

100000 Pflegekräfte fordert der Linke-Chef mehr für Deutschland, um die Beschäftigten keiner Arbeitsbelastung mehr auszusetzen, unter der die eigene Gesundheit leide. „Wir müssen sehr schnell die Menschen in diesen Berufen ausbilden und die Rahmenbedingungen verbessern“, sagte er. Die Mitarbeiter im Pflegedienst meinten gestern damit nicht in erster Linie eine bessere Bezahlung.

Die Praxis sieht anders aus

Ihnen sind mehr Kollegen wichtiger. Außerdem sollten nicht noch zusätzlich ärztliche Tätigkeiten auf sie verlagert werden, da die zu pflegenden Menschen bei einer geringeren Verweildauer im Krankenhaus ohnehin älter und morbider seien als noch vor Jahren. Die Praxis aber sieht anders aus, erzählt eine Stationsleiterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will: „Wir überwachen bei uns auch die Chemotherapie.“ Das sei den Pflegekräften „ein paar Mal gezeigt worden“. Und dann würden die Krankenpflegerinnen und -pfleger ins kalte Wasser geworfen: „Learning by doing“ laute das Prinzip. Tauchten Probleme auf, komme der Arzt natürlich. Aber er sei nicht von vornherein anwesend. Und bei der Verabreichung neuer Medikamente seien allergische Reaktionen keine Seltenheit.

Riexinger betonte, auch nach der Bundestagswahl an diesem Thema dranbleiben zu wollen. Ihm leuchte nicht ein, warum ein Angestellter mit industrieler Arbeit im Schnitt 10000 Euro im Jahr mehr verdiene als ein Beschäftigter, der eine personennahe Dienstleistung verrichte. „Wir müssen dieses Berufsfeld langfristig attraktiver machen“, fordert der Linke-Bundesvorsitzende. Dann würden auch viele Menschen wieder in den Pflegedienst zurückkehren, sagt Gewerkschafterin Springer-Gloning voraus. Bis 1. September will Verdi wissen, wie sich der Vorstand der Kreiskliniken eine Mindestbesetzung in der Pflege vorstellt. Kommt kein Angebot, kann sich die Gewerkschaft einen Warnstreik durchaus vorstellen.

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