Sonntag, 28. August 2016

10. Dezember 2013 07:37 Uhr

Sekte

Zwölf Stämme: Sieben Kinder aus Förderungswerk abgeholt

Drei Familien waren in der Dürrlauinger Einrichtung seit September untergebracht.  Von Angela Effenberger

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Sichtlich unter Schock standen gestern Mittag die drei Familien der Glaubensgemeinschaft Zwölf Stämme, deren insgesamt sieben Kinder in den frühen Morgenstunden von Mitarbeitern des Jugendamtes Donau-Ries und der Polizei aus der Obhut ihrer Mütter genommen wurden. Seit September lebten sie im Mutter-Kind-Haus des Förderungswerks St. Nikolaus in Dürrlauingen. Den Eltern wurde das Sorgerecht vorläufig entzogen, der Aufenthaltsort der Kinder ist unbekannt.
Foto: Bernhard Weizenegger

In einer Polizeiaktion sind gestern in den Morgenstunden sieben Kinder der Glaubensgemeinschaft Zwölf Stämme aus dem Förderungswerk St. Nikolaus in Dürrlauingen abgeholt worden. Den Eltern wurde vorläufig das Sorgerecht entzogen. Seit September waren drei Mütter mit ihren Töchtern und Söhnen im Mutter-Kind-Haus der Einrichtung untergebracht. Dies bestätigte das zuständige Landratsamt Donau-Ries gestern auf Nachfrage unserer Zeitung.

Die Behörde reagierte damit auf einen Beschluss, den das Amtsgericht Nördlingen im September gefasst hatte: Damals wurden etwa 40 Kinder aus den Anwesen der Glaubensgemeinschaft in Klosterzimmern bei Nördlingen und in Wörnitz in Mittelfranken geholt. Es besteht der Verdacht auf Kindesmissbrauch. Den Sektenmitgliedern wird vorgeworfen, dass sie ihre Kinder mit Stöcken und Ruten schlagen würden. Die Staatsanwaltschaft Ausburg ermittelt wegen Misshandlung Schutzbefohlener und gefährlicher Körperverletzung. Während knapp 40 Kinder in Heime und zu Pflegefamilien gebracht worden sind und dort seit knapp drei Monaten leben, durften drei Mütter vorerst bei ihren Kindern bleiben, denn drei ihrer Kinder wurden noch gestillt. Die Familien wohnten seitdem im Mutter-Kind-Haus des Förderungswerks St. Nikolaus in Dürrlauingen, teilt die Sprecherin des Landratsamts Donau-Ries, Gabriele Hoidn, mit. Man habe den stillenden Müttern noch Zeit geben wollen, ihre Kinder abzustillen. Jetzt sei der Beschluss des Amtsgerichts aber vollzogen worden. Mitarbeiter des Jugendamts und der Polizei holten die Kinder im Alter zwischen einem und neun Jahren am Montagmorgen aus der Einrichtung ab. Wohin sie gebracht worden sind, wollte das Landratsamt Donau-Ries nicht verraten. Im Moment dürfen die Eltern ihre Kinder nicht sehen.

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Die Eltern der Kinder zeigten sich gestern schockiert. Sie berichten, dass ihnen die Kinder zum Teil aus dem Armen gerissen worden seien. „Wir wussten nicht, dass sie die Kinder abholen kommen“, erzählt die zweifache Mutter Britta Hennigfeld. Drei der Kinder werden nach Angaben der Eltern immernoch gestillt, die älteren Kinder gingen seit September in Dürrlauingen zur Schule. Am frühen Montagmorgen habe es dann an ihrer Tür geklopft, dort standen Mitarbeiter des Jugendamts und die Polizei, berichten die Eltern. „Wir wissen nicht, wann wir unsere Kinder wieder sehen oder wohin sie gebracht worden sind“, erzählt Britta Hennigfeld weiter.

Frauen sind auf Sekten-Anwesen zurück gekehrt

Vor dem Landratsamt in Donauwörth wollen die Familien nun gegen diesen Vorgehen demonstrieren. Noch gestern haben die drei Frauen ihre Koffer gepackt und sind wieder auf das Anwesen der Glaubensgemeinschaft im Landkreis Donau-Ries zurück gekehrt.

Manfred Hermann aus Dürrlauingen war Augenzeuge, als die Kinder abgeholt worden sind. Die Frauen seien total aufgelöst gewesen, die Kinder hätten geschrien und geweint. „Was da abgelaufen ist, ist unter aller Menschenwürde.“ Er kritisiert in erster Linie die Art und Weise, wie die Kinder aus ihren Familien geholt worden sind. Er könne nicht verstehen, wie man „in der Vorweihnachtszeit die Kinder ihren Familien so entreißen kann“.

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Ein Artikel von
Angela Brenner

Günzburger Zeitung
Ressort: Leipheim und Umgebung sowie Ichenhausen und Umgebung.


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