Mittwoch, 29. März 2017

20. März 2017 11:11 Uhr

Unterallgäu

Drogensucht: Letzte Chance Gefängnis

Jahrelang drehte sich für einen Unterallgäuer alles um den Rausch. Ein Urteil des Amtsgerichts Memmingen soll für den heute 26-Jährigen die letzte Chance sein.

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Der 26-Jährige probierte fast alle Drogen aus, die es auf dem Markt gibt – darunter auch Cannabis.
Foto: Alexander Kaya (Symbolbild)

Wie muss es sein, wenn sich alles nur noch um Drogen dreht? Wenn man den Tag nur mit der entsprechenden Menge Stoff und Alkohol schafft? Ein solches Leben war für einen 26-jährigen Unterallgäuer jahrelang Alltag. Nun sitzt er im Amtsgericht Memmingen auf der Anklagebank. „Ich war nur noch am Geld beschaffen. Der ganze Tag war darauf ausgelegt“, sagt er. „Man ist am nächsten Tag aufgewacht: Geld war da, man weiß nicht woher, aber Hauptsache, es war da.“ Weil er auch Drogen verkauft hat, wird er zu drei Jahren Haft verurteilt.

Drei Jahre Haft für 26-Jährigen

Viele machen als Jugendliche die ersten Erfahrungen mit Alkohol. Nicht so der heute 26-Jährige. Er hatte ein trauriges Vorbild: seine Oma. Er beginnt zu trinken wie sie. Mit zwölf, 13 Jahren nimmt er die ersten Drogen. Von da an probiert er alles aus, „was es auf dem Markt gibt“, wie der Gutachter erklärt: Cannabis, Amphetamin, Legal Highs, Crystal Meth, Halluzinogene testet er ebenso wie Opiate und Heroin oder wie das Schnüffeln an Feuerzeugen und Deos. Kokain nimmt der Angeklagte seltener – es ist zu teuer – dafür Medikamente wie Antipsychotika.

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Dazu heißt der ständige Begleiter Alkohol: erst eine Flasche Schnaps am Tag, dazu Weißwein. Dann sind es bis zu drei Flaschen täglich, dazu Bier. Wenn er nichts trinkt, wird er zittrig und unruhig. Übelkeit überkommt ihn.

Unterallgäuer nahm mit etwa zwölf Jahren die ersten Drogen

Drei Mal beginnt der Unterallgäuer nach dem Hauptschulabschluss eine Ausbildung, die er jedes Mal wieder abbricht. Er ist zwei Mal in Therapie und im Bezirkskrankenhaus untergebracht, aber seine Sucht bekommt er nicht in den Griff. Als er 2014 nach einer Therapie in die Obdachlosigkeit entlassen wird, versucht er, von den Drogen seine Finger zu lassen. Heimlich beginnt er wieder zu trinken, versteckt die Flaschen. Doch irgendwann verliert er komplett die Kontrolle. „Als ich drauf war, dachte ich: Jetzt ist auch schon alles egal.“ Er weiß nicht mehr viel von dieser Zeit, kann sich nur daran erinnern, wie er morgens zum Discounter lief, sich Alkohol besorgt hat. „Danach verschwimmt alles.“ Das Einzige, das ihm wichtig war und es noch immer ist: seine Katze. Soziale Bindungen hat er kaum noch; Kontakt nur zur Mutter und zur Ex-Freundin.

Verurteilter verkaufte Drogen an Minderjährige

Seit September sitzt der 26-Jährige in Haft. Zum ersten Mal in seinem Leben, obwohl es bereits neun Verfahren gegen ihn gab, sechs davon wegen Drogendelikten. Momentan ist er clean, der Entzug ist hart. Er weiß, dass er noch länger im Gefängnis bleiben muss, weil die Bewährung einer zweijährigen Jugendstrafe mit großer Wahrscheinlichkeit widerrufen wird.

Hinzu kommt das aktuelle Verfahren. Der Unterallgäuer hat Drogen verkauft, auch an Minderjährige. Zwölf Käufer listet die Anklage auf – es sind nur diejenigen Fälle, die sich anhand der Whatsapp-Chats gut beweisen lassen: Der 26-Jährige besorgte alle möglichen Stoffe für seine Kunden und übergab sie ihnen in seiner Wohnung oder an öffentlichen Treffpunkten. Zwischen zehn und 50 Euro bezahlen die Käufer für „Salat“ (Marihuana), „Smarties“ (Ecstasy) oder „Pepsi“ (Amphetamin). „Es ging ihm nicht darum, viel Geld zu verdienen“, sagt Verteidiger Michael Bogdahn. Sein Mandant sei schwer suchtkrank, und er brauchte Geld für seine eigenen Drogen. Das Urteil sei „die letzte Chance, die er nutzen will. Entweder er schafft es jetzt oder er schafft es nicht mehr“.

Ein Leben für die Drogen

Der 26-Jährige hofft darauf, am Ende der Strafe in den Maßregelvollzug zu kommen. Wer nach Paragraf 64 des Strafgesetzbuchs verurteilt wird, verbüßt einen Teil der Strafe in einer Therapieeinrichtung. Um seine Reue zu zeigen und das Gerichtsverfahren abzukürzen, gibt er den Drogenhandel zu. Im Gegenzug wird der Strafrahmen beschränkt. Das Schöffengericht verurteilt ihn zu drei Jahren Haft. Einen Teil davon wird er in der Forensik verbringen und die Sucht aufarbeiten. „Wir haben einen Lebenslauf gehört, wie wir ihn nur selten haben“, sagt Richter Nicolai Braun bei der Urteilsverkündung. „Es ist ein extremer Fall, der verdeutlicht, was der Drogenkonsum aus einem Leben machen kann.“

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Ein Artikel von
Melanie Lippl

Mindelheimer Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten Mindelheim

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