Donnerstag, 29. Juni 2017

04. November 2015 11:10 Uhr

Illertissen

Einstieg in die Arbeitswelt

In der Illertisser Berufsschule gibt es seit diesem Schuljahr eine spezielle Klasse für junge Asylbewerber. Nicht nur Deutschunterricht steht dabei auf dem Stundenplan.

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Melek Yörük bringt es schnell auf den Punkt: „Die Sprache“, sagt die junge Frau. „Die Sprache ist der wichtigste Baustein für die Integration.“ Wer sie nicht beherrscht, könne nur schwer Fuß fassen – in Deutschland, in der Gesellschaft, im Arbeitsleben. Seit zwei Jahren gibt Yörük ankommenden Asylbewerbern im Landkreis Sprachunterricht. Zunächst ehrenamtlich, beim Elchinger Freundeskreis Asyl, später fest angestellt in der Berufsschule in Neu-Ulm. Seit September unterrichtet die Deutsche mit den türkischen Wurzeln junge Flüchtlinge auch an der Berufsschule in Illertissen.

Denn seit diesem Schuljahr können Asylbewerber dort all die Kompetenzen erwerben, die nötig sind, um eine Ausbildung zu beginnen. In einem Vorbereitungs- samt anschließendem Berufsintegrationsjahr (BIJ) sollen die Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren nicht nur in Berufe schnuppern, sondern auch ihre neue Heimat besser kennenlernen. Selbstorganisation und Verhaltensregeln im Alltag stehen genauso auf dem Stundenplan, wie Sozialkunde oder Hauswirtschaft. Und natürlich Sprachunterricht.

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„Wir holen jeden Schüler dort ab, wo er persönlich steht“, sagt Yörük. Von einem Lehrer verlange das eine Menge Flexibilität und Geduld ab. „Eigentlich verläuft keine Unterrichtsstunde nach Plan.“ Denn so unterschiedlich wie die Herkunftsländer und die Schicksale der Schüler, die Yörük täglich unterrichtet, ist auch ihr Bildungsstand. Viele Jugendliche haben in ihrem Herkunftsland nie die Schule besucht. Sie können weder lesen noch schreiben. Andere wiederum haben bereits einen Schulabschluss in der Tasche, eine Ausbildung angefangen oder wollten studieren.

In der Berufsschule in Illertissen sitzen sie nun alle gemeinsam im Klassenzimmer. 20 Schüler aus Eritrea, Somalia, Syrien, Pakistan, Bangladesch und Afghanistan werden dort derzeit unterrichtet. In Neu-Ulm wurden im März zwei weitere Klassen mit jeweils 20 Schülern in der Berufsschule eingerichtet. Insgesamt 60 Asylbewerber, die nach zwei Jahren Unterricht nicht nur in der Lage sein sollen, eine Berufsausbildung aufzunehmen – sondern die im besten Fall auch weitestgehend in der Gesellschaft integriert sind.

In ihren Klassen lernen die überwiegend männlichen Asylbewerber deshalb nicht nur die Sprache, es wird auch gemeinsam gekocht, gebacken oder geputzt. Für viele ein „Umbruch“, wie Schulleiter Klaus Hlawatsch sagt. Sie müssen sich nicht nur schnell an eine andere Schulkultur gewöhnen, sondern auch daran, von Frauen unterrichtet zu werden oder selbst im Haushalt Hand anzulegen. Probleme habe es damit allerdings noch nicht gegeben. „Die Schüler haben Freude an ihren Aufgaben“, sagt Hlawatsch.

Ob die Schüler nach zwei Jahren tatsächlich so weit sind, dass sie in einen Ausbildungsberuf starten können, hänge stark vom Willen der einzelnen Personen ab. „Wir versuchen, den Menschen möglichst rasch möglichst viel mit auf den Weg zu geben“, sagt Lehrerin Yörük. Dass nicht alle gleich fleißig sind, sei nicht anders als in anderen Klassen.

Um etwa Sprachkenntnisse zu verbessern, will die Berufsschule künftig über weitere Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Klassen nachdenken. „Der Kontakt zu anderen Schülern ist wichtig“, sagt Hlawatsch. Wie genau dieser aussehen könnte, ist noch nicht klar. „Wir stehen ja noch ganz am Anfang.“

Der Schulleiter ist stolz darauf, wie gut die Arbeit mit den Asylbewerbern bisher funktioniert. Wie motiviert sowohl Schüler als auch Lehrer sind. Dass mit den steigenden Flüchtlingszahlen jedoch auch auf die Schulen im Landkreis Schwierigkeiten zukommen könnten, ist auch Hlawatsch bewusst. Ein Problem sei etwa der Mangel an passenden Lehrkräften. „Es wird immer schwieriger, geeignetes Personal zu finden.“

Geeignetes Personal: Das heißt in diesem Fall, Lehrer zu engagieren, die wie Yörük Erfahrungen in den Unterrichtsfächern Deutsch als Fremdsprache oder Deutsch als Zweitsprache haben. Die empathisch und geduldig sind.

Wie mühsam der Weg für alle Beteiligten sein kann, wird spätestens im zweiten Stock der Berufsschule bewusst. In einem Klassenzimmer üben die jungen Asylbewerber erste deutsche Wörter. „Der Vater, die Mutter, die Kinder“, steht in krakeligen Buchstaben an der Tafel. Jeder Schüler pinselt die Begriffe in seinem Arbeitsheft mit. Langsam. Buchstabe für Buchstabe. Nicht immer ist das Ergebnis korrekt. „Natürlich ist es schwierig“, sagt Yörük. Und natürlich seien manche von alldem, was da tagtäglich auf sie niederprasselt, auch mal überfordert. Aber die Sprache sein nun einmal der wichtigste Baustein für die Integration.

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Ein Artikel von
Madeleine Schuster

Illertisser Zeitung
Ressort: Lokalnachrichten

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