Dienstag, 12. Dezember 2017

Landsberg

07. September 2017 19:51 Uhr

Ludenhausen/Schondorf

Bekommen die Schulverweigerer einen Platz?

An der Sudbury Schule in Ludenhausen bleiben die Türen geschlossen. Die Annemann-Zwillinge und ihre Eltern haben einen Wunsch für das neue Schuljahr.

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Familie Annemann aus Schondorf: Vater Reiner, Mutter Charlott mit den beiden Söhnen Christopher (rechts) und Raphael (links). Die Zwillinge sind fast ein Jahr lang nicht zur Schule gegangen, nachdem die Sudbury Schule geschlossen hat.
Foto: Stephanie Millonig (Archiv)

Am Dienstag beginnt für Tausende Schüler im Landkreis Landsberg das neue Schuljahr. Aber nicht für alle. Denn sie sind Schulverweigerer. Nach wie vor kämpfen die Verantwortlichen der Sudbury Schule in Ludenhausen und ehemalige Schüler sowie Eltern für die Wiedereröffnung ihrer Einrichtung. Am Montag wollen sie vor dem bayerischen Landtag protestieren. Sie hängen dort aus Protest gegen Regierung und Kultusministerium sprichwörtlich ihren Schulranzen an den Nagel. An der Demo teilnehmen wird auch Charlott Annemann mit ihren Söhnen Christopher und Raphael.

Im Mai berichtete das LandsbergerTagblatt über den Fall der beiden 13 Jahre alten Zwillinge aus Schondorf. Sie gehörten zu den insgesamt 45 Schülern der Sudbury Schule. Die Einrichtung wurde zum Schuljahresende 2016 von der Regierung von Oberbayern geschlossen (LT berichtete). Die beiden Buben waren danach im vergangenen Schuljahr zwar an der Carl-Orff-Schule in Dießen angemeldet, besuchten aber insgesamt nur rund drei Wochen lang den Unterricht, weil sie es dort nicht aushielten. „Wir haben es dort versucht, aber es ging nicht. Und wir wollten keine Psychofälle schaffen. Wir haben mittlerweile ein Gutachten von einer Psychologin, dass es unsere Jungs nicht ins Regelschulsystem schaffen“, sagt Vater Reiner Annemann.

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Er und seine Frau Charlott stellen den Wunsch der Kinder und deren Wohl über Gesetze und riskierten auch empfindliche Geldbußen. Gegen einen Bußgeldbescheid des Landratsamtes wegen Verstoß gegen die Schulpflicht legten die Annemanns Widerspruch ein und landeten im April vor dem Amtsgericht. Zu den 200 Euro Bußgeld kamen Verfahrens- und Anwaltskosten hinzu. Mittlerweile hat der Rechtsstreit rund 2000 Euro gekostet. Und es drohen weitere Strafen. „Denn für 2017 haben wir bislang noch keinen Bußgeldbescheid erhalten“, so Reiner Annemann. „Und wenn wir die Kinder weiter nicht in die Schule bringen, wollen sich die Behörden drastischere Maßnahmen einfallen lassen.“

Das Landratsamt will härter durchgreifen

Im Frühjahr 2017 kamen laut Landratsamt Landsberg zehn Kinder aus sechs Sudbury-Familien im Landkreis der Schulpflicht nicht nach, darunter auch die Annemann-Sprößlinge. Pro Jahr hat das Landratsamt mit 50 bis 70 Fällen von Schulschwänzen zu tun. Die meisten sind „Wiederholungstäter“, sagt Pressesprecher Wolfgang Müller. „Zu 99 Prozent sind das Berufsschüler. Grund- und Mittelschule kommen sehr selten vor und wir haben nur ein bis drei Ferienverlängerer pro Jahr. Das mit Sudbury ist eine Ausnahmesituation“, so Müller. Das Landratsamt habe an die betroffenen Eltern nochmals appelliert und auf die Schulpflicht hingewiesen. „Wir haben schon einige Rückmeldungen, wo sie ihre Kinder im neuen Jahr unterbringen. Aber bei Verstößen wir werden das im neuen Schuljahr restriktiver handhaben.“

Die Regierung von Oberbayern bleibt als zuständige Schulaufsichts- und Genehmigungsbehörde beim Nein zur Wiedereröffnung der Sudbury Schule Ammersee. „Der Schulträger hat einen Antrag auf Wiedereröffnung gestellt, der mit Schreiben vom 31. Juli abgelehnt wurde, da die Genehmigungsvoraussetzungen nicht erfüllt waren“, heißt es auf LT-Nachfrage. Die Anhänger der Sudbury Schule wollen am Montag ab 14 Uhr vor dem Landtag demonstrieren. Die ehemaligen Schüler wollen ihre Schulranzen „an den Nagel hängen“ und darin persönliche Briefe verstauen, in denen sie Wut, Unverständnis und Trauer Ausdruck verleihen. „Den Schulranzen brauchen sie nicht mehr. Sie hatten gehofft, dass nach zahlreichen Gesprächen mit der Regierung und dem Kultusministeri eine Neueröffnung möglich wird. Doch sie wurden enttäuscht“, heißt es in einem Pressetext.

Wie viele Personen an der Demo teilnehmen werden, ist laut Monika Wernz offen. Die Sprecherin des Sudbury-Vereins zeigt sich nach wie vor enttäuscht über die gescheiterten Gespräche mit den Behörden. „Wir hätten einige Säulen verrücken müssen, aber das wären dann nicht mehr wir. Das ist, wie wenn man dem Waldkindergarten den Wald nimmt. Wir haben viele Angebote gemacht, aber es hat nicht gezündet.“ Im November oder Dezember gibt es ein Wiedersehen mit Regierung und Kultusministerium. Dann allerdings vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht – zum einen wegen der Schulschließung, zum anderen wegen der Ablehnung des Antrags auf Wiedereröffnung.

Das neue Schuljahr wird für die Schondorfer Zwillinge Christopher und Raphael zwar nicht an der Sudbury Schule weitergehen. Aber vielleicht an einer Montessorischule. „Wir hoffen auf Plätze in Inning, Kaufering oder Peißenberg“, sagt Vater Reiner Annemann. Die 13-Jährigen hätten Interesse, diese Schulform zu besuchen. „Den Druck, den wir als Eltern haben, spüren die Kinder auch. Sie sehen die Not. Wir haben keinen Plan B.“

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Ein Artikel von
Dominic Wimmer

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Ressort: Lokalnachrichten Landsberg


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