Montag, 11. Dezember 2017

04. Juli 2016 05:00 Uhr

Ulm/Neu-Ulm

Donaufest: Viel Lob für eine gute Idee

Beim Festakt rühmen Politiker das Engagement Ulms für die europäische Einigung. Doch der wichtigste Redner wird angesichts der aktuellen politischen Lage eher nachdenklich

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Schriftsteller György Konrád (Zweiter von links) hielt die zentrale Rede beim Festakt zum Jubiläum des Donaufestes.
Foto: Roland Furthmair

Bei den Besuchern ist das Internationale Donaufest ohnehin beliebt – auch die jetzige zehnte Ausgabe verzeichnete zum Start am Freitag volle Gassen und gute Umsätze an den Ständen. Doch in erster Linie soll das Donaufest ein Zeichen der europäischen Einigung sein: Beim Festakt zum Jubiläum des Festes gab es im Rathaus viel Lob für Veranstaltung, die seit 1998 alle zwei Jahre die vielfältige Kultur des Donauraums nach Ulm und Neu-Ulm bringt. Doch dazwischen mischten sich kritische Töne: Denn die Aufbruchsstimmung der Anfangsjahre ist angesichts der jüngsten politischen Entwicklungen einer gewissen Ernüchterung gewichen. Und auch Schriftsteller György Konrád, der 1998 mit seiner Rede „Donau – Hauptstraße Europas“ dieser Aufbruchsstimmung auf dem Münsterplatz Ausdruck verlieh, fand diesmal eher nachdenkliche Worte.

Konrád, Träger unter anderem des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels und des Karlspreis 2001, ist schon seit der Zeit des Kalten Krieges ein Brückenbauer zwischen Ost und West. Beim Festakt im Rathaus sprach der 83-Jährige über seine persönliche Beziehung zum Fluss, schöne, aber auch schockierende Erinnerungen – etwa daran, wie von den Nazis Menschen „in die Donau hineingeschossen wurden“. Konrád weiß: „Wer vor dem Fluss Achtung hat, hat sie auch vor seinem Nächsten.“ Er betonte die Bedeutung der europäischen Einigung für die Donauländer: Diese sei „eine Ehe, die zu scheiden uns nicht im Traum einfällt“.

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Doch ist es derzeit nicht schlecht um den europäischen Traum bestellt, gerade in Südosteuropa? Konrád bleibt gelassen: Die Phase der „populistischen Dummheiten“ werden vorübergehen. Ganz so optimistisch wie der Schriftsteller sahen aber nicht alle Redner. So wandte der baden-württembergische Justiz- und Europaminister Guido Wolf ein, dass es zur Überwindung der Krise großer Anstrengungen bedarf: „Ein Selbstläufer wird das nicht.“ Er forderte eine Rückbesinnung Europas auf seine eigentlichen Aufgaben. Und Bayerns Europaministerin Beate Merk, als Neu-Ulmer Oberbürgermeisterin einst Mitbegründerin des Donaufestes, betonte die Wichtigkeit eines starken Europas, gerade im Kampf gegen Terror und Fluchtursachen.

Merk, der freimütig bekannte, dass der Anstoß zum Donaufest seinerzeit allein von der Ulmer Flussseite kam, reihte sich aber auch in die Reihen der Gäste ein, die die Veranstaltungen priesen. Die Idee, die Menschen durch kulturelle Begegnungen einander näherzubringen, sei nach wie vor „durch nichts zu toppen“. Von deren Anfängen erzählten bei einem launigen Rückblick Ulms Alt-OB Ivo Gönner und der erste Leiter des Festes, der jetzige Donaubeauftragte Peter Langer. Gönner erinnerte an die damals schwierigen Rahmenbedingungen: „Wir haben diese Idee diskutiert, als entlang der Donau geschossen wurde.“ Langer berichtete, dass er beim Anblick des zerstörten Vukovar zum ersten Mal verstanden habe, was Krieg bedeuten kann.

Ulm pflegt mit der kroatischen Stadt enge Beziehungen; deshalb weilte auch Vukovars Bürgermeister Ivan Penava im Rathaus. Ebenso dessen Amtskollege Duro Topic aus dem bosnischen Orasje, das beim Save-Hochwasser 2014 schwer geschädigt wurde – und Hilfe aus Ulm bekam. Sie alle dankten Ulm für die Zusammenarbeit, das größte Lob für das Donau-Engagement der Münsterstadt sprach aber István Pásztor, Parlamentspräsident der serbischen Region Vojvodina, aus: Wie die Hefe beim Brotbacken treibe Ulm die Entwicklung an der Donau an.

Doch was genau hält denn nun die Donauländer zusammen? Sind es die Ideen und Werte, wie Ulms Oberbürgermeister Gunther Czisch betonte? Sein Amtsvorgänger Gönner sah noch eine andere Gemeinsamkeit: die Medizin. Denn als „Medizin“ tarne sich in fast allen Regionen am Fluss der Verdauungsschnaps. Zu dessen Genuss gibt es noch reichlich Gelegenheit: Das Donaufest läuft noch bis kommenden Sonntag.

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Ein Artikel von
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