Samstag, 17. Februar 2018

09. Februar 2018 06:00 Uhr

Pfuhl

Für viele bleibt er der Wetterprophet

Peter Scheidl aus Pfuhl hat jahrelang Tausende Fans mit seinen Vorhersagen erfreut. Für sein Engagement bei Kolping erhält der 77-Jährige nun das Bundesverdienstkreuz.

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Sein Hobby hat er zwar schon vor Jahren an den Nagel gehängt, doch für viele ist und bleibt Peter Scheidl der „Pfuhler Wetterprophet“. Für sein soziales Engagement bei Kolping erhält der 77-Jährige nun eine hohe Auszeichnung.
Foto: Alexander Kaya

Über viele Jahre hatte Peter Scheidl eine feste Fangemeinde. Bis zu 7000 Exemplare seiner Vorhersagen verschickte der „Pfuhler Wetterprophet“ jedes Jahr an Bürger in der ganzen Region. Und das kostenlos. Er verlangte nur ein Lächeln als Schutzgebühr. Vor sechs Jahren hat er sein Hobby zwar an den Nagel gehängt, doch noch heute wird er darauf angesprochen und gefragt, wie an dem und dem Tag das Wetter wird. „Das passiert schon noch, und das stört mich nicht“, sagt Scheidl. „Das hat damals viel Spaß gemacht und viel Arbeit. Und ich habe tolle Erlebnisse gehabt.“ Heute lässt es der 77-Jährige etwas ruhiger angehen. In der Kolpingsfamilie ist er aber nach wie vor aktiv.

Für sein langjähriges Engagement wurde ihm nun das Bundesverdienstkreuz am Bande sowie die Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste verliehen. Heute bekommt er die Auszeichnung im Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration in München überreicht. „Es war eine Überraschung“, erinnert sich Scheidl an den Tag, als der Brief aus dem Ministerium im Kasten lag. „Aber gefreut hat’s mich schon.“ Denn damit wird sein ehrenamtliches Wirken gewürdigt, das für ihn immer unter der Prämisse stand: „Man muss eine Motivation haben, und das kriegt man wieder zurück.“ So hat sich Scheidl, der mit seiner Frau Renate seit 1971 in Pfuhl lebt, neben seiner Arbeit bei IBM in Ulm jahrzehntelang bei Kolping engagiert – sowohl in Neu-Ulm als auch in Augsburg und auf Bezirksebene.

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Er hat Seminare gehalten und mit Senioren gearbeitet. Dabei ging es vor allem darum, dass ältere Leute selbst aktiv werden und etwas erzählen können – beispielsweise, wie sie früher Ostern gefeiert haben oder wie alte Haushaltsgeräte benutzt wurden. Seit Ende der 90erJahre hat er zudem bei der von Polizei und Landkreis ins Leben gerufenen Beratergruppe „Senioren informieren Senioren“ mitgewirkt. „Dabei haben wir beispielsweise über den Enkeltrick oder Haustürgeschäfte aufgeklärt.“ Das macht der Rentner noch heute. Im April ist er etwa wieder in Ulm gefragt. Auch Besuchsdienste übernimmt er nach wie vor und schaut zwei, drei Mal im Monat bei Jubilaren vorbei. „Die Familie hilft mit“, sagt Peter Scheidl über seine vielfältigen Aktivitäten. „Meine Frau und ich haben bei Kolping Reisen angeboten.“ Bis nach Südafrika, China und Mexiko ging es da für Senioren. „Die Leute sind dankbar, wenn sie wissen, dass sie gut aufgehoben sind“, ist seine Erfahrung. Und er ist froh darüber, dass das Engagement bei Kolping über seine Kinder und Enkel in den nachfolgenden Generationen lebendig bleibt.

Die Beschäftigung mit dem Wetter war für den 77-Jährigen ebenfalls immer eine Familienangelegenheit. „Ich hab’s von meinem Vater übernommen, und der hat’s von seinem Vater.“ So hat sich Scheidl Winter für Winter die Raunächte vom 25. Dezember bis 6. Januar um die Ohren geschlagen, aufs Wetter geschaut und seine Beobachtungen stündlich niedergeschrieben. Auf dieser Grundlage und mithilfe von Bauernregeln erstellte er eine ausführliche Prognose fürs ganze Jahr – gewürzt mit allerlei heiteren Sprüchen. Die Vorhersagen brachte er zu Papier und verschickte sie auf Anforderung an seine Fans. Auch wenn er sich manch spöttische Bemerkung anhören musste, wenn er mal danebenlag: Insgesamt brachte es der Hobbymeteorologe auf eine Trefferquote von bis zu 85 Prozent. Gesprächsstoff boten seine Prognosen allemal. „Das hat den Leuten viel Spaß gemacht“, sagt Scheidl. Dennoch will er damit nicht mehr anfangen. „Ich habe ja damals gesagt: Ich höre bewusst auf.“ Und so bleibt es bei sporadischen Anfragen und einem Ruf, der ihm bisweilen noch immer vorauseilt: „Wenn ich wo herumlaufe, kommt es schon mal vor, dass ich jemandem begegne, der meinen Namen nicht mehr weiß. Da heißt’s dann bloß: ,Ah, der Wetterprophet!’“

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