Sonntag, 21. Januar 2018

07. Dezember 2017 07:00 Uhr

Illertissen

Mit Rauschebärten auf Tour

Wenn der Nikolaus und Knecht Ruprecht zu Besuch kommen, dann leuchten Kinderaugen. Zwei Männer aus Illertissen machen die Aufgabe seit mehr als 30 Jahren – und das ehrenamtlich.

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Ob Kindergärten, Schulen, Betriebsfeiern oder Weihnachtsfeiern von Vereinen: Franz Eigner (links) und Ottmar Rädler sind seit mehr als 30 Jahren als Knecht Rupprecht und Nikolaus in Illertissen, Vöhringen, Senden und Umgebung unterwegs.
Foto: Alexander Kaya

Die kleinen Stühle werden zurecht gerückt, die Schuhe quietschen auf dem Boden und die mehr als 70 Buben und Mädchen der Kindertagesstätte St. Martin plappern fröhlich vor sich hin. Dann wird es still. Zwei Männer öffnen die Eingangstür. Der eine trägt einen roten Mantel, einen dichten Rauschebart und eine langen Bischofsstab. Der andere ist mit einem weißen Lammfellmantel und passender Mütze bekleidet, in der Hand hält er eine Rute aus Reisig. Die Kleinen schauen sie mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Bewunderung an.

„Es ist einfach schön, die erwartungsvollen Augen der Kinder zu sehen“, sagt Franz Eigner. Bereits seit mehr als drei Jahrzehnten ist er für die Kolpingfamilie als Knecht Ruprecht unterwegs. Fast immer mit seinem Partner Ottmar Rädler als Nikolaus. „Wir sind ein eingespieltes Team“, ist der Illertisser Eigner überzeugt. In der Zeit von 5. bis um den 15. Dezember sind die beiden in Illertissen, Vöhringen, Senden und Umgebung unterwegs – immer mit dem Privatauto, immer ehrenamtlich. Das Geld, das sie durch Spenden sammeln, gehen zur einen Hälfte an das Kinderhospiz St. Nikolaus in Bad Grönenbach und zur anderen Hälfte an die Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung. Sie besuchen Betriebsfeiern, Vereine, Privathäuser, Schulen oder eben auch Kindertagesstätten.

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„Wer weiß denn was vom Nikolaus?“, fragt Rädler die Kindergartenkinder. „Der Nikolaus hat vielleicht Geschenke dabei“, ruft es aus der Runde. „Und Schokolade“, fügt ein Mädchen hinzu. „Sehr gut“, lobt der Mann mit der Bischofsmütze die Kleinen. Doch bevor die Päckchen voll mit Süßem, Nüssen und Mandarinen verteilt werden, tragen die Buben und Mädchen Gedichte vor und singen voller Inbrunst: „Lasst uns froh und munter sein.“

Nikolaus-Gedichte und Adventslieder bekommen Rädler und Eigner fast bei jedem Besuch zu hören. Selbst wenn sie Menschen daheim besuchen, sei das üblich. „Die Oma freut es natürlich, wenn die Enkel etwas vortragen“, sagt Eigner, 52. Früher war die Begeisterung über den Nikolaus nicht so groß gewesen. Denn der Mann draußen vom Walde wusste über die Untaten der Kinder Bescheid. Und wenn sie nicht brav ihr Zimmer aufräumen oder den Eltern helfen – dann drohte Knecht Ruprecht einen Bengel in seinen Jutesack zu stecken. So hieß es zumindest in Erzählungen. Doch heutzutage sei das anders. „Früher machte man den Kindern Angst, heute ist der Nikolaustag ein richtiges Familienfest“, sagt Eigner. Großeltern, Eltern und Kinder hocken beisammen, trinken Tee oder Punsch und essen Plätzchen – und dann kommt der Nikolaus.

Ganz ohne Zurechtweisung geht es aber bei den Buben und Mädchen der Kindertagesstätte nicht. Die Erzieherinnen haben einen Zettel in das goldenen Buch des Nikolauses gelegt. „Was ist wichtig im Kindergarten?“, fragt der Nikolaus in den Halbkreis. „Niemanden schlagen“, „nicht schubsen“, nicht zwicken“, tönt es von allen Seiten. Dann wird der Mann mit dem langen, weißen Bart konkreter: „Und was sollte man im Flur machen?“ „Nicht rennen“, sagt eines der Kinder. „Nicht den falschen Weg gehen“, ein anderes.

Aus der Rolle fallen, das dürfe ein Nikolaus oder Knecht Ruprecht nicht. Das höchste Gebot ist: „Wenn Kinder sehr ängstlich sind, dann sollte man Einfühlungsvermögen haben und etwas Abstand halten“, sagt Rädler, 60. Doch im Kindergarten St. Martin ist das nicht der Fall. Fast alle Buben und Mädchen zeigen sich aufgeschlossen gegenüber den beiden kostümierten Männern. Winkend verabschieden sich Nikolaus und Knecht Ruprecht. Dann ruft ein Kind hinterher: „Ich hab was vergessen: Spucken dürfen wir auch nicht.“

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Ein Artikel von
Dorina Pascher

Günter Holland Journalistenschule
Ressort: Volontärin

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