Sonntag, 17. Dezember 2017

07. Dezember 2017 07:09 Uhr

Nachruf

Frankreichs Elvis Presley Johnny Hallyday ist tot

Die Franzosen liebten Johnny Hallyday bis zuletzt. Präsident Macron sagt sogar: „Wir haben alle etwas von Johnny in uns“.

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Mit Risikofreude und Durchhaltevermögen bis ganz nach oben: Das war die Botschaft des „französischen Elvis“ Johnny Hallyday.
Foto: Fred Dufour, afp

Das Ausmaß des Verlustes lässt sich im Ausland wohl kaum nachvollziehen. Doch in der Heimat des Rocksängers mit dem unfranzösischen Künstlernamen Johnny Hallyday zog dessen Tod bestürzte Reaktionen nach sich. Mit 74 Jahren erlag der „französische Elvis Presley“ – so sein Ruf – einer Krebserkrankung.

„Es ist ein wenig, als hätte Paris den Eiffelturm verloren“, sagte Politiker Benoît Hamon. „Wir haben alle etwas von Johnny in uns“, erklärte Präsident Emmanuel Macron. Am Mittwochmorgen hatte ihn Hallydays Ehefrau Laetitia als einen der ersten vom Tod ihres Mannes unterrichtet. Vielleicht waren es gerade seine menschlichen Schwächen, die Hallyday so populär machten: die Drogen- und Alkoholexzesse, die fünf Ehen, Scheidungen und Affären. Selbst die Vorwürfe der Steuerflucht verziehen ihm seine Fans.

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Hallyday war eine Legende des Rock‘n‘Roll

Oder lag es an der überbordenden Energie, die Johnny Hallyday ausstrahlte, sobald er im Rampenlicht stand? Er verkörperte ein Frankreich, das von Amerika träumte, von Rock ‘n’ Roll und dem Versprechen, dass mit einer Mischung aus Risikofreude und eisernem Durchhaltevermögen alles möglich ist – auch für einen verletzlichen Jungen ohne Vater, der Jean-Philippe Smet war, wie sein bürgerlicher Name lautete. Manche legten das fragwürdig aus: Nach einem Open-Air-Konzert von Hallyday in den 60ern in Paris begannen 150.000 Personen zu randalieren und sich Straßenkämpfe mit der Polizei zu liefern. Es waren vor allem Arbeiter, die ihrer gesellschaftlichen Lage Ausdruck verleihen wollten.

Hallyday machte 50 Alben

Hallyday selbst wurde in Paris geboren als Sohn einer Verkäuferin und des belgischen Schauspielers Léon Smet, der die Familie früh verließ. Förderer wie Sänger und Schauspieler Eddy Mitchell halfen ihm ins Showgeschäft. Mit dem Charme eines unverfrorenen Halbstarken traf Johnny Hallyday, wie er sich jetzt nannte, einen Nerv. Als musikalisches Chamäleon passte er sich Musik-Moden an, wechselte zu Country, Techno und Hip-Hop. Als Hallyday 2000 sein 40-jähriges Bühnenjubiläum feierte, kamen über eine halbe Million Fans. Er blickte auf 180 Tourneen und 50 Alben zurück. Er war ein Stehaufmännchen, das nie aufgab. Auch das erklärt wohl die Zuneigung vieler Franzosen bis zuletzt.

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Ein Artikel von
Birgit Holzer

Augsburger Allgemeine
Ressort: Korrespondentin Ausland


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