Sonntag, 17. Dezember 2017

30. November 2017 06:35 Uhr

FC Augsburg

FCA-Spieler Koo ist mit seiner Situation unzufrieden

Der Südkoreaner Ja-Cheol Koo hat seinen Stammplatz beim FC Augsburg verloren. Auf Dauer schließt er einen Wechsel nicht aus.

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Will von Beginn an spielen: FCA-Profi Ja-Cheol Koo.
Foto: Ulrich Wagner (Archiv)

An trainingsfreien Tagen fährt Ja-Cheol Koo regelmäßig nach München. Dort sucht er ein bestimmtes Restaurant auf, lässt sich typisch südkoreanisches Essen servieren. Fleisch, Fisch, reichlich Gemüse, viel Reis. Selbst kocht der 28-Jährige hingegen eher selten, fügt er lächelnd hinzu. Im Hause Koo bereitet ausschließlich Ja-Cheols Frau Jin-Hyeon Speisen zu. Auch wenn Koo seit knapp sieben Jahren als Fußballprofi in Deutschland lebt, die Sprache spricht und europäisches Leben kennt, asiatisches Essen ist dem Spieler des FC Augsburg lieber. Womöglich ruft es Heimatgefühle hervor.

Dieser Tage geht Koo noch öfter als gewöhnlich auswärts essen, denn seine Familie ist nach der jüngsten Länderspielreise in Südkorea geblieben. Bis kurz vor Weihnachten ist Koo allein in Augsburg, erst dann wird er die kurze Bundesliga-Pause nutzen, um nach Seoul zu reisen und seine Frau, seinen Sohn Bon-Woo, 3, und die 13 Monate junge Tochter Seoa wiederzusehen.

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FCA: Koo hält Kontakt zu seinen Verwandten in Südkorea

Wer Koo zuhört, der merkt, wie wichtig ihm sein Geburtsland ist. Kontakt zu Verwandten hält er über einen koreanischen Kurznachrichtendienst, vergleichbar mit WhatsApp. Dass derzeit Nachbar Nordkorea und dessen Raketentests in der Weltpolitik verstärkt Thema sind, dem misst Koo weniger Bedeutung bei. Was anderen Menschen Angst macht, ist er seit Jahrzehnten gewohnt. Koo sagt: "Im Fernsehen wird es problematischer dargestellt, als wir es wahrnehmen. Wir sind ein ganz normales Land."

In der Nationalmannschaft zu spielen, erfüllt den Südkoreaner mit Stolz. Entsprechend unzufrieden ist er derzeit mit seiner Situation beim FCA. Sein Lächeln verschwindet, nun wirkt er ernst. Man erkennt, das Thema beschäftigt ihn. Die WM in Russland ist für ihn eine große Sache, nachdem das Turnier in Brasilien für ihn enttäuschend verlief und Südkorea mit ihm als Kapitän in der Vorrunde ausschied.

Koo hat seinen Stammplatz beim FC Augsburg verloren

Koo fürchtet, seine Ausgangslage könnte sich im Hinblick auf die Weltmeisterschaft in Russland verschlechtern. Seinen Stammplatz beim FCA hat Koo verloren, er findet sich in dieser Saison verstärkt auf der Ersatzbank wieder. Der Koreaner gesteht, ungewohnt für ihn. "Ganz ehrlich, das ist für mich schwierig. Ich möchte immer von Anfang an spielen."

Koo hat wenig Erfahrung als Einwechselspieler, auch in der Nationalmannschaft saß er zuletzt auf der Ersatzbank. "Wenn ich weniger in Augsburg spiele, spiele ich weniger in der Nationalmannschaft", betont Koo. Er erklärt, er werde sich weiterhin im Training anbieten, wolle FCA-Trainer Baum die Entscheidung so schwer wie möglich machen, ihn nicht in die erste Elf zu beordern. "Meine größte Motivation im Training ist, dass ich von Beginn an spielen möchte."

Koos Vertrag läuft bis Sommer 2019, erst im März hat der Klub mit ihm verlängert. Bei sich mahnt Koo Geduld an. Einige Zeit will er abwarten, ehe er seine Schlüsse zieht. Dauerhaft schließt er einen Vereinswechsel nicht aus, sollte sich an seiner Situation nichts ändern. Im Gespräch macht er das deutlich.

Womöglich wird Koos Wunsch nach Startelfeinsätzen bereits in der Partie gegen seinen ehemaligen Verein Mainz 05 erfüllt (Samstag, 15.30 Uhr). Der Einsatz von Rani Khedira ist fraglich, Koo könnte ihn in der Auswärtsbegegnung im zentralen Mittelfeld des FCA ersetzen. Das Stadion, weit außerhalb der Stadt gelegen, kennt Koo bestens. Der Südkoreaner spielte eineinhalb Jahre in Mainz, ehe ihn der FCA im Sommer 2015 verpflichtete. Zuvor trug Koo schon einmal als Leihspieler das Augsburger Trikot. Koo freut sich auf das Wiedersehen in Mainz. Er hält noch Kontakt zu Spielern und Betreuern, auch wenn sein bester Kumpel von damals, Yunus Malli, inzwischen in Wolfsburg kickt.

Koo will in Mainz nicht nur von Anfang an spielen, er will mit dem FCA möglichst den positiven Trend der Saison fortsetzen. Gewinnen Koo und Co. dort, könnten sie nach dem kommenden Spieltag auf einem Europapokalplatz stehen.

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Ein Artikel von
Johannes Graf

Augsburger Allgemeine
Ressort: Sport


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Das ist der FC Augsburg

Der FC Augsburg geht aus einer Fusion zwischen dem BC Augsburg und des TSV Schwaben Augsburg im Jahr 1969 hervor. Anfangs spielte der FCA in der Bayernliga. 1973 stieg der FCA in die zweitklassige Regionalliga auf.

 

Es folgten die "goldenen Jahre" des FC Augsburg. Mit dem ehemaligen Weltstar Helmut Haller etablierte man sich in der Regionalliga und spielte kurzzeitig um den Aufstieg in die Erste Bundesliga mit. 1979 stieg man allerdings wieder in die Bayernliga ab. Bis 1983 folgten Ab- und Aufstiege, ehe man über Jahrzehnte hinweg in der Bayern Liga (später Regionalliga) verschwand.

 

Erst nach dem Einstieg des einstigen Unternehmers Walther Seinsch im Jahr 2000 ging es beim FC Augsburg wieder bergauf. 2006 stieg die Mannschaft in die Bundesliga auf, 2011 folgte der erstmalige Aufstieg in die Erste Bundesliga. In der Bundesligasaison 2014/15 erreichten die Augsburger sensationell den fünften Platz und qualifizierten sich so erstmals für die Europa League.

 

Vorstandsvorsitzender des FC Augsburg ist Klaus Hoffmann. Die Mannschaft wird trainiert von Manuel Baum. Geschäftsführer sind Peter Bircks und Stefan Reuter. Der FCA trägt seine Heimspiele in der  30.660 Personen fassenden WWK-Arena aus.

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