Freitag, 23. Februar 2018

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Die Spitalstiftung in Gundelfingen feiert 600. Geburtstag

Es war aus heutiger Sicht ein äußerst moderner Mann, dieser Herr Sitzenberger aus Gundelfingen. Im ausgehenden Mittelalter, als es weder Krankenhäuser noch soziale Einrichtungen gab, sorgte er dafür, dass seine behinderte Tochter auch nach seinem Tod gut betreut werde – und nicht nur das: Zusätzlich stattete der Gundelfinger Bürger Hans Sitzenberger das Spital nachhaltig mit seinem Vermögen aus.

Seit der Gründung werden dort hilfebedürftige Menschen gepflegt. Die Einrichtung besteht bis heute, ist wichtiger Teil der Gundelfinger Stadtgeschichte und eine bedeutende Säule des sozialen Lebens in Gundelfingen. Das Spital wird heute als eigenständige, bürgerliche Stiftung geführt. Auf diese Eigenständigkeit sind die Betreiber sehr stolz. Neben dem „Haus der Senioren“ mit 154 Bewohnern und 150 Mitarbeitern gehört zum Spital heute das betreute Wohnen, der Spitalwald sowie zahlreiche Ländereien. Das Herz des Spitals und Bestandteil des Stiftungsauftrages ist die kunsthistorisch wertvolle Barockkirche Mariä Himmelfahrt aus dem Jahre 1720.

Der Richter und Stadtrat Hans Sitzenberger war ein sehr wohlhabender Bürger in Gundelfingen und besaß am heutigen Standort des Spitals ein großes bäuerliches Anwesen. Hans Sitzenberger hatte mit seiner zweiten Frau drei Söhne und eine Tochter, Margarethe. Seine Tochter Margarethe war behindert und konnte sich nicht selbst versorgen. Als Vater lag es ihm am Herzen, auch nach seinem Tod seine Tochter gut versorgt zu wissen. Am 20. Juli 1418, dem St. Margarethentag, regelte er in der Gründungsurkunde seinen Nachlass.

 

 „Gut Fleisch, Eier, Fisch und gute Kost soll sie bekommen“

Er beschloss, den Großteil seines Besitzes dem Spital zu vermachen. Ausnahme war sein Haus in Lauingen und 200 Gulden, die er seinen drei Söhnen vermachte. Außerdem regelte er, dass alle drei Söhne eine auskömmliche Stelle als Priester fanden. Für seine kranke Tochter Margarethe regelte er in einer eigenen Urkunde seinen Nachlass.

„Für meine Tochter Margarethe wird eine Pfründe ausgedungen einschließlich einer Pflegerin und Frau zur Kirche, zur Straße, zu Bett und zu Tisch. Sie soll dieselben beiden Gemächer gebrauchen wie ich. Gut Fleisch, Eier, Fisch und gute Kost soll sie bekommen. Die Besten pflumedrinen Bett und zwifach Bettgewand.“

Die Urkunde zeigt, wie wohlhabend die Familie Sitzenberger war und wie sehr ihm die Versorgung seiner Tochter am Herzen lag – üblich war in dieser Zeit, Kissen mit Stroh zu füllen. Hans Sitzenberger behielt sich selber eine lebenslange Stellung als erster Spitalpfleger vor. Er beschloss, das bisherige Spitalgebäude, das auf einem ungeeigneten und zu kleinen Platz errichtet war, neu zu bauen. Damit der Umzug des Spitals auch formal korrekt erfolgte, wandte er sich an den Papst und Bischof mit der Bitte der Verlegung des Spitals zuzustimmen. Papst Martin V. besiegelte die Gründung in einer eigenen Urkunde. Noch im selben Jahr wurde 1418 mit dem Neubau des Spitalgebäudes begonnen. Margarethe zog in den ersten Stock, an der Stirnseite des heute noch existierenden „Westbaues“ ein. sis/pm

Kolloqium„Die bewegte Geschichte des Spitals“ steht als Thema über dem Kolloquium, das im Rahmen des Jubiläums am Samstag, 17. März stattfindet und sich an Fachleute und Geschichtsinteressierte wendet. Bereits am Freitag findet eine Einführung in das Kolloquium statt.

Freitag, 16. März 19 Uhr, Cafeteria

Vortrag „Städtische Gesellschaft und Alltag um das 1418“,sowieLesung aus ihrem historischen Kriminalroman „In Nomine Diaboli“ (erschienen im Gmeiner Verlag 2013) mit Henry Gerlach und Monika Küble, Autoren, Kunsthistoriker und Leiter des „Kompetenzteams Konstanzer Konzil“

Samstag, 17. März ganztägig ab 8.15 Uhr Festsaal Ost

Vorträge zur Geschichte des Spitals und des heutigen „Haus der Senioren“ mit Historikern Einweihung Urkunde „Für meine Margarethe“ Die Vorträge des Kolloquiums gehen der Frage nach, wie es in einer Zeit ohne Sozialstaat um die Armen-, Alten- und Bettlerfürsorge steht, welche Organisationsstrukturen es gab und wie sie sich weiterentwickelt haben.

Anmeldung und Kosten

 Teilnahmegebühr für das Kolloquium inklusive Veranstaltungen und Vorabendprogramm: mit Mittagessen 30 Euro (für Schüler und Studenten ermäßigt 25 Euro), ohne Mittagessen 25 Euro, für Schüler und Studenten 15 Euro. Es besteht auch die Möglichkeit, nur die Veranstaltung am Freitagabend zu besuchen, Eintritt für Vortrag und Lesung: 8 Euro

Anmeldung zum Kolloquium erforderlich bis 1. März 2018: im Spital/Haus der Senioren , Sitzenbergerstraße 4, Gundelfingen, Telefon 09073/9980, e-Mail: info@hausdersenioren.de

...und die ganze Stadt feiert mitMusikprogramm, Kinderfest, Tag der offenen Tür und Lagerleben:600 Jahre Spitalstiftung sind ein Grund, das ganze Jahr zu feiern

Seit 600 Jahren kümmert sich die Spitalstiftung in Gundelfingen um das Wohl kranker und alter Menschen. Die Bedürfnisse und Aufgaben haben sich in dieser langen Zeit nicht stark verändert: Pflege und Versorgung, aber auch die soziale Betreuung wollte Hans Sitzenberger für seine Tochter abgesichert wissen. Auch heute sind das die drei Hauptaufgaben, die das körperliche, aber auch seelische Wohlergehen der Menschen im Spital gewährleisten und sie ihren Bedürfnissen entsprechend in die Gesellschaft integrieren.

Ein funktionierendes Miteinander in der Stadt

Dass dieses Miteinander in der Gesellschaft gelingt, daran arbeiten in Gundelfingen alle gemeinsam: die Spitalleitung, die Mitarbeiter, ehrenamtliche Helfer, aber auch die Stadtverwaltung, Vereine, Kindergärten und viele weitere Institutionen der Stadt sind eingebunden. So hat die ganze Stadt in diesem Jahr auch allen Grund zu feiern. Bis zum großen, offiziellen Festakt des Jubiläums, der natürlich am Margarethentag, dem 20. Juli, stattfinden wird, gibt es eine Vielzahl von Veranstaltungen, zu denen alle Interessierten herzlich eingeladen sind. Mit einer musikalischen Zeitreise durch die sechs zurückliegenden Jahrhunderte nähert sich das Festjahr dem Jubiläumstag an.

Lanzinger-Trio startet Konzertreihe

Den Auftakt zu dieser Konzertreihe macht am Samstag, 17. Februar, um 19 Uhr das Trio Lanzinger: Komalé Akakpo, Hannes Mühlfriedel und Jörg Lanzinger reisen dann mit Zither, Hackbrett und Gitarre musikalisch durch die Neuzeit – von Pop bis Walzer. In weiteren Konzerten (Termine siehe Infokasten) stehen die Romantik, Klassik, die Zeit des Barock, sowie Renaissance und Mittelalter auf dem Programm.

Tag der offenen Tür und Kinderfest

Beim Tag der offenen Tür am Sonntag, 22. April, haben interessierte Besucher die Möglichkeit, das Gundelfinger „Haus der Senioren“ näher kennenzulernen. Ein buntes Programm aus Vorträgen, Mitmachaktionen und Ausstellungen ist geplant. Auch ein Kunstprojekt, das derzeit mit den Bewohnern des Hauses läuft, wird dann vorgestellt werden. Zum Abschluss des Tags der offenen Tür wartet ein Höhepunkt des Festjahres: Die beliebte Schauspielerin und Kabarettistin Marianne Sägebrecht rezitiert ihre „Sterbelieder für’s Leben“. Beim Fest für Kinder ist am 12. Mai Spielen und Toben angesagt, bevor im Juni das große Lagerleben stattfindet (Ausführliche Programmvorschau ab Juni folgt).

Sterbelieder für‘s Leben: Ein Abend mit Marianne Sägebrecht

Ein ganz besonderer Abend steht am 22. April auf dem Festprogramm: Die wunderbare Marianne Sägebrecht, bekannt als Schauspielerin und Kabarettistin, kommt nach Gundelfingen. „Sterbelieder für‘s Leben“ heißt ihr Programm für diesen Abend. Die schönsten und trostreichsten Lieder und Gedichte von Rilke, Heine, Brentano, Hesse, Maiwald, Gernhardt und Brustmann, vertont von Josef Brustmann, wird sie rezitieren. Begleitet wird sie dabei von Josef Brustmann mit Gesang und von Andy Arnold am Saxophon und an der Klarinette. Bei allem, was aus Träumen, Fantasien und „anderen Welten“ zu uns herüberwinkt, scheint der Tod nur etwas Schlimmes zu sein für die Zurückbleibenden. Für die, die den Verlust im Herzen spüren müssen, bedarf es des Trostes der Dichter und Sänger. pm

Das gesamte Veranstaltungsprogramm finden Sie unter www.HausderSenioren.de

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