Freitag, 24. März 2017

05. September 2013 00:31 Uhr

Umwelt

Alarm im Stadtwald

Augsburger dokumentiert extreme Austrocknung der Bäche mit Folgen für die Tierwelt. Umweltreferent und Landschaftspflege weisen den Vorwurf zurück, sie seien untätig Von Eva Maria Knab

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Der Alte Floßgraben ist momentan teilweise ausgetrocknet. Kritiker sehen wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen im Naturschutzgebiet gefährdet.
Foto: Nicolas Liebig

Bäche im Stadtwald trocknen aus. Von Tümpeln sind nur noch traurige Reste übrig. Und viele Tierarten leiden darunter. Diesen Sommer sei die Lage extrem schlimm gewesen, zu diesem Ergebnis kommt der Augsburger Umweltaktivist Bernd Koroknay. Er sieht eines der schönsten Naturschutzgebiete Bayerns in Gefahr. Seine Kritik: Stadt und „Profinaturschützer“ unternehmen zu wenig, um den Niedergang aufzuhalten.

Koroknay hat seine Beobachtungen mit zahlreichen Bildern im Internet dokumentiert. Danach sind vor allem der Bayerbach und der Alte Floßgraben von fortschreitender Austrocknung bedroht. Ersterer fliest im östlichen Stadtwald nahe am Lech, Letzterer im westlichen Stadtwald und mündet im Bereich von Haunstetten. Auch Teiche für Amphibien an der Schießplatzheide leiden stark unter Wassermangel, sagt Koroknay, der freiberuflicher Baumkundler ist und sich als „Stadtwaldkümmerer“ bezeichnet. „Die Fluss- und Teichmuschelvorkommen am Floßgraben sind diesmal sicher hin“, vermutet er. Fische seien in kleinen Lachen gefangen. Die Lage im Naturschutzgebiet ist aus seiner Sicht nicht mehr hinnehmbar. Sie werde noch verschärft durch Aktivitäten von „Verbandsnaturschützern“. Selbst die Augsburger Trinkwasserversorgung aus dem Stadtwald sieht Koroknay inzwischen gefährdet. Nach Einschätzung der Stadtwerke ist diese Befürchtung unbegründet.

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Dass es aber Probleme im Stadtwald gibt, bestätigt Nicolas Liebig, Geschäftsführer beim Landschaftspflegeverband der Stadt Augsburg. Einer der Gründe, warum Bäche streckenweise austrocknen, ist das zunehmende Vorkommen von Bibern, die Dämme anlegen. Die geschützten Tiere sind allerdings typische Bewohner von Auwäldern. Das städtische Tiefbauamt repariere die undichten Stellen in den Bächen auch immer wieder mit Lehm, sagt Liebig.

Als zweites Problem gilt, dass der Grundwasserstand in diesem Bereich stark schwankt und damit Bäche und Tümpel zeitweise komplett austrocknen können. Dies sei aber ein natürliches Geschehen im Stadtwald, so Liebig. „Einige Tierarten leiden darunter, andere profitieren davon.“

In neuen Tümpeln vermehren sich die Frösche

Insgesamt hätten die neuesten Zählungen eine positive Entwicklung der Tierwelt ergeben: Rund 60 Prozent der Amphibien im Stadtwald laichen danach besonders gerne in Biberrevieren. In vom Landschaftspflegeverband angelegten Tümpeln südlich des Stempflesees habe die Population von Grasfröschen und Erdkröten stark zugenommen. Davon profitieren andere Arten.

Liebig kritisiert seinerseits „einen Rundumschlag von Koroknay, der alle als Dilettanten hinstellt“. Es geschehe viel. Die Probleme im Stadtwald seien aber komplex und schon seit Jahrzehnten bekannt. Das bestätigen auch Umweltverbände wie die Lechallianz.

Als die insgesamt schlimmste Entwicklung im Stadtwald gilt, dass wertvolle Lebensräume im Naturschutzgebiet immer stärker austrocknen. Das liegt daran, dass der Lech ausgebaut wurde und die Auwälder nicht mehr durchfluten kann.

Handlungsbedarf sieht deshalb auch die städtische Landschaftspflege. „Es ist fünf vor zwölf für das Schutzgebiet“, sagt Liebig. Nötig sei ein ganzheitliches Konzept. Aus Sicht der Lechallianz könnte der große Wurf so aussehen: Der Freistaat geht einen möglichst naturnahen Umbau des Lechs mit Überschwemmungsgebieten an – und die Stadt setzt ein öffentlich gefördertes Projekt zur Bewässerung der Bäche im Stadtwald oben drauf. Letzteres würde rund 2,4 Millionen Euro kosten.

Kritiker Koroknay, der den Freien Wählern nahesteht, sieht besonders auch Augsburgs Umweltreferent Rainer Schaal (CSU) in der Verantwortung für die Misere im Stadtwald. Das geplante Bewässerungskonzept des Referenten werde mehr zerstören als helfen, glaubt er.

Schaal sieht das anders. „Ich möchte, dass wir die Probleme mit den Bächen in den Griff bekommen.“ Aus seiner Sicht gibt es nur zwei Lösungen im Naturschutzgebiet: Die Wasserzufuhr in den Stadtwald muss verbessert und der Grundwasserspiegel in den Auwäldern am Lech angehoben werden. Für Letzteres werde der Umbau des Flusses durch den Freistaat sorgen, ist er überzeugt. Der offene Planungsprozess für den „Freien Lech“ (Licca liber) ist allerdings erst angelaufen. Bis zum Spatenstich wird es noch Jahre dauern.

Das lange Warten auf die Finanzierung

Schaal verweist darüber hinaus auf sein vorliegendes Konzept, das die Feuchtlebensräume im Stadtwald verbessern soll. Die Finanzierung, die der Referent vorschlug, war bislang aber politisch umstritten. Der Umweltreferent will nun einen Auftrag des Stadtrats umsetzen. Danach soll die bessere Bewässerung des Stadtwaldes über Ausgleichsmaßnahmen der Bahn finanziert werden. Ein Ausgleich für Eingriffe in die Natur wurde beim Ausbau der Strecke Augsburg-München vorgeschrieben. Die DB will ihn bislang aber noch auf einem anderen Gelände bei Mering realisieren, wie der Referent einräumt. Eine Entscheidung erwartet Schaal noch in diesem Jahr.

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