Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem mysteriösen Polizistinnen-Mord vor vier Jahren in Heilbronn und dem Polizistenmord in Augsburg? Die Soko "Spickel" prüft derzeit eine Spur. Die beiden Bankräuber, die tot in einem ausgebrannten Wohnmobil in einem Eisenacher Vorort gefunden wurden, könnten etwas mit dem Mord an Mathias Vieth zu tun haben. Denn in dem ausgebrannten Wohnmobil wurden nicht nur die Leichen der beiden 34 und 38 Jahre alten Männer gefunden, sondern auch Waffen. Die LKA-Spezialisten haben insgesamt vier Pistolen und drei Gewehre in dem ausgebrannten Fahrzeug entdeckt. Darunter befanden sich die Dienstwaffen der getöteten Heilbronner Polizistin und ihres damals schwer verletzten Kollegen.
Augsburger Ermittler prüfen Verbindung
Die Augsburger Ermittler überprüfen jetzt offenbar, ob mit Waffen, die im Eisenacher Fall gefunden wurden, der Mord am Augsburger Polizeibeamten Mathias Vieth verübt wurde. Am Tatort im Augsburger Siebentischwald hatten die Ermittler auch DNA gefunden, die von den Tätern stammen könnte. Nach Informationen unserer Zeitung wird nun abgeglichen, ob das in Augsburg gefundene Erbgut möglicherweise von den beiden toten Bankräubern stammt. Auch Handydaten werden offenbar überprüft.
Bei der Augsburger Kripo bestätigt man, dass eine mögliche Verbindung zwischen dem Augsburger Polizistenmord und den beiden Eisenacher Bankräubern derzeit geprüft wird. "Das wird bei uns als eine Spur behandelt", sagt Klaus Bayerl, der Leiter der 50-köpfigen Soko "Spickel". Konkrete Ergebnisse lägen der Soko bis jetzt aber noch nicht vor. An Spekulationen werde er sich nicht beteiligen, betonte Bayerl.
Der Banküberfall und das brennende Wohnmobil
Die zwei Bankräuber hatten am vergangenen Freitag eine Sparkasse in einem Eisenacher Plattenbauviertel überfallen. Etwa zweieinhalb Stunden später bekam die Polizei einen Zeugenhinweis, dass ein Wohnmobil bei dem Bankraub eine Rolle gespielt haben könnte. Als sich Polizisten dem Fahrzeug näherten, hörten sie zwei Knall-Geräusche. Kurz darauf brach Feuer in dem Wohnmobil aus. Die beiden Männer wurden tot vorgefunden. Sie hatten sich erschossen. Fahnder aus Baden-Württemberg reisten nach Gotha, um mit den Kollegen die Ermittlungen im Polizisten-Mord fortzusetzen und Spuren auszuwerten.
Gesuchte Frau stellt sich
Rätsel gab zunächst eine 36 Jahre alte Frau auf, die nach dem Auffinden der toten Bankräuber verschwunden war. Inzwischen hat sie sich laut dem Radiosender Antenne Thüringen gestellt. Sie sei am Dienstag mit ihrem Rechtsanwalt bei der Polizei in Jena erschienen, sagte ein Polizeisprecher und bestätigte damit einen Bericht des Radiosenders.
Antenne Thüringen. Die Tatverdächtige wohnte mit den beiden Männern in einer Wohnung in Zwickau. Kurz nachdem der Vorfall mit dem Wohnmobil in Eisenach bekannt geworden war, explodierte die Wohnung des Trios. Die gesuchte Frau, die Bislang seien noch keine Hinweise zu ihrem Aufenthaltsort eingegangen, sagte ein Polizeisprecher. Die beiden Männer und die 36 Jahre alte Frau sollen nach Darstellung der Thüringer Linke-Fraktion und Medienberichten bereits als Bombenbauer in Erscheinung getreten sein und in Verbindung zur Neonazi-Szene gestanden haben.
Wie die beiden Männer im Zusammenhang mit dem Polizistenmord in Heilbronn stehen, ist nach Angaben der Polizei in Gotha noch nicht geklärt. Es werde nun versucht, die Spur der Dienstwaffen zurückzuverfolgen. Die in Heilbronn ermordete Polizistin stammte aus dem südthüringischen Oberweißbach. Ob es einen Zusammenhang zwischen der Herkunft der getöteten Beamtin und dem Fundort der Waffen gibt, ist bislang unklar. Die Männer könnten die Pistolen auch gekauft haben oder anderweitig in ihren Besitz gelangt seien, sagte der Sprecher des LKA Baden-Württemberg. Unklar ist bislang auch, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Polizistinnen-Mord in Heilbronn und dem Mord an dem Augsburger Polizisten Mathias Vieth gibt.
Augsburger Polizist starb bei Schießerei im Siebentischwald
Mathias Vieth war am vorvergangenen Freitag erschossen worden, als er mit einer Kollegin in Augsburg zwei Verdächtige auf einem Motorrad überprüfen wollte. Sie verfolgten die beiden Männer. Im Siebentischwald kam es dann zu einem Schusswechsel zwischen den Polizisten und den Verdächtigen. Vieth wurde dabei tödlich getroffen, seine Kollegin verletzt. Die Großfahndung nach den Mördern läuft seitdem - noch ohne Erfolg. Nach dem Polizistenmord von Augsburg wurde die Belohnung, die zur Ergreifung der Täter ausgesetzt ist, gestern auf 55.000 Euro erhöht. (mit dpa/dapd)