Mittwoch, 16. August 2017

11. August 2017 14:46 Uhr

Augsburg

Warum Kurt Gribl ein halber Stadtberger ist

Der teilweise kuriose Verlauf der Grenze zwischen Kriegshaber und Stadtbergen hatte  Auswirkungen auf die Jugend des Oberbürgermeisters. Als trennend wird sie aber kaum empfunden. Von Andreas Alt

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„Da hinten geht’s nicht weiter“, sagt Brigitte Krieger. Wir treffen sie in der Daucherstraße, einem der letzten Ausläufer von Kriegshaber. Am Ende der Sackgasse ist Augsburg dann endgültig zu Ende, und es beginnen die östlichen Ränder von Stadtbergen. Auch die Querstraßen zur Ulmer Landstraße sind nach Aussage der Frau abgesperrt. Hier haben die beiden Städte je für sich geplant und auf eine Verbindung verzichtet. Aber ganz in der Nähe verläuft die Stadtgrenze quer über die Ulmer Landstraße.

Wenn Brigitte Krieger die nahe Grenze wahrnimmt, dann nur positiv. Sie wohnt gern hier, und zwar seit 60 Jahren, und sieht es als Vorteil, dass die Einkaufsmärkte auf der Stadtberger Seite der Ulmer Landstraße so nah sind. Gerade war sie im Getränkeshop und hat ein paar Kästen Mineralwasser besorgt. Früher gab es auf Kriegshaber Seite einige kleine „Spezereiläden“, wie sie das nennt, etwa eine Bäckerei, aber dass die verschwunden sind, bedauert sie nicht sonderlich. Im Gewerbegebiet gegenüber bekommt man nun alles, was man braucht.

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Einst war die Gegend völlig unbebaut

Zurück zur großen Kreuzung mit der Kriegshaber und Neusässer Straße. Hier ist fast überall Augsburger Stadtgebiet, aber hinter dem einzelstehenden Haus, in dem sich das Rockcafé befindet, verläuft die Grenze quer durch „Philipps Sonderpostenmarkt“. Das liegt laut dem Leiter des Augsburger Geodatenamts, Wilfried Matzke, schlicht daran, dass die Grenze zu Zeiten gezogen wurde, als die Gegend noch völlig unbebaut war.

Die Situation hat aber für den Grundstückseigner, die Dasinger Baufirma Pletschacher, keine konkreten Auswirkungen. Sollte dort einmal neu-, um-, oder angebaut werden, braucht sie freilich zwei Baugenehmigungen. Stadtbergens Bürgermeister Paulus Metz versichert, das doppelte Genehmigungsverfahren würde für den Bauherrn keine Nachteile mit sich bringen. Wichtig war beim bestehenden Markt, dass er einen Zugang von Stadtbergen aus hat; sonst müsste er am Augsburger Friedensfest jedes Mal geschlossen bleiben. Metz verrät noch, dass auch das Elternhaus von Oberbürgermeister Kurt Gribl zum Teil auf Kriegshaber und zum Teil auf Stadtberger Grund steht. Gribl bezeichne sich daher gern als „halber Stadtberger“. Ein weiteres Haus mitten auf der Grenze gebe es in der Falkenstraße.

Gäste kommen von überall her

Damiano de Lia sitzt gerade auf der Terrasse seiner Gelateria. Ihm ist bewusst, dass Stadtbergen unweit auf der anderen Seite der Kriegshaber Straße beginnt, aber eine besondere Bedeutung hat die Grenze für ihn nicht. Seine Gäste kommen nach seinen Worten sowohl aus Kriegshaber als auch aus Stadtbergen und noch darüber hinaus: Neusäß, Steppach, auch Oberhausen. Um zu zeigen, dass ihm die Fragen des Journalisten nicht auf die Nerven gehen, bietet er am Ende noch einen Espresso gratis an.

Mehr über die Grenze nach Stadtbergen weiß Pfarrer Gerhard Groll. Die einstige Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit, die heute zu seiner Pfarreiengemeinschaft gehört, erstreckte sich bis 2003 - das war allerdings vor seiner Zeit - bis zum Virchowviertel. Dessen Bewohner wurden von dieser Pfarrei seelsorglich mitbetreut und gingen in Kriegshaber in die Kirche. Manchen von ihnen fiel die Umorientierung nach Maria Hilf in Stadtbergen laut Groll nicht leicht. Noch heute kann es vorkommen, dass bei Todesfällen im Virchowviertel der Trauergottesdienst in Kriegshaber gefeiert wird. Der Sarg wird allerdings in Stadtbergen in die Erde gelassen.

Keine Bedeutung hat die Grenze für die Konzerthalle „Spectrum“. Auch wenn man vermuten könnte, die bisweilen laute Einrichtung sei nur ganz am Stadtrand zugelassen worden. „Spectrum“-Chef Ufuk Aykut sagt jedoch, die Halle sei ja gar nicht am Rand der Bebauung. 1991 wurde das „Spectrum“ in der ehemaligen Turnhalle des TSV Kriegshaber gegründet. Ihr Einzugsbereich reicht weit über Augsburg hinaus, und an seinem Standort ist es von Stadt und Land aus gut zu erreichen.

Vielfältige Einkaufsmöglichkeiten

Wir folgen weiter der Stadtgrenze nach Süden und überqueren die Bürgermeister-Ackermann-Straße. Hier stehen nun Wohnhäuser auf der Stadtberger Seite, gegenüber befindet sich die ehemalige US-Garnison Cramerton. Die Bauten auf der Konversionsfläche sind durch einen Grünstreifen mit hohen Bäumen zur Straße hin abgeschirmt. Auch auf der Hagenmähder Straße gibt es auf Stadtberger Seite vielfältige Einkaufsmöglichkeiten. Die Straße ist entsprechend stark befahren. Die Märkte leben sicher zum guten Teil auch von Kriegshaber Kunden.

Auf dem Rückweg begegnen wir nahe dem Autohaus Listle einem 73-Jährigen, der gerade sein Fahrrad aus der Haustür schiebt, um zum Einkaufen zu fahren. Der Mann ist 1971 aus Kroatien nach Augsburg gekommen. „Hier ist es gut zu wohnen“, sagt er. Geschickt findet er vor allem die nahen Bushaltestellen - eine fast vor der Haustür, eine auf der Bürgermeister-Ackermann-Straße. Die Tramlinie 2 braucht er gar nicht.

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