Freitag, 24. November 2017

20. November 2012 12:10 Uhr

Bertelsmann-Studie

Bayern steuert auf dramatischen Pflegenotstand zu

Bis zum Jahr 2030 sollen in Bayern zigtausende Betreuungskräfte fehlen. Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) setzt in der Krise auch auf die Angehörigen.

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Mehr als 3,5 Millionen Menschen in Deutschland werden im Jahr 2030 pflegebedürftig sein. Gleichzeitig fehlen rund eine halbe Million Vollzeit-Pflegekräfte. Das prognostiziert die Bertelsmann-Stiftung in ihrem gestern vorgestellten „Pflegereport“.
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Mehr als 3,5 Millionen Menschen in Deutschland werden im Jahr 2030 pflegebedürftig sein. Gleichzeitig fehlen rund eine halbe Million Vollzeit-Pflegekräfte. Das prognostiziert die Bertelsmann-Stiftung in ihrem gestern vorgestellten „Pflegereport“. Der bundesweite Anstieg der Fallzahlen von 47 Prozent wird in den bayerischen Landkreisen zum Teil deutlich überschritten. Im Landkreis München liegt er nach Angaben der Stiftung bei mehr als 100 Prozent, im Landkreis Augsburg bei 72 Prozent und im Landkreis Aichach-Friedberg beispielsweise bei 83 Prozent.

In unserer Region sind die kreisfreien Städte mit einer jüngeren Bevölkerung weniger stark von der Zunahme betroffen. Der beste Wert wurde auf der Grundlage der zu erwartenden Bevölkerungsentwicklung für Kaufbeuren (31 Prozent) ermittelt, gefolgt von Augsburg und Memmingen (40) sowie der Stadt Kempten (44).

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Sozialministerin Haderthauer für Entlastung pflegender Angehöriger

Als Entscheidungshilfe für die Politiker auf allen Ebenen sind die regionalen und lokalen Prognosen über die jeweilige Versorgungslücke im Internet abrufbar unter www.wegweiser-kommune.de. Erfasst sind alle Landkreise und Städte ab 5000 Einwohner. Die notwendige Pflege könne künftig nicht von professionellen Kräften alleine erbracht werden, sagte Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, bei der Vorstellung der Studie.

Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) sprach sich deshalb im Gespräch mit unserer Zeitung für eine stärkere Entlastung pflegender Angehöriger aus. „Wir brauchen die volle steuerliche Absetzbarkeit von Aufwendungen für die Pflege zu Hause sowie die Gleichstellung der Pflege von Angehörigen mit der Erwerbstätigkeit bei der Rente.“

Pflegeberuf muss attraktiver werden

Um einem Mangel an Pflegekräften vorzubeugen, müssten die Rahmenbedingungen des Pflegeberufs attraktiver werden. Neben einer angemessenen Bezahlung durch die Träger gehöre dazu, die überbordende Bürokratie abzubauen, die durch überzogene Dokumentationspflichten der Kassen entstanden seien. „Pflegekräfte brauchen wieder Raum für die Pflege.“

Das bayerische Sozialministerium fördert nach eigenen Angaben die Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze mit 3000 Euro je Platz. Die Kampagne „Herzwerker“ in den Schulen soll außerdem Jugendlichen und Eltern das Berufsbild Altenpflege und die Aufstiegschancen nahebringen. Für pflegende Angehörige werden derzeit rund 110 Beratungsstellen mit 1,3 Millionen Euro gefördert.

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