Samstag, 16. Dezember 2017

07. Dezember 2017 23:08 Uhr

Allgäu

"Reichsbürger" schießt um sich und löst SEK-Einsatz aus

Ein 44-jähriger "Reichsbürger" schoss in der Nacht auf Donnerstag um sich. Spezialkräfte rückten an und umstellten stundenlang das Haus. Erst am Morgen stellte sich der Mann. Von Katharina Müller

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Ein Mann feuert wahllos mehrere Schüsse aus einer Waffe ab. Die Polizei umstellt sein Haus - Stunden später wird er von Spezialkräften abgeführt. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann mit zur «Reichsbürger»-Bewegung gehört.

Nachdem ein 44-Jähriger in der Nacht auf Donnerstag auf seinem Grundstück in Dietmannsried (Oberallgäu) um sich geschossen hatte, war es in seiner Nachbarschaft schnell vorbei mit der Nachtruhe. Ein Spezialeinsatzkommando aus München sowie zahlreiche Einsatzkräfte aus Kempten und den umliegenden Dienststellen rückten an und umstellten das Haus des Mannes, der der Reichsbürgerbewegung angehört.

Bei den Einsatzkräften waren in der Nacht auch Verhandlungsgruppen der Polizeipräsidien Augsburg und Kempten dabei. Eine Kommunikation war mit dem 44-Jährigen aber nicht möglich, sagte Polizeisprecher Sven Hornfischer. Am nächsten Morgen ließ sich der sogenannte Reichsbürger widerstandslos festnehmen. Nach bisherigem Ermittlungsstand steht der deutsche Staatsangehörige in Verdacht, zwei Mal jeweils mehrere Schüsse, im zeitlich späteren Fall auch in Richtung eines Nachbarhauses abgegeben zu haben.

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„Im ersten Moment war es natürlich ein Schock“, sagte Bürgermeister Werner Endres, der nicht weit vom Einsatzort entfernt wohnt. Er sei aber vor allem froh, dass niemandem etwas passiert ist. Probleme oder ähnliche Vorfälle habe es mit dem 44-Jährigen bisher nicht gegeben, sagte Endres. „Reichsbürger“ erkennen die Bundesrepublik sowie deren Behörden und Gesetze nicht an. Die Bewegung wird inzwischen bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet.

Polizei findet Schreckschusswaffen

Den ganzen Donnerstagvormittag über waren wegen des Großeinsatzes noch mehrere Straßen und Wege gesperrt, so dass Schüler sowie Berufstätige zum Teil einen längeren Umweg machen mussten, sagte Endres. Die Gemeinde habe aber schnell geregelt, dass Busse etwa auf Schüler warteten und der Betrieb in der örtlichen Schule, die in der Nähe des Tatortes liegt, normal stattfinden konnte, sagte Endres.

Die Polizei durchsuchte bis zum Nachmittag das Haus und das Anwesen des Mannes. Vorbei an einem Briefkasten mit NPD-Aufkleber gingen die Beamten mehrere Stunden bei dem „Reichsbürger“ ein und aus. Dabei fanden sie eine Schreckschusswaffe, mit der der Mann wohl in der Nacht um sich geschossen hatte. Ob er die Schüsse gezielt abgab oder einfach in die Luft ballerte und warum er dies tat, ist nach Angaben der Polizei noch unklar. Einen Waffenschein hat der 44-Jährige allerdings nicht. Als volljährige Person durfte er die Schreckschusswaffe zwar auch ohne Erlaubnis besitzen, abfeuern hätte er sie aber auch auf seinem eigenen Grundstück nicht dürfen, sagte Hornfischer. Die Polizei verhörte den Mann mehrere Stunden. Am Nachmittag war er wieder auf freiem Fuß.

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