Es ist ruhig geworden. Scheinbar keine wilden Orgien mehr. Polizei ist wachsam Von Andrea Stölzle

Senden Vergangenes Jahr war es das Sommerthema schlechthin: wilder Sex am Baggersee zwischen Senden und Vöhringen. Doch heuer scheinen sich die Hemmungslosen von einst verzogen zu haben, denn Auffälliges passiert wohl nicht mehr, neue Beschwerden gibt es auch keine. Das ist die Bilanz der Sendener Polizei, die seit Bekanntwerden der schlüpfrigen Zustände verstärkt auf Streife geht. In einschlägigen Internetblogs, die Sendens Baggerseenlandschaft bislang als Paradies für Sexhungrige unter freiem Himmel beworben haben, heißt es zum Beispiel jetzt: „Vorsicht, die kontrollieren, besser also fernbleiben.“
„Die Lage ist absolut ruhig geworden“, sagt Sendens Polizeichef Günter Gillich. Wahrscheinlich hätten sich die Sextouristen inzwischen andere Plätze gesucht. Auch seitens der Anlieger gebe es zurzeit keine Anzeigen mehr. „Wir kontrollieren regelmäßig, zeigen Präsenz“, so Gillich. Von einer „offenen Sexszene“ könne in Senden nun also nicht mehr gesprochen werden. Zwar sei Freikörperkultur an vielen Baggerseen an der Tagesordnung, doch gegen dezentes Verhalten habe sicher auch die Polizei nichts. „Aber Swinger und eine Homoszene wollen wir hier nicht haben“, sagt Gillich.
Maßnahmen zur Renaturierung sollen kommen
Bürgermeister Kurt Baiker hat ebenso keine Beschwerden mehr gehört. Die Stadt hat außerdem vor, mit Renaturierungsmaßnahmen neue Feuchtgebiete zu schaffen und damit gemütliches, lauschiges Terrain zu verringern, das den Sextouristen anlocken könnte.
„Wir planieren bis Herbst zusätzlich noch den Parkplatz, dann passen noch mehr Autos hin“, sagt Sendens Bürgermeister. „Und je mehr Besucher sich tummeln, umso weniger Interesse werden manche Leute an Versteckspielen haben.“
Aufgrund der angespannten Haushaltslage hatte der Sendener Stadtrat das Biotopprojekt noch in diesem Jahr gestoppt. Doch es soll auf alle Fälle in den nächsten Haushalt eingestellt werden, verspricht der Bürgermeister. Die Rede ist von rund 15000 Euro. Dazu komme nämlich, dass Senden nur einen geringen Teil des Schlagzeilen-Baggersees besitzt. Der Großteil gehört Vöhringen, dem Freistaat, den Fischern und Privatleuten. „Wir müssen uns deshalb nochmals mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen“, betont Baiker. Geleitet werden müsse die Maßnahme der Renaturierung ohnehin vom Landratsamt, da das Wasserwirtschaftsamt zuständig sei.
Laut einer Umfrage bei fast 600 Lesern der Neu-Ulmer Zeitung in diesem Jahr glaubt die Mehrzahl aber nicht daran, dass die Renaturierung der „Grauzonen“ sinnvoll ist. Dabei geht es um den Schilfgürtel, der den südlichen vom nördlichen Waldsee trennt und das Brachland, das sich zum Großen Baggersee hin erstreckt. Der Erfolg bleibt somit abzuwarten.
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