Sonntag, 19. November 2017

Landsberg

03. November 2017 16:51 Uhr

Landsberg

Geldstrafe statt heißer Küsse für einen Anwalt

Einem Juristen werden auf einmal 6373,50 Euro auf sein Konto überwiesen. Dann kommt eine junge Frau aus Russland ins Spiel. Von Ernst Hofmann

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Auf der Anklagebank des Landsberger Amtsgerichtes saß jetzt ein Anwalt, der sich wegen Geldwäsche verantworten musste.
Foto: Alexander Kaya (Symbolbild)

Der erste Liebestreff mit einer jungen Russin schien für einen Anwalt aus dem Landkreis nach monatelangem Austausch von innigen Botschaften und teils erotischen Bildern greifbar nahe. Die angebliche Romanze zerplatzte jedoch wie eine Seifenblase. Auf heiße Küsse und mehr musste der Jurist verzichten. Stattdessen musste er sich vor dem Amtsgericht wegen „leichtfertiger Geldwäsche“ verantworten.

Er soll 6373,50 Euro, die eine unbekannte Tätergruppe in betrügerischer Weise auf sein Konto bei einem Geldinstitut in Landsberg umgeleitet hatte, abgehoben und an sich genommen haben. Es handelte sich um eine Online-Überweisung von einer GmbH aus Ingolstadt. Empfänger sollte das Finanzamt sein. Dort kam das Geld nicht an. „Es muss etwas schief gelaufen sein“, fiel den Verantwortlichen der GmbH bei der Überprüfung der Buchungsbelege auf.

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Was war passiert? Eine unbekannte Tätergruppe, der es offenbar gelungen war, eine Menge Daten von Online-Banking-Kunden auszuspähen, soll im Juni 2016 die Überweisung zu Lasten der Firma auf das Konto des Beschuldigten veranlasst haben. Er soll zuvor von unbekannten Tätern als „Finanzagent“ angeworben worden sein, um Herkunft und Verbleib des in betrügerischer Weise erlangten Geldes zu verschleiern. Wie ging’s weiter mit dem Geld? Der Rechtsanwalt will das Kuvert mit der kompletten Summe im Tresor seiner Kanzlei aufbewahrt haben. Eine Zeit lang.

Plötzlich taucht ein „Polizist“ auf

Eines Tages soll überraschend ein Beamter der Polizeiinspektion Landsberg vorbeigekommen sein: nicht in Uniform, sondern in zivil. Er wisse, so der Mann, nicht mehr, ob ihm der Beamte einen Dienstausweis gezeigt habe. Wenn ja, habe er nur flüchtig hingeschaut. Und habe dem Polizisten – möglicherweise sei es keiner gewesen – schließlich ohne Quittung und ohne Unterschrift das Geld in einem Kuvert mitgegeben. Letzteres habe er fotografiert, sagte der Mann, der in seiner Eigenschaft als Rechtsanwalt in der Regel versucht, anderen Leuten vor Gericht zu ihrem Recht zu verhelfen.

Wenn er ein Geständnis abgelegt hätte, wäre er nach Meinung des Staatsanwalts straffrei ausgegangen. Daran dachte der Mann, der von keiner Vorstrafe belastet ist, aber nicht im Entferntesten. Er räumte lediglich ein, dass er „blauäugig“ gewesen sei. Und ein bisschen mehr über das Geld auf seinem Konto hätte nachdenken sollen.

Von diesem Geld soll die junge Russin, die angeblich häufig über SMS, Mail, Whatsapp und i-Phone mit dem Anwalt in Verbindung gestanden haben soll, Bescheid gewusst haben. Sie soll den Mann gebeten haben, das Geld nach Moskau zu schicken. Denn sie wolle für ein paar Monate nach Bayern kommen und die Zeit mit dem Verehrer verbringen. Dieses Vorhaben scheiterte. Seither gibt es dem Vernehmen nach keinen Kontakt mehr zwischen dem Mann und der Russin. Überhaupt blieb unklar, ob es die junge Russin überhaupt gegeben hat oder ob sie nur ein virtueller Lockvogel war, um das Geld nach Russland zu transferieren. Offen blieb auch, was mit den 6373,50 Euro geschehen ist.

Der Anwalt hat nach Ansicht des Gerichts gelogen

Für Richter Michael Eberle hat der Mann in mehrfacher Hinsicht gelogen: Unter anderem habe er als seine Adresse „Lechstraße 7“ angegeben. Das sei der Standort des Amtsgerichts. Außerdem habe er behauptet, das Geld nicht bekommen zu haben. Und dass er nicht an das Geld herankommen würde.

200 Tagessätze zu je 30 Euro, dies wegen leichtfertiger Geldwäsche, verhängte Eberle gegen den Angeklagten. Der Vertreter der Anklage, Benjamin Junghans, beantragte 230 Tagessätze zu je 30 Euro. Im Strafbefehl, gegen den Einspruch erhoben wurde, waren es 150 Tagessätze zu je 70 Euro gewesen. Die 6373,50 Euro, die der Anwalt unrechtmäßig einbehalten hatte, muss er der Ingolstädter Firma außerdem zurückzahlen. Hinzu kommen die Gerichtskosten. Der Angeklagte und sein Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Timo Westermann plädierten auf Freispruch. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Denn der Verteidiger hat im Gerichtssaal keine Erklärung abgegeben, ob er dagegen Rechtsmittel einlegen wird.

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