Freitag, 24. November 2017

19. Dezember 2016 08:58 Uhr

Ulm/Neu-Ulm

Wenn der Christbaum baden geht

Jedes Jahr vor Weihnachten schwimmen die Mitglieder der Sporttauchergruppe Ulm/Neu-Ulm die eisig-kalte Donau hinab. Warum sich das – wenn man es richtig macht – sogar angenehm anfühlen kann. Von Annika Gonnermann

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Reiner und seine Freunde der Sporttauchergruppe Ulm/Neu-Ulm geben ein komisches Bild ab. Zu fünft stehen sie am späten Samstagabend am Neu-Ulmer Ufer der Donau – von oben bis unten im Neoprenanzug, in der linken Hand Flossen. Allein, das wäre noch nichts Außergewöhnliches: Erst die Fackel in der rechten Hand sowie das Rentiergeweih auf dem Kopf lassen den nichts ahnenden Spaziergänger verdutzt umschauen, als der 55-Jährige vorbeiläuft. Dabei ist Reiner noch nicht einmal der exotischste der Taucher, die an diesem Abend in die Donau steigen werden. Immer wieder blinken Weihnachtsmannmützen mit roten Sternen aus der Menge, einer hat sich sogar eine rote Schleife um die Schläfe geklemmt, die jedem Geschenk Ehre machen würde.

So sieht es aus, wenn sich über 60 Taucher entschließen, trotz eisiger Temperaturen, in die Donau zu steigen und sich ein wenig flussabwärts treiben zu lassen. Wie sich das anfühlt? „Erst sehr kalt, dann wird’s warm, dann kühl und zum Schluss tut alles weh“, scherzt Reiner, bevor er seine Fackel entzündet und zusammen mit seinen Kameraden in den Fluss steigt.

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Seit Anfang der 1970er Jahre organisiert die Sporttauchergruppe Ulm/Neu-Ulm diese Spaßveranstaltung kurz vor Weihnachten. Taucher aus der näheren Umgebung sowie befreundete Tauchclubs aus dem bayerischen und baden-württembergischen Raum reisen an, weil sie sich weder die Gaudi noch den spektakulären Blick auf das Münster und die Ulmer Altstadt nehmen lassen wollen.

Auch der Pressewart des Vereins, Peter Gebhardt, ist jedes Jahr wieder mit dabei. „Das ist immer ganz nett. Die Fußgänger am Ufer schauen immer ganz verdutzt, wenn da Fackelträger aus der Donau ‚Ulmer Spatza, Wasserratza’ rausschreien.“ Und damit die Froschmänner auch auf keinen Fall übersehen werden, haben sie neben den Fackeln und blinkende Mützen auch noch Feuerwerk und einen schwimmenden Weihnachtsbaum dabei – der treibt vor der ganzen Gruppe vorneweg, die sich trotz der Wassertemperatur von 4,6 Grad Celsius nicht die Laune verderben lässt. „Der Trick ist der, dass man Wasser in den Neopren-Anzug reinbringt und sich das Wasser dann einfach nicht mehr weiterbewegt. Das wird dann vom Körper erwärmt und dann ist man eigentlich in einer recht angenehmen Situation. Für eine kurze Zeit ist das sogar recht gemütlich“, erklärt Gebhardt. „Und wenn die Luft kälter ist als das Wasser, kann es im Wasser sogar angenehmer sein.“ Allzu lange sollte man aber trotzdem nicht im Wasser bleiben. „Man kennt solche Geschichten ja von Menschen, die auf See über Bord gehen und ins Wasser fallen. So ungefähr 15 bis 20 Minuten geht alles gut, danach sollte man schon schauen, dass man wieder rauskommt.“

Aber für solche Fälle trainieren die Mitglieder des Tauchclubs das ganze Jahr über. Bei Fortbildungen zum technischen Tauchen, Nachttauchen oder beispielsweise Tiefentauchen werden die Sporttaucher auf verschiedene Situationen eingestellt, die unter und über Wasser passieren können. Mit seinen circa 300 Mitgliedern und seiner starken Jugendgruppe ist der Verein dazu noch außergewöhnlich gut aufgestellt, denn das Interesse am Tauchen scheint nicht abzureißen. Ein Erfolg für die Sporttaucher: „Wir sind damals als Verein eingetreten, das Tauchen für interessierte Leute anzubieten. Wir wollen das Tauchen verbreiten und zeigen, dass es ein schöner Sport für alle Altersbereiche ist.“

Peter Gebhardt selbst ist immer noch fasziniert davon: „Tauchen ist ein bisschen wie Yoga. Wenn der Kopf unter Wasser ist, dann sind die Sorgen weg. Man glaubt gar nicht, wie unglaublich ruhig es im Wasser ist – und man sieht unglaublich viel, sogar bei uns in den Seen hier in der Region.“ Im Fokus steht dabei immer eines: „Dass wir den Tauchsport weiterbringen.“ Denn in Vereinen wie diesen werden wichtige Grundkurse zum Tauchen angeboten, auf die die Ausbildungen bei Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten aufbauen. „Wir bieten den Basis-Tauchschein für jegliche Art von Tauchen an. Und wer den nicht hat, bei dem geht gar nichts.“

Doch ganz so bierernst soll es an diesem Abend nicht zugehen. „Das Donauabschwimmen soll ja mehr eine winterliche Gegenveranstaltung zum Nabada sein“, erklärt Gebhardt. Also Hauptsache Spaß – auch bei ziemlich frostigen Temperaturen.

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Ulm | Neu-Ulm | Weihnachten | Münster | Polizei

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