Donnerstag, 25. Mai 2017

28. Dezember 2010 04:35 Uhr

Der Tag, an dem Rohrenfels nur knapp der Katastrophe entging

Was hat die Menschen in der Region dieses Jahr beschäftigt? Was sorgte für Gesprächsstoff, welche Entscheidungen und Ereignisse prägten das Jahr 2010? Die "Themen des Jahres" fassen Redakteure der Neuburger Rundschau nochmals für Sie zusammen.

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Rohrenfels Den Heiligen Abend hat ein Rentner aus Rohrenfels heuer erstmals in seinem Leben hinter Gitter verbringen müssen und auch zum Silvesterfest wird es für ihn keinen trauten privaten Rahmen geben, sondern Zellen-Atmosphäre hinter Stacheldrahtmauern. Der Mann ist in die jüngere regionale Kriminalgeschichte als der "Bombenleger von Rohrenfels" eingegangen. Das Landgericht Ingolstadt verurteilte ihn im Oktober zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren für eine Tat, die wohl einmalig im Landkreis sein dürfte:

Am 2. März erschütterte ein Ereignis die Gemeinde Rohrenfels heftig, obwohl die dort gelegten Sprengsätze gar nicht detoniert waren: Ein damals 66-jähriger Rentner hatte sein 220-Quadratmeter-Anwesen in der Luisenhöhe in tagelanger Vorbereitung vom Keller bis zum Dachboden zu einer einzigen großen Bombe präpariert. Nur ein winziger Funke hätte genügt und das Haus wäre in die Luft geflogen und mit ihm alle Menschen in unmittelbarer Nähe: die Zeitungsträgerin, die vielen Rettungskräfte, Ersthelfer, Feuerwehr, Polizei bis zum Notarzt und Sanitäter - womöglich auch Nachbarn. "Sie alle haben sich in höchster Lebensgefahr befunden", erklärte im Oktober beim Prozess am Landgericht ein Sachverständiger des Landeskriminalamts. "Wenn es irgendwo im Haus gezündet hätte, dann hätte es keine Chance gegeben, das in den Griff zu bekommen."

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So aber hatte Rohrenfels Glück im Unglück. Den evakuierten Bürgern saß der Schrecken zwar gehörig in den Gliedern, als sie in ihrer Behelfs-Unterkunft - der Turnhalle - mit Essen und Getränken versorgt wurden, aber sie durften wenige Stunden später wieder zurück in ihre Häuser. Bürgermeisterin Karin Schäfer erwies sich als fürsorgliche Gemeindechefin und kümmerte sich an diesem feuchtkalten Märztag höchstpersönlich um die Anwohner der Luisenhöhe.

Am Tattag selbst war die tatsächliche Gefahr bloß eine schreckliche Ahnung. Wie haarscharf der Ort einer Katastrophe entgangen war, zeigte sich dann in aller Deutlichkeit im Prozess. Nicht nur die Gutachter bestätigten die unmittelbare Gefahr für den kleinen Ort. Ein geradezu unheimliches Video, das die Feuerwehr bei ihrem Gang durchs Haus gedreht hatte, zeigte haarklein die makabere Situation, die sich ihr dargestellt hatte: 23 geöffnete Gasflaschen, unzählige mit Benzin getränkte Windeln in jedem der vielen Zimmer, Polster, Teppiche und andere Textilien, die mit brennbarer Flüssigkeit präpariert waren, Toaster und Heizlüfter, die mit Zeitschaltuhren zu tickenden Zeitbomben hergerichtet waren. Mehrere Tage dauerten diese kriminellen Vorbereitungen.

Dazu hatte der Rentner seinen ganzen Frust und Ärger, seine Verzweiflung und lebensmüde Verfassung an der Einrichtung ausgelassen: Fast alle Türstöcke waren mit einer Axt bearbeitet worden. Der Mann wollte - zu diesem Schluss kam auch das Gericht - seine Sache gründlich machen, um auf Nummer sicher zu gehen, dass nach ihm keiner mehr Freude an dem Anwesen haben konnte.

Familienleben in Scherben

Auslöser für all das war die private Situation des Rentners. Nach der Scheidung von seiner Frau und dem zunehmend distanzierten Verhältnis zu seinem Sohn sah er sein Familienleben in Scherben. Zudem stand das Anwesen in der Luisenhöhe, sein Lebenswerk und Statussymbol, zur Versteigerung an. Der Termin hätte nur wenige Tage nach seiner Verzweiflungstat stattgefunden. Nachdem er seine Vorbereitungen getroffen hatte, setzte sich der 67-Jährige in sein Auto in der Garage und versuchte, sich und seinem Hund mit Abgasen das Leben zu nehmen. Während das Tier verendete, wurde der Mann in letzter Minute gerettet.

Den viertägigen Prozess im Landgericht verfolgten etliche Rohrenfelser mit und auch die geschiedene Frau des Rentners und sein Sohn waren mehrfach im Zuschauerraum dabei. Kommentare blieben da nicht aus: Nachbarn, die unter dem despotischen Rentner gelitten hatten, wie sie sagten, konnten sich Bemerkungen nicht verkneifen. Unter ihnen galt er als "ständigen Meckerer und Nörgler", als aggressiv, streitlustig und Haustyrann. Lediglich ein Cousin warf ein freundliches Licht auf den Bombenleger.

Inzwischen ist in Rohrenfels wieder Ruhe eingekehrt. Das Haus, das unmittelbar nach der Tat Neugierige anlockte, steht nun einsam und verlassen da und erinnert nur die Nachbarn noch an den schrecklichen Tag an jenen nasskalten Tag im März und wie knapp sie mit dem Leben davon gekommen sind.

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