Freitag, 28. Juli 2017

12. August 2013 22:00 Uhr

Neuburg/Donau

Schlichten statt richten

Seit August gibt es eine Güterichterin am Neuburger Amtsgericht. Helga Kopp steht für versöhnliche Lösungen

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Helga Kopp ist nun auch Güterichterin am Amtsgericht Neuburg.
Foto. Barbara Würmseher

Deshalb hat sich die Justiz etwas Spezielles einfallen lassen: Das Gütegericht, das es seit 1. August verbindlich in jedem bayerischen Amtsgericht geben muss und das auf eine echte Konfliktlösung abzielt. In Neuburg hat Familienrichterin Helga Kopp eine Zusatzqualifikation zur Güterichterin absolviert. Sie ist zuständig für Familiensachen und betreut in ihrem Fachbereich auch das Amtsgericht Ingolstadt. Umgekehrt befasst sich ein Kollege von dort mit der gütlichen Regelung von Zivilsachen in Neuburg.

Der Güterichter tritt dann auf den Plan, wenn bereits ein Prozess – zivil- oder familienrechtlich – im Gange ist. Zeichnet sich während der Verhandlung eine Chance auf Versöhnung ab, wird unterbrochen und die Akten werden an den Güterichter weitergereicht. „Beide Richter, der Güte- wie auch Zivil-, beziehungsweise Familienrichter dürfen zu keinem Zeitpunkt miteinander über das Verfahren sprechen“, sagt Helga Kopp.

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Hat man einen Zeitpunkt für die Sitzung des Gütegerichts gefunden, so treffen sich alle Beteiligten – oft sind es mehr, als nur die gegnerischen Parteien – in einem neutralen Raum an einem großen runden Tisch. „Da ist schon die psychologische Situation eine ganz andere“, schildert Helga Kopp. „Der Richter ist nicht der Dominante, sondern ein Moderator. Die Betroffenen sollen selbst Lösungen überlegen. Oft geht es ihnen einfach nur darum, in Zukunft in Ruhe und Frieden miteinander oder nebeneinander leben zu können.“

Einige Spielregeln bestimmen diese Gespräche. So gibt es eine Vertraulichkeitsvereinbarung, damit alles Gesagte in diesen vier Wänden bleibt. Die Vergangenheit wird erläutert, Themen werden gesammelt, jeder darf zu Wort kommen und Beleidigungen sind untersagt.

Im Idealfall kommen die streitenden Parteien zu einer Lösung und wollen ihre Probleme beilegen. Dann treffen sie miteinander eine Vereinbarung, die der Güterichter protokolliert. Dieses Protokoll geht dann zum Zivil- oder Familienrichter zur Kenntnisnahme. Damit ist dann nicht nur das eine Verfahren beendet, sondern alle möglicherweise parallel zueinander laufenden. Die Betroffenen sparen also auf diese Weise nicht nur Zeit, sondern auch Kosten. Gibt es allerdings keine Einigung, muss der Güterichter irgendwann aufgeben. Dann wird regulär weiter verhandelt bis zu einem Urteil.

„Wo es bereits Gütegerichte gibt, erreicht man hohe Erfolgsquoten“, weiß Helga Kopp. „Rund drei Viertel der Fälle führen zu einer gütlichen Lösung.“ Für sie selbst bleibt die neue Aufgabe allerdings noch spannend. Denn Helga Kopp wartet noch auf ihre erste dienstliche Gelegenheit, Frieden zu stiften.

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Barbara Würmseher

Donauwörther Zeitung
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