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Papst Benedikt XVI.: Der letzte Auftritt des Papstes

Papst Benedikt XVI.

Der letzte Auftritt des Papstes

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    Pilger aus Brandenburg/Iller bei Ulm stehen in Rom zur Generalaudienz auf dem Petersplatz. Tausende Gläubige haben sich vor dem Petersdom versammelt, um den Papst zu verabschieden.
    Pilger aus Brandenburg/Iller bei Ulm stehen in Rom zur Generalaudienz auf dem Petersplatz. Tausende Gläubige haben sich vor dem Petersdom versammelt, um den Papst zu verabschieden. Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa

    Zum letzten großen öffentlichen Auftritt von Papst Benedikt XVI. sind am (heutigen) Mittwoch in Rom zehntausende Menschen gekommen. Bei einer Generalaudienz nimmt das scheidende Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Petersplatz Abschied von der Öffentlichkeit. Er dankte den Gläubigen und schloss die ganze Welt in sein Gebet ein. Er vertraue Gott die Kirche in aller Welt an, sagte Benedikt. Der Herr habe ihn auch in schwierigen Zeiten geführt. Der Papst dankte allen, die seinen Rücktritt mit Respekt und Verständnis aufgenommen haben. Er habe diese Entscheidung zum Wohl der Kirche getroffen. Benedikt hatte seinen Rücktritt mit schwindenden Kräften begründet. Er werde den Weg der Kirche weiterhin im Gebet begleiten, bekräftigte er.

    Viele Kardinäle, Pilger aus Deutschland und einige Prominente hatten sich auf den Weg zur Generalaudienz nach Rom gemacht. Unterdessen laufen im Vatikan die Vorbereitungen für das Ende von Benedikts Pontifikat am Donnerstag um 20 Uhr und die anschließende Papstwahl.

    Seehofer will Papst persönlich grüßen

    Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer will Benedikt am Mittwoch Grüße überbringen. Für ihn und seine Frau ist eine persönliche Begegnung vorgesehen.

    Aus Benedikts Heimat Bayern haben sich außerdem hunderte Pilger auf den Weg nach Rom gemacht. Auch einige Dutzend Gebirgsschützen und zahlreiche Trachtler in ihren farbenfrohen Gewändern wollten dem scheidenden katholischen Kirchenoberhaupt Grüße aus der Heimat übermitteln. Unübersehbar schwenkten sie weiß-blaue Fahnen. Aus Traunstein, wo Benedikt einst zur Schule ging, war eine Blaskapelle nach Rom gekommen. Seminaristen des dortigen Gymnasiums hielten ein Transparent mit der Aufschrift "Chiemgau-Gymnasium grüßt Papst Benedikt" in die Höhe.

    Die Pilger aus Bayern hatten schon Stunden vor Beginn der Generalaudienz gute Stimmung auf dem Petersplatz verbreitet. "Es ist wahnsinnig gut", sagte Reiseleiterin Renate von Franckenstein vom Bayerischen Pilgerbüro. "Die Menschen stehen auf ihren Stühlen und singen und jubeln."

    Auch Ingrid und Roland Koch aus Heidelberg verfolgten zusammen mit den bayerischen Pilgern den letzten großen öffentlichen Auftritt Benedikts XVI. in Rom. "Wir sind um 5 Uhr aufgestanden und zu Fuß zum Petersplatz gegangen", sagte Roland Koch. "Die Stimmung ist grandios." Der Rentner hatte die Reise seiner aus dem Allgäu stammenden Frau geschenkt, die am Mittwoch ihren 63. Geburtstag feierte.

    Am späten Nachmittag wird für Benedikt der Trubel rund um seine letzten Tage als Papst vorbei sein. Dann wird der 85-Jährige mit einem Hubschrauber zur päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo vor den Toren Roms fliegen.

    Mit Papst-Abschied stellt Schweizer Garde Dienst für Benedikt XVI. ein

    Sein letzter öffentlicher Akt wird um 17.30 Uhr ein Abschiedsgruß an die Gläubigen der Diözese Albano von der Loggia der Residenz Castel Gandolfo aus sein. Mit dem offiziellen Ende des Pontifikats um 20.00 Uhr stellt auch die Schweizer Garde ihren "öffentlichen Dienst" für den Papst ein.

    Die Sicherheit Benedikts ist aber garantiert, die Gendarmerie wird ihren Wachdienst fortsetzen.

    Nicht vor Anfang nächster Woche soll dann die Kardinalsversammlung in Rom zusammenkommen, um die Papst-Wahl im März vorzubereiten und über den Beginn des Konklaves zu entscheiden, erklärte Papst-Sprecher Federico Lombardi. Benedikt hatte es den Purpurträgern in einem Schreiben zum Konklave freigestellt, die Papst-Wahl vorzuziehen.

    Papst Benedikt XVI. wird weiter "Heiligkeit" sein

    Nach seinem Rücktritt wird sich Benedikt "Emeritierter Papst" oder "Römischer emeritierter Pontifex" nennen, wie Lombardi am Dienstag sagte. Man werde sich an Joseph Ratzinger aber weiterhin auch mit der Anrede "Eure Heiligkeit" wenden können. Es sei Benedikts Entscheidung gewesen. Nach seinem Rücktritt am Donnerstag wird der 85-Jährige außerdem den "einfachen weißen Talar" anziehen.

    Papst Benedikt hatte am 11. Februar völlig überraschend seinen Rücktritt zum Ende des Monats angekündigt. Seine Kräfte ließen nach, sagte er zur Begründung. Er ist der erste Papst seit Jahrhunderten, der sein Amt freiwillig aufgibt.

    Voller Lob, Wehmut und Respekt: Erzbischof Robert Zollitsch

    Erzbischof Robert Zollitsch wird als Vorsitzender die Deutsche Bischofskonferenz bei der Audienz vertreten. Er lobte den scheidenden Papst. "Mit Papst Benedikt verlässt einer der größten Theologen auf dem päpstlichen Stuhl sein Amt", sagte der Freiburger Erzbischof am Dienstagabend in Rom.

    Papst Benedikt: Stationen seines Lebens

    Joseph Aloisius Ratzinger wird am 16. April (Karsamstag) des Jahres 1927 in Markl (Oberbayern) geboren.

    Ratzinger wächst mit seinen beiden Geschwistern Georg und Maria in einem religiös geprägten Elternhaus auf.

    Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wird Joseph Ratzinger 1945 als Flakhelfer eingezogen.

    Ratzinger studiert von 1946 bis 1951 Philosophie und Theologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Freising und an der Universität München.

    1951 wird Joseph Ratzinger im Freisinger Mariendom zum Priester geweiht. Als Priester leitete er 30 Jahre die Regensburger Domspatzen.

    Ratzinger habilitiert 1957 in München über "Die Geschichtstheologie des heiligen Bonaventura". Ab 1959 ist er Professor in Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg.

    1977 beruft Papst Paul VI. Ratzinger zum Erzbischof von München und Freising. Er wählt als bischöfliches Motto "Mitarbeiter der Wahrheit".

    Papst Johannes Paul II. betraut ihn 1981 mit der Leitung der Römischen Glaubenskongregation, durch die er sich den Ruf eines Hardliners erwirbt.

    Nach dem Tod des Papstes Johannes Paul II zelebriert Ratzinger 2005 die Totenmesse für den Verstorbenen und leitet das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes.

    Ratzinger wird nach nur 26 Stunden im vierten Wahlgang zum 265. Papst gewählt. Er trägt fortan den Namen Benedikt XVI.

    2013 tritt er nach acht Jahren im Amt freiwillig von seinem Pontifikat zurück - ein bisher einmaliger Vorgang. Benedikt wohnt fortan zurückgezogen in einem Kloster im Vatikan.

    2020 besucht Ratzinger seinen schwer erkrankten Bruder in Regensburg. Dieser stirbt kurz darauf.

    Dass Papst Benedikt XVI. sein Amt niederlegen wird, erfülle ihn mit "Wehmut", denn "Abschied bedeutet auch immer Trauer", sagte Zollitsch. Dennoch habe er großen Respekt vor Benedikts Entscheidung, als Papst zurückzutreten.

    Nächster Papst könnte ein Nicht-Europäer werden

    Benedikt hatte am 11. Februar seinen Rücktritt zum Ende des Monats verkündet. Er ist der erste Papst der Neuzeit, der sich zu solch einem Schritt entschließt. Im März soll sein Nachfolger gewählt werden.

    Zollitsch bekräftigte erneut, dass er die Zeit für einen außereuropäischen Papst für gekommen hält. "Wir sind Weltkirche (...) und ich kann mir durchaus vorstellen, dass nun auch ein Papst von einem anderen Kontinent kommt", sagte er. dpa, AZ

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