Mittwoch, 22. November 2017

11. Juli 2017 21:45 Uhr

Hamburg

So wurde die Polizei in Hamburg in die Falle gelockt

Ein Gewerkschafter erhebt schwere Vorwürfe. Sollten Beamte bei den Krawallen in Hamburg getötet werden?

i

Polizeibeamte im Einsatz bei den Hamburger Krawallen.
Foto: Boris Roessler/dpa

Sind die Polizeibeamten bei den Hamburger Krawallen nur knapp einem tödlichen Anschlag entkommen? „Wer von Hausdächern schwere Betonplatten wirft, hat die Absicht, Polizisten zu töten“, betonte Gerhard Kirsch, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Hamburg, gegenüber unserer Redaktion. Seine bisherigen Erkenntnisse würden den Verdacht erhärten, dass die Linksextremisten im Schanzenviertel gezielt und einem genauen Schlachtplan folgend versucht haben, Einsatzkräfte der Polizei in einen potenziell tödlichen Hinterhalt zu locken. Laut Kirsch haben sie auch ihre Rückzugsmöglichkeiten, die Fluchtwege und sogar die medizinische Versorgung verletzter Gewalttäter lange im Voraus organisiert.

Rote Flora in Hamburg unter Druck

Nach den Erkenntnissen der Gewerkschaft, die von der Polizei noch nicht offiziell bestätigt sind, wurde in der Nacht zum Samstag in der Straße Schulterblatt eine große Anzahl Gehwegplatten aus Zement, jede von ihnen größer als ein Leitzordner, auf die Dächer mehrstöckiger Häuser geschleppt. Kirsch berichtete darüber hinaus von Depots von Pflastersteinen und „Molotowcocktails“, die angelegt worden seien, um Polizisten zu treffen. Im Internet kursieren überdies Filmaufnahmen, die einen Mann auf dem Dach eines Hauses im Schanzenviertel zeigen, der offenbar einen Molotowcocktail in die Menge schleudert, zum Glück aber nur einen Wasserwerfer der Polizei trifft.

ANZEIGE

Das linksautonome Zentrum „Rote Flora“ in Hamburg gerät nach den Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel immer stärker unter Druck. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte ein konsequentes Vorgehen gegen Einrichtungen wie die „Rote Flora“ oder das Wohnprojekt in der Rigaer Straße in Berlin. Die Hausbesetzerszene sei eine „Keimzelle von Linksautonomen und anarchistischen Kräften“, sagte Herrmann nach der Klausur der CSU-Landesgruppe im fränkischen Banz. Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt sprach von „rechtsfreien Räumen“, die ausgetrocknet werden müssten.

In einer Resolution verlangen die Abgeordneten die Schließung solcher Räume: „Der bisherige Kuschelkurs in Hamburg und Berlin ist unverantwortlich.“ Der Innenexperte der Union, der CSU-Abgeordnete Stephan Mayer, hält eine gewaltsame Räumung der „Roten Flora“ sogar für „zwingend geboten“. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) forderte Demonstranten dazu auf, sich deutlicher von gewaltsuchenden Chaoten zu distanzieren: „Jeder Demonstrant, der Vermummten und Chaoten Schutz und Deckung bietet, macht sich mitschuldig.“ mit dpa und afp

Lesen Sie auch:

Nach den G20-Krawallen: Wird die Rote Flora geräumt?

Gewalt ist tabu – ohne Wenn und Aber

i

Ein Artikel von
Bernhard Junginger

Augsburger Allgemeine
Ressort: Redaktion Berlin



Alle Infos zum Messenger-Dienst