Samstag, 23. September 2017

23. Februar 2017 15:42 Uhr

Graben

Wie 60 Hektar eine Gemeinde verändern

Grabens Bürgermeister Andreas Scharf spricht im Interview über das Gewerbegebiet, auf dem Lidl, Amazon, DHL und jetzt auch noch Hermes eine Niederlassung haben.

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Andreas Scharf ist seit 2008 Bürgermeister in Graben, davor war er Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Lechfeld und in gleicher Position in der Gemeinde Graben tätig. Im Interview mit unserer Zeitung spricht er über seine Visionen beim Amtsantritt, die ersten Betriebe auf dem Gewerbegebiet westlich der B17 sowie die positiven und negativen Auswirkungen der Unternehmensansiedlungen.

Herr Scharf, hätten Sie bei Ihrem Amtsantritt gedacht, dass in Graben eines Tages so viele große Unternehmen ansässig sind?

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Andreas Scharf: Gedacht nicht, aber gehofft. Altbürgermeister Hans Winkler hat während seiner Amtszeit das jetzige Gewerbegebiet an der B17 in den Flächennutzungsplan aufgenommen. Das war eine sehr vorausschauende Entscheidung von ihm. Denn die Bundesstraße war damals noch nicht fertig, sie hörte vor Lagerlechfeld auf. Dass Amazon, Lidl, DHL und nun auch noch Hermes gekommen sind, ist fast ein Wunder.

Die Gemeinde steht wegen der Unternehmen finanziell also richtig gut da?

Scharf: Das muss man relativieren. Der wichtigste Befreiungsschlag war, als wir unsere Investitionen in die Grundstücke abbezahlt hatten. Erst danach haben wir durch die Verkäufe tatsächlich etwas verdient. Dazu nehmen wir durch die Einkommenssteuer und Grundsteuer Geld ein. Durch die hohen Steuereinnahmen müssen wir aber auch eine höhere Kreisumlage zahlen und erhalten weniger Schlüsselzuweisungen. Trotzdem bleibt für uns ein größerer Spielraum. Ohne die Unternehmen hätten wir uns schwergetan, ein Projekt wie die insgesamt 3,3 Millionen teure Turnhalle zu verwirklichen. Das gleiche gilt für die Bücherei, die als Kulturzentrum genutzt wird und ein super Treffpunkt geworden ist.

Welche weiteren Vorteile gibt es durch das Gewerbegebiet?

Scharf: Wir haben mit der Ansiedlung durch Hermes etwa 2500 Beschäftigte im Gewerbegebiet. Davon sind knapp 80 Prozent niedrig qualifizierte Jobs, die die Sozialkassen entlasten. Ich habe immer wieder den Betrag von einer Million Euro gehört. Die einzige Befürchtung, die ich langsam habe, ist, dass bald keine Angestellten mehr gefunden werden. Wir haben im Landkreis inzwischen ja quasi eine Vollbeschäftigung.

Hermes baut gerade für 40 Millionen Euro ein Verteilerzentrum, direkt neben DHL. Ist das nicht komisch?

Scharf: Ich bin der Meinung, dass Konkurrenz das Geschäft belebt, außerdem stehen beide in Geschäftsbeziehungen zu Amazon. Ob DHL allerdings zum Spatenstich von Hermes eingeladen war, weiß ich nicht. (lacht)

Gibt es eigentlich noch freie Flächen im Gewerbegebiet?

Scharf: Es sind noch etwa vier oder fünf Hektar nicht verkauft. Es gab nach Amazon eine Zeit, in der wir extrem viele Anfragen bekommen haben. Wir wollten einen gesunden Mix mit großen Betrieben wie Lidl, Amazon und jetzt auch Hermes und mittelständischen Unternehmen haben. Das ist uns ganz gut gelungen.

Besteht die Möglichkeit, das Gewerbegebiet auszuweiten?

Scharf: Durch die Nähe zu den Wohngebieten in Kleinaitingen, Graben und Lagerlechfeld sowie dem Baggersee ist es problematisch, weitere Flächen auszuweisen. Wir müssen auf die Lärm-Grenzwerte vor allem in der Nacht achten. Es gibt Überlegungen, einen Zweckverband mit Kleinaitingen und damit ein interkommunales Gewerbegebiet zu gründen. Das ist aber ein Projekt für die nächsten zwei oder drei Jahre.

Gibt es wegen der vielen Unternehmen auch Kritik in der Bevölkerung?

Scharf: Wir haben viele aktive Landwirte in Graben, die nur über die Fläche erfolgreich wirtschaften können. Da gibt es natürlich kritische Stimmen, denn durch das Gewerbegebiet haben wir den Landwirten bestimmte Flächen abgekauft. Und es kamen und kommen ja auch neue Wohngebiete dazu. Aber ich denke, dass die Landwirte von der Wohnbaupolitik der Gemeinde auch profitiert haben, weil sie die Einnahmen zum größten Teil in größere Flächen investieren konnten.

Gab es nie Probleme mit Kleinaitingen wegen Unternehmen? Immerhin kam das Logistikzentrum von Aldi Süd bereits 2005 auf Kleinaitinger Gewerbegebiet und vor Kurzem auch BMW.

Scharf: Es hat zwischen beiden Gemeinden nie eine Konkurrenz um das selbe Unternehmen gegeben. Es gab zwar viele Jahre Unstimmigkeiten zwischen beiden Gemeinden, das ist richtig. Doch seit 2014 ist das kein Problem mehr, ich verstehe mich mit meinem Amtskollegen Rupert Fiehl außergewöhnlich gut.

Können Sie sich noch erinnern, wie der Kontakt zu Lidl zustande kam, die 2011 als erstes ein Logistikzentrum in Graben errichteten?

Scharf: Ich habe damals, 2008 war das, in der Zeitung gelesen, dass eine Ansiedlung von Lidl in Windach gescheitert ist. Ich habe dann einen Brief an das Unternehmen geschrieben, dass wir eine gute Alternative wären. Wir bekamen zunächst eine Absage, denn das Unternehmen wollte eine Autobahn in der Nähe. Kurz vor meinem Amtsantritt kam das Unternehmen wieder auf mich zu, denn der B17-Ausbau stand bevor und plötzlich wurden wir als Standort attraktiv.

Und dann ging alles ganz schnell?

Scharf: Nein, denn die Firma Humbaur aus Gersthofen hatte eine Option für das Gelände. Daher haben wir Lidl das Gebiet westlich davon angeboten – den jetzigen Standort des Logistikzentrums. Wir nahmen die Verhandlungen mit insgesamt 35 Eigentümern auf – und haben uns alle einigen können.

Wurde es dadurch leichter, weitere Unternehmen wie Amazon anzulocken?

Scharf: Das war unabhängig voneinander. Wir haben uns damals für Amazon beworben und dann fiel die Entscheidung zwischen uns und Augsburg. Amazon stand unter Zeitdruck, denn sie wollten das Weihnachtsgeschäft noch an ihrem neuen Standort mitnehmen. Wir konnten ein 14 Hektar großes baureifes Grundstück in kürzester Zeit zur Verfügung stellen und deshalb kam der Versandhändler zu uns. Hätte sich das Unternehmen gegen uns entschieden, hätten wir ein 40 Hektar großes Gewerbegebiet davor gekauft – die Option von Humbaur ist Ende 2010 abgelaufen – und hätten keinen einzigen Interessenten gehabt. Da sind wir als Gemeinde ein hohes finanzielles Risiko eingegangen. Bis die Zusage von Amazon kam, habe ich vier Wochen lang schlecht geschlafen.

Warum ist der Standort Graben eigentlich so attraktiv?

Scharf: Die erste Investition die ein Unternehmen tätigen muss, ist der Grundstückspreis. Aber danach geht es für Spediteure und Logistiker um die laufenden Kosten. Denn jeder Kilometer, den ein Lkw fahren muss, kostet Geld. Und wir liegen sehr gut zwischen der A8, der A96 an der autobahnähnlichen B17. Das ist unser großer Vorteil.

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Ein Artikel von
Michael Lindner

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