Mittwoch, 20. September 2017

24. Januar 2014 16:25 Uhr

Badestrand statt Steilufer am Lech

Der Fluss soll sein Gesicht verändern und die Bürger dürfen Wünsche äußern. Die Stadtwerke pochen auf Trinkwasserschutz

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Spaziergänger, die eine freie Sicht auf den Fluss haben und sich auf Kiesbänken sonnen, statt hinter Deichen spazieren zu gehen, und mehr Lebensraum für Tiere und Pflanzen: Was bei „Wertach vital“ ein Erfolgsmodell ist, soll in den kommenden Jahren auf den Lech übertragen werden. Beim Renaturierungsprojekt „Licca liber“ können ab kommendem Dienstag die Bürger in Augsburg, Kissing, Mering und Königsbrunn mitreden. In den kommenden Tagen bekommen alle Haushalte ein Faltblatt, in dem erklärt wird, wie eine Online-Befragung abläuft (siehe Info).

So will das Wasserwirtschaftsamt abklären, welche Wünsche die Bürger für den Lech haben. Betroffen vom ersten Projektabschnitt von „Licca liber“ ist die Strecke zwischen Mandichosee und Gersthofer Wehr an der Autobahnbrücke.

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Geprüft werden soll, wie der Fluss im Bereich des Stadtwaldes verbreitert werden kann. Vor 150 Jahren war das Flussbett des Lechs noch bis zu zwei Kilometer breit. Mit jedem Hochwasser änderte der Fluss seinen Lauf. Inzwischen ist er fast kanalförmig ausgebaut und gräbt sich immer tiefer in sein Bett. Indem man Deiche zurückverlegt und dem Fluss statt eines Kanals eine breitere Wanne zur Verfügung stellt, soll die Entwicklung gestoppt werden (Grafiken rechts). „Wir wollen den Lech aber nicht durch den Stadtwald leiten“, so Ralph Neumeier, Chef des Wasserwirtschaftsamtes in Donauwörth.

Im Vorfeld der Online-Umfrage hatten sich zahlreiche Interessensgruppen öffentlich gemeldet, von Naturschützern über Fischer bis hin zum Kissinger Bürgermeister, der um die Trinkwasserversorgung fürchtet. Die Augsburger Stadtwerke betonten gestern, dass sie dem Projekt positiv gegenüberstehen. Aber auch sie pochen auf den Trinkwasserschutz. Einige Brunnen liegen fast direkt am Lech. „Veränderungen am Flusslauf können Auswirkungen auf die Grundwasserströme haben“, warnt Stadtwerke-chef Claus Gebhardt. Massive Erdarbeiten seien auch kritisch. „Wir befürworten das Projekt, aber Entscheidungen müssten mit Augenmaß getroffen werden.“

Auch Neumeier sagt, dass Trink- und Hochwasserschutz Vorrang haben. Ein Meinungsbild erhofft man sich von der Umfrage auch zum Weitmann- und Auensee. Sie könnten künftig vom Lech durchflossen werden und in dieser Form faktisch verschwinden. „Das Projekt ist darauf aber nicht angewiesen“, sagt Franz Tragner von der Agentur „tatwort“, die die Befragung für das Wasserwirtschaftsamt organisiert.

Auch für die Uferbereiche mit Besiedlung in der Stadt gibt es erste Überlegungen. Möglich wären bessere Zugänge zu den Kiesbänken, ausgelichtete Ufer für eine bessere Sichtbarkeit und Kioske. Auch diese Wünsche werden abgefragt.

Bis zum Sommer sollen die Ergebnisse feststehen. Dann steht eine genauere Planung an. Wann es mit dem Umbau losgehen könnte, ist unklar. Die Renaturierung müsste genehmigt werden und der Freistaat Millionenbeträge bereitstellen. Auch eine Umsetzung würde abschnittsweise erfolgen. Zum Vergleich: „Wertach vital“ wurde 1997 initiiert und wird aktuell auf Höhe Pfersee umgesetzt. „Bei so etwas muss man in Jahren denken“, so Neumeier.

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Ein Artikel von
Stefan Krog

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