Montag, 18. Dezember 2017

07. Oktober 2015 10:22 Uhr

Flüchtlingskrise

Familiennachzug: Aigner erwartet bis zu sieben Millionen Flüchtlinge

Bayerns Vize-Ministerpräsidentin Ilse Aigner rechnet damit, dass durch Familiennachzug bis zu sieben Millionen weitere Flüchtlinge nach Deutschland kommen könnten.

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Bayerns Vize-Ministerpräsidentin Ilse Aigner rechnet damit, dass durch Familiennachzug bis zu sieben Millionen weitere Flüchtlinge nach Deutschland kommen könnten.
Foto: Sven Hoppe, dpa/Archiv

Hinweis: Dieser Artikel wird aktuell (Oktober 2017) stark über die sozialen Netzwerke aufgerufen. Wir weisen daher darauf hin, dass es sich um einen Artikel aus dem Jahr 2015 handelt, der nicht mehr aktuell ist. Aktuelle Berichterstattung über die Einigung im Obergrenzen-Streit finden Sie hier: CDU und CSU finden Kompromiss im Obergrenzen-Streit

In der aktuellen Flüchtlingskrise kursieren praktisch jeden Tag neue Zahlen, wie viele Asylbewerber und Flüchtlinge bereits nach Deutschland gekommen sind oder noch kommen werden.

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Nun bringt Bayerns Vize-Ministerpräsidentin Ilse Aigner eine neue Zahl ins Spiel, wie viele Flüchtlinge wohl in den nächsten Jahren nach Deutschland kommen könnten. Gegenüber dem Münchner Merkur sagte sie, man spreche von "bis zu sieben Millionen Menschen, sobald anerkannte Flüchtlinge ihre Familien nachgeholt haben. Worüber wir reden, übersteigt also – erneut – alle Vorstellungen“.

Vor Aigner hatte auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig gesagt, dass sie bei den Flüchtlingen in Deutschland einen starken Familiennachzug erwarte. «Wir rechnen damit, dass sehr viele Frauen und Kinder nachkommen», sagte die SPD-Politikerin. 

Das 2005 in Kraft getretene Aufenthaltsgesetz erlaubt den Zuzug von Ehepartnern und Kindern, wenn Asylbewerber als solche anerkannt sind.

Die letzte offizielle Prognose über in Deutschland ankommende Flüchtlinge ist gut sechs Wochen alt: 800 000 würden in diesem Jahr erwartet, sagte damals Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Heute würde er eine solche Prognose nicht mehr wagen. Von ihm ist so schnell keine zu erwarten, sagte der Minister gestern. Da es europaweit keine funktionierende Erfassung der Flüchtlinge gibt, aber viele, sich teilweise widersprechende Schätzungen kursieren, ist eine seriöse Aussage kaum möglich.

Zahlen gibt es beispielsweise von der Grenzagentur Frontex, die von Warschau aus die Zusammenarbeit der EU-Mitgliedstaaten an den europäischen Grenzen koordiniert. Deren Chef, der Franzose Fabrice Leggeri, sprach dieser Tage von 630 000 illegalen Einwanderern, die in den ersten neun Monaten dieses Jahres an den Außengrenzen registriert wurden.

Eine andere Zahl kommt aktuell von der Internationalen Organisation für Migration (IOM): In diesem Jahr seien bisher 558 000 Migranten mit dem Boot nach Europa gelangt. Rund 3000 seien schätzungsweise auf diesem Fluchtweg ertrunken. Die Hauptroute verläuft über Griechenland, wo laut IOM 420 000 Einwanderer angekommen sind.

Frontex nennt hier eine deutlich niedrigere Zahl: 359 000 seien heuer auf der ostägäischen Route aus der Türkei nach Griechenland gelangt. Mehr als 150 000 stammten aus Syrien, 48 000 aus Afghanistan. Eine der möglichen Ursachen für die Differenz dürfte sein: Frontex zählt nur die registrierten Flüchtlinge.

Weil viele Flüchtlinge von Griechenland aus - wenn sie denn mit Fähren von den Inseln nach Piräus oder Thessaloniki gebracht worden sind - auf der Westbalkanroute über Mazedonien und Serbien Richtung Mitteleuropa, insbesondere Deutschland unterwegs sind, gibt es von dort eigene Frontex-Zahlen: Knapp 205 000 Migranten wurden dort bis Ende September registriert.

Wie viele es wirklich waren, weiß angesichts der chaotischen Zustände keiner wirklich. "Die Zahlen klaffen auseinander", stellt auch der Geschäftsführer von ProAsyl, Günter Burkhart, fest - nicht zuletzt angesichts der am Montag verbreiteten Prognose, in diesem Jahr würden 1,5 Millionen Menschen in Deutschland eine Zuflucht suchen. Anders als viele Politiker zweifelt er an der Wirksamkeit geplanter Maßnahmen zur Reduzierung der Flüchtlingszahlen. Eine angekündigte Grenzsperrung führe - siehe Ungarn - ebenso zu einer "Torschlusspanik" und rasant steigenden Flüchtlingszahlen wie die jüngsten Pläne des türkischen Präsidenten Erdogan: Dieser hat angeboten, gemeinsam mit der griechischen Marine die Flüchtlingsboote in der Ostägäis zu stoppen, wenn die EU sich im Gegenzug an den Kosten für den Umgang mit syrischen Flüchtlingen in der Türkei deutlich mehr beteiligt. Im Gespräch sind bis zu eine Milliarde Euro in diesem und im nächsten Jahr.

ProAsyl rechnet damit, dass sich bis zu einer politischen Einigung, die sich bis ins kommende Frühjahr hinziehen kann, noch Unzählige auf den Weg nach Europa machen werden. Dazu nochmals Zahlen: Laut Erdogan leben in der Türkei derzeit 2,5 Millionen Flüchtlinge, davon 2,2 Millionen Syrer. AZ, bom

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