Samstag, 21. Oktober 2017

24. Mai 2017 15:44 Uhr

Augsburg

Mehr als 1300 Kinderporno-Dateien bei Linus Förster gefunden

Die Staatsanwaltschaft bestätigt die Anklageerhebung gegen den Ex-Landtagsabgeordneten. Die Vorwürfe sind noch umfangreicher als bisher bekannt.

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Gegen den ehemaligen Landtagsabgeordneten Linus Förster wurde jetzt Anklage erhoben.
Foto: imago

Dem früheren Augsburger Landtagsabgeordneten Linus Förster droht eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Denn die Vorwürfe gegen den 51-jährigen Ex-Chef der schwäbischen SPD sind noch umfangreicher als bisher bekannt.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft hat am Mittwochnachmittag bestätigt, was unsere Zeitung bereits vor eineinhalb Wochen berichtet hat: Die Anklage gegen den ehemaligen Landtagsabgeordneten ist zu einer Großen Strafkammer des Landgerichts Augsburg erhoben worden. In einer Pressemitteilung listet die Staatsanwaltschaft genau auf, was sie Förster zur Last legt. Neu daran ist in erster Linie die beträchtliche Zahl von mehr als 1300 Kinderporno-Dateien, die die Ermittler auf verschiedenen Speichermedien des 51-Jährigen gefunden haben. Davon sind mehr als 800 Kinderporno-Fotos und mehr als 500 kinderpornografische Videofilme, teilte Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai mit.

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Strafrechtlich schwerer wiegen die Vorwürfe des schweren sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Frauen. Förster soll laut Anklage in den Jahren 2012 und 2014 an zwei schlafenden Frauen, die heute 31 beziehungsweise 35 Jahre alt sind, in seiner Wohnung den Geschlechtsverkehr heimlich vollzogen haben. In einem Fall soll er im Rahmen einer Party das Opfer am Lagerfeuer heimlich sexuell missbraucht haben.

Linus Förster: Vorwürfe von Prostituierter

Offenbar hatte Förster darüber hinaus ein Faible dafür, den Sex mit den Frauen jeweils heimlich zu filmen. Zweimal tat er das laut Anklage in seiner Wohnung beim einvernehmlichen Sex, einmal bei einem einvernehmlichen erotischen Fotoshooting im Freien und in seinem Auto. Im Juristendeutsch heißt das „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen. Sechs Fälle davon wirft die Staatsanwaltschaft Förster vor.

In einem Fall, der der Auslöser für die Ermittlungen gegen den Ex-Politiker war, wollte er Anfang September 2016 in Augsburg heimlich eine Prostituierte beim Sex mit ihm filmen. Doch die Asiatin merkte das. Es gab Streit, sie nahm den Speicherchip der Kamera an sich. Beim Versuch, den Chip gewaltsam wieder an sich zu nehmen, soll Förster die Frau verletzt haben. Sie behielt den Chip aber und ging am nächsten Tag damit zur Polizei, um Anzeige zu erstatten. Aus diesem Vorfall resultieren die Anklagepunkte vorsätzliche Körperverletzung und versuchte Nötigung.

Försters Ex-Freundin brachte Ermittlungen ins Rollen

Wie berichtet, war es Linus Försters langjährige Ex-Freundin, eine  Polizeibeamtin, die die Ermittlungen ins Rollen brachte. Sie erkannte im Polizei-Intranet auf einem Foto, das einen Teil von Försters Gesicht zeigte, ihren Ex-Freund und meldete dies. Mitte November wurden die Wohnungen und Büros des Ex-Abgeordneten durchsucht, einen Monat später wurde Förster während eines Aufenthalts in einer psychotherapeutischen Klinik in Niederbayern verhaftet. Seither sitzt er in der JVA Gablingen (Landkreis Augsburg) in Untersuchungshaft.

Försters Verteidiger Walter Rubach sagte auf Anfrage, seinem Mandanten gehe es „angesichts der Vorwürfe aus der Anklage natürlich nicht gut“. Er als Anwalt sei aber froh, dass die Ermittlungen nun abgeschlossen seien und man sich auf die Hauptverhandlung vorbereiten könne. Zur Frage, ob Linus Förster, der bisher geschwiegen hat, eines Tages etwas zu den Vorwürfen sagen werde, sagte Rubach: „Er wird sich sicher eines Tages einlassen, aber höchstwahrscheinlich erst in der Hauptverhandlung.“

Ein Termin für einen Prozess steht noch nicht fest. Es ist aber davon auszugehen, dass die aufsehenerregende Verhandlung noch in diesem Jahr über die Bühne gehen wird.

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Ein Artikel von
Holger Sabinsky-Wolf

Augsburger Allgemeine
Ressort: Bayern und Welt


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