Donnerstag, 18. Januar 2018

11. Januar 2017 06:05 Uhr

Handball

„Das geht eigentlich gar nicht!“

Wie die Trainer aus der Region die Entscheidung, dass die Weltmeisterschaft nur im Internet zu sehen ist, beurteilen – und wem sie sportlich bei diesem Turnier die größten Chancen einräumen

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Wenn der deutsche Nationalspieler Paul Drux (weißes Trikot, hier beim letzten Test gegen Österreich) bei der WM abhebt, bleiben die Fernsehschirme in Deutschland größtenteils dunkel – sehr zum Ärger der Handballfans.
Foto: Kleist, Murat/dpa, Montage Karnert

Wenn am heutigen Mittwoch die Handball-Weltmeisterschaft in Frankreich eröffnet wird, werden die Bildschirme der Handballfans in Deutschland größtenteils dunkel bleiben. Und das wird auch so sein, wenn das deutsche Team – immerhin amtierender Europameister und Olympiadritter – am Freitag mit dem Spiel gegen Ungarn ins Geschehen eingreift. Nur im Internet, über den Anbieter handball.dkb.de wird es bewegte Bilder von den Spielen geben. Der Grund für dieses Desaster ist, dass der katarische Senderechte-Inhaber beIN Media Group sich nicht mit den deutschen Sendern oder Internetanbietern einigen konnte.

Der Frust bei den deutschen Handballfans ist entsprechend – natürlich auch der bei den Protagonisten im Altlandkreis Friedberg. „Das geht eigentlich gar nicht“, ereiferte sich die Kissinger Trainerin Anita Steiner. Ihr stieß vor allem ein Bericht in der ARD-Sportschau sauer auf, in dem gezeigt wurde, dass sich der IHF-Präsident Hassan Moustafa für den Rechte-Deal mit den Kataris auch eine nette Provision gegönnt haben soll. „Ich kann es nicht verstehen, dass der IHF, in dem Europa so stark vertreten ist, diesen Deal zugelassen hat. Es ist doch klar, dass man eine Satelliten-Übertragung nicht auf ein Land beschränken kann“, schimpfte Steiner. Somit werde der Handball-Boom, der in Europa und vor allem in Deutschland zuletzt herrscht, derb ausgebremst. „Ich bin sprachlos, dass die WM in Deutschland nicht im Fernsehen zu sehen ist – und das, obwohl 80 Prozent der Werbepartner deutsche Firmen und Konzerne sind“, sagte Steiner weiter.

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Dennoch will Anita Steiner versuchen, die Spiele im Internet zu verfolgen, auch wenn sie bedauert, dass ein „Public-Viewing“ nicht mehr möglich sei. „Das Gemeinschaftsgefühl geht verloren“, sagte sie. Die KSC-Trainerin traut dem deutschen Team viel zu, die seien „derzeit wirklich gut drauf“, meinte sie. Anita Steiner hat zudem Frankreich, Olympiasieger Dänemark, Spanien und mit Abstrichen Kroatien auf der Rechnung, wenn es um die Titelvergabe geht.

Auch Merings Trainer Wolfgang Bludau ist fassungslos. „Es kann nicht angehen, dass man aus lauter Geldgier dem interessierten Publikum dieses Ereignis vorenthält, das ist sehr bescheiden. Handball ist ja schließlich keine Randsportart mehr“, ereiferte sich der Meringer Coach. „Es war doch klar, dass es technisch nicht möglich sein würde, ein Satellitensignal nur auf Deutschland zu begrenzen. In meinen Augen ist der Imageschaden für den Handball in Deutschland riesig – zumal die Truppe ja zuletzt sehr positiv in Erscheinung getreten ist“, so Bludau. Beim MSV habe man im Vorfeld diskutiert, ein Public-Viewing zu organisieren, doch das sei nun hinfällig. Wolfgang Bludau hält viel vom Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson. „Ich denke, die kommen ins Halbfinale – und dann hängt es von der Tagesform ab, dann ist alles möglich“, meinte er. Ansonsten schätzt er Frankreich, Dänemark und Schweden stark ein, bei Katar „kommt’s darauf an, wen die wieder alles eingebürgert haben“, meinte Bludau mit einem Schmunzeln.

Für Friedbergs Trainer Manuel Vilchez-Moreno ist es absolut unverständlich, dass „so etwas passieren kann, dass in Deutschland, in der die stärkste Handballliga der Welt spielt, eine WM kaum zu sehen ist.“ Seiner Meinung nach hätte sich auch die Politik hier einschalten müssen, um dieses Event einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Sicher geht es ums Geld, aber es sollte möglich sein, dass die Weltmeisterschaft hier zu sehen ist. Schließlich ist Handball hier die Sportart Nummer zwei hinter Fußball“, so seine Meinung. Moreno selbst will die Spiele in jedem Fall im Internet verfolgen, so weit es seine Zeit erlaubt. Und für den Friedberger Coach gibt es einen Top-Favoriten: Den Europameister und Olympiadritten Deutschland. „Ich denke, die sind klarer Favorit, dann schätze ich auch Frankreich und Dänemark noch sehr stark ein“, meinte Moreno. Was „seine“ Spanier zustande bringen könnten, sei schwer einzuschätzen, sagte der Trainer des Bayernligisten: „Man muss abwarten, ob die schon bei den Titelkämpfen in diesem Jahr wieder eine starke Mannschaft haben werden.

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Ein Artikel von
Peter Kleist

Friedberger Allgemeine
Ressort: Lokalsport Friedberg


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