Mittwoch, 22. November 2017

Landsberg

03. Dezember 2015 11:45 Uhr

Prozess

Tödliche Schlägerei im Landsberger Sommerkeller: Motiv bleibt unklar

Der Prozess um eine tödlich verlaufene Schlägerei in einer Landsberger Disko wird verlängert. Der Hintergrund der Tat, bei der ein 46-Jähriger ums Leben kam, ist weiterhin unklar. Von Yvonne Schöllhorn

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Im Prozess um eine tödliche Schlägerei im Landsberger Sommerkeller bleibt das Motiv weiter unklar.
Foto: imago

Als die Witwe des an Ostern bei einer Schlägerei im Sommerkeller schwer verletzten Landsbergers den Verhandlungssaal im Strafjustizzentrum Augsburg betritt, geht sie, ganz in Schwarz gekleidet, sofort in den Zeugenstand und würdigt dabei den Angeklagten keines Blickes. Die Erzieherin aus Kaufbeuren ist am dritten Verhandlungstag im Iglinger Disco-Gewalt-Prozess mit Todesfolge die letzte Zeugin.

Frau sagt vor Gericht aus

Während die elf Beobachter vor ihr die Brutalität der Tat wie auch das Verhalten des 31-jährigen Angeklagten und jenes des Opfers beschreiben, gibt die Frau Einblicke in die Seele des kürzlich an den Folgen des Übergriffs Verstorbenen. „Er war seit 2008 mehrmals in psychiatrischer Behandlung. Zuerst wegen Burnout, zuletzt wegen Überlastung infolge unserer Trennung.“ Auch am 5. April im Sommerkeller in Igling hatte ihr damals neun Jahre älterer Mann Antidepressiva eingenommen. Er war gegen 2.40 Uhr mit dem Angeklagten an der Theke in Streit geraten, worauf der 31-jährige Metzger aus Uster (Schweiz) anfing, auf den 46-jährigen Landsberger einzuschlagen. Der habe sich laut Anklageschrift aber nicht einmal gewehrt.

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Der Vorsitzende Richter Christoph Wiesner wollte wissen, ob es in der Ehe schon einmal häusliche Gewalt gegeben habe. „Keine körperliche, verbale schon“, antwortet die Frau, die seit Dezember vergangenen Jahres von ihrem Mann getrennt lebte. „Er war der Versorger und Ernährer unserer Familie, jetzt leben wir von Hartz IV.“

Verteidiger über den Angeklagten: "Es tut ihm sehr leid."

Die Tragik scheint den Angeklagten kaum zu berühren – er zeigt sich ruhig, ohne besondere Mimik, meist dasitzend mit vorgebeugtem Oberkörper. Sein Anwalt Urs Gronenberg, Strafrechtler aus Waldshut-Tiengen, erklärte gegenüber unserer Zeitung: „Mein Mandant kann sich einfach nicht vorstellen, dass durch zwei Schläge der Tod eingetreten ist. Es tut ihm sehr leid.“

Unter den Zeugenaussagen im Laufe des Tages sind nicht nur die von Beschäftigten und Besuchern des Sommerkellers, sondern auch die eines Polizeibeamten aus Fürstenfeldbruck und des behandelnden Oberarztes der Unfallklinik Murnau, in die das Opfer der Schlägerei einen Tag später vom Klinikum Landsberg aus weiterverlegt wurde.

Er schilderte den komplexen Gesundheitszustand des Opfers, die festgestellte schwerwiegende Gehirnblutung sowie eine Fraktur im Bereich des Schädelknochens, Nachblutungen, zwei Operationen, ein künstliches Koma, ein Wachkoma, und, dass der Patient nie mehr zu Bewusstsein gelangt und somit auch zu keinem Zeitpunkt kontaktfähig gewesen sei.

Prozess vor dem Landgericht Augsburg wird verlängert

Erstaunlich für viele Beobachter war auch die Tatsache, dass ein mit dem Täter befreundeter Arbeitskollege aus der Schweiz relativ emotionslos über den Tathergang in der Osternacht und die anschließende, gemeinsame Flucht aus der Disco spricht. Es sei viel Alkohol getrunken worden, schon tagsüber. „Es ist Scheiße passiert, der Schluss wäre nicht nötig gewesen“, sagt er heute, ohne spürbare Emotion, und, dass die Männer anschließend über den Vorfall kaum geredet hätten. Der Angeklagte sitzt seit April in Untersuchungshaft in Augsburg.

Zu Beginn des Prozesses war die Anklage, wie bereits berichtet, von schwerer Körperverletzung auf Totschlag geändert worden, so Dr. Claus Pätzel, Vorsitzender Richter und Pressesprecher am Landgericht Augsburg. Fest steht bislang auch nur, dass Opfer und Täter heftig aneinandergeraten sind. Der konkrete Hintergrund und die Motive für diesen Konflikt bleiben noch ungeklärt. Zu den ursprünglich vier angesetzten Verhandlungstagen folgen nun zusätzliche.

Der nächste Verhandlungstermin ist am Freitag im Strafjustizzentrum Augsburg an der Gögginger Straße.

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