Freitag, 22. September 2017

17. Mai 2014 00:51 Uhr

Geschichte

Brennholzersatz und ein gutes Geschäft

Sonderausstellung im Bauerhofmuseum erinnert an die Arbeit der Torfstecher Von Josef Hölzle

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Mit Pferd und Wagen wurden die Wasen aus dem Moos geholt. Die Sonderausstellung „Mensch und Moor“ im Bauernhofmuseum Illerbeuren erinnert an den Torfabbau, der auch im Unterallgäu bis in die Sechziger Jahre alltäglich war.
Foto: Bauernhofmuseum

Im Bauernhofmuseum Illerbeuren wird derzeit die Ausstellung „Mensch und Moor“ gezeigt. Die Sonderausstellung nimmt sich der geheimnisvollen Geschichte der Moore in Schwaben an. Viele alte Fotos, Beschreibungen und Arbeitsgeräte dokumentieren das Leben in den meist unwegsamen Moorgegenden. Gezielt zeigen sie auch die Geschichte der Moornutzung im Unterallgäu. So kann man den „Zeitzeugen“ Georg und Maria Frei aus Salgen zuhören. Eine Bilddokumentation vom „Wasa-Stecha“ im Salgener Moos aus der Mitte der 1960-er Jahre ist ein weiterer wertvoller Beitrag aus Salgen.

Dabei hängt die Geschichte der Moornutzung in den Tälern von Mindel und Flossach mit einem einst großen Holz- und Brennstoffmangel in unserer Region zusammen. Die Herrschaft Mindelheim gab zum Beispiel im 17. Jahrhundert keinen „Stecken“ Holz mehr ins benachbarte „Ausland“ ab, zu dem auch das hochstiftische Pfaffenhausen gerechnet wurde. Die Stadt ordnete damals strenge Maßnahmen zum Holzsparen an. Auch im Raum Pfaffenhausen herrschte allgemeiner Holzmangel. So kam hier große Freude auf, als der Fürstbischof als Pfaffenhausener Landesherr nach langem Drängen gegen Ende des 18. Jahrhunderts genehmigte, „zur Schonung der Wälder nach Torf graben zu dürfen“.

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Die Torfvorkommen in den Niedermooren des Mindel- und Flossachtals waren sehr groß. Sie blieben rund 150 Jahre lang auch eine günstige Energiereserve.

Wie nass und unzugänglich die Gründe allerdings waren, zeigt ein Chronikeintrag der Gemeinde Salgen. Das Dorf baute 1812 unter großen Schwierigkeiten eine Straße in Richtung Kirchheim und Mindelheim. Der neue Weg war notwendig, „weil man vorher von Mörgen bis über den Lohhof hinauf immer im Wasser fahren musste“.

Auch im Unterallgäuer Landkreisbuch wird über den „Torfstich“ in der Region berichtet. Hier heißt es: „Erkheim, Hausen. Salgen, Tussenhausen und Winterrieden hatten um 1830 und lange danach beachtliche Einnahmen aus dem Torfstich. Die Gemeinde Tussenhausen besaß 216 Tagwerk Moos. Jährlich wurden aber nur acht Tagwerk für diesen Zweck verwendet. Ein Tagwerk lieferte 150000 Wasen, die „selber verbrannt“ und zur Hälfte nach Türkheim, Kirchheim, Thannhausen und Mindelheim verkauft wurden.“

Der Torf war also Brennholzersatz und ein gutes Geschäft dazu. So wurden auch in anderen Gemeinden, wie zum Beispiel in Oberauerbach, immer wieder „Waasen-Stiche“ versteigert.

In den Moosgebieten von Mindel und Flossach hat man bis in die 1960-er Jahre hinein „Wasa g‘stocha“. Die Arbeit der „Wasastecher“ war sehr anstrengend. Die monatelang neben den „Mooslöchern“ zum Trocknen aufgestapelten „Wasa“ gaben keine besondere Hitze, hielten aber die Glut recht gut und sorgten für anhaltende Wärme. Vor allem in den Kachelöfen bewährten sie sich. Allerdings fiel relativ viel Staub und Ruß rund um die Feuerstelle an.

Die arbeitsintensive Torfgewinnung in der Region endete in den 1960er Jahren. Danach wurde der Abbau unwirtschaftlich. Die Torfvorräte waren auch weitgehend am Ende. Die Ausbeutung der in Jahrtausenden gewachsenen Torflager hat den Moorgebieten ebenso den Garaus gemacht wie die umfangreichen Trockenlegungen und Entwässerungen im 20. Jahrhundert. Aus den verschiedenen Ur- und Naturlandschaften im Unterallgäu entstanden größtenteils entwässerte landwirtschaftliche Flächen. Die alten Moore sind bis auf kleine Reste ausgetrocknet. Die Erinnerung an sie und an die Ära des mühseligen „Wasa-Stechens“ ist zum Museums-Objekt geworden.

„Mensch und Moor“ im Bauernhofmuseum Illerbeuren ist noch bis zum 19. Oktober zu sehen. Infos im Netz gibt es unter www.bauernhofmuseum.de

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