Mittwoch, 24. August 2016

05. September 2013 08:51 Uhr

Donau-Ries

Großeinsatz bei Sekte Zwölf Stämme: Polizei nimmt 28 Kinder mit

Großeinsatz von Polizei und Jugendamt bei den "Zwölf Stämmen" in Klosterzimmern (Kreis Donau-Ries): Die Beamten holten 28 Kinder aus der Glaubensgemeinschaft. Von Stefan Drescher, Dieter Mack, Ronald Hummel und Barbara Feneberg

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Die Polizei rückte gegen 6 Uhr morgens am Sitz der Glaubensgemeinschaft in Gut Klosterzimmern an. Das Gelände wurde großräumig abgesperrt. Von Haus zu Haus gingen die Beamten dann, nahmen den Sektenmitgliedern die Kinder weg.

Wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums in Augsburg sagte, handelt es sich um 28 Mädchen und Buben. Diese wurden, begleitet von Mitarbeitern des Jugendamtes, in Kleinbussen und Autos nach Donauwörth gebracht. Sie sollen in Pflegefamilien untergebracht werden.

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Grund für den Einsatz war ein vorläufiger Sorgerechtsentzug. Dieser war vom Amtsgericht Nördlingen angeordnet worden. Nach Informationen unserer Redaktion haben sich offenbar die Hinweise auf Prügel und Züchtigungen in der Glaubensgemeinschaft verfestigt.

Zeugen berichteten, die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft hätten keinen Widerstand geleistet. Ein Mitglied der Gruppe betonte aber vor Journalisten, die Kinder seien nie geschlagen worden. Man sei entsetzt über die Polizeiaktion. Zudem lägen Gutachten vor, dass es in der Glaubensgemeinschaft keine Züchtigungen gebe.

Der Einsatz in Klosterzimmern, an dem rund 100 Beamte beteiligt waren, lief bis etwa 9.30 Uhr. Die Kinder wurden zunächst ins weiträumig abgesperrte Landratsamt Donauwörth gebracht. Für den Nachmittag (13.30 Uhr) ist eine Pressekonferenz geplant.

Zwölf Stämme: Wegen Misshandlungen in der Kritik

Die Sekte "Zwölf Stämme" war in der Vergangenheit immer wieder wegen Misshandlungs-Vorwürfen in die Kritik und zuletzt auch den Fokus der Staatsanwaltschaft geraten. Umfangreiche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Augsburg gegen fünf Mitglieder der Glaubensgemeinschaft hatten auch ergeben, dass in der Sekte Kinder gezüchtigt werden. Zu einer Anklage sollte es aber nicht kommen, hieß es zuletzt. „Die Taten ließen sich nicht in der für eine Anklage ausreichenden Weise konkretisieren“, teilte Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai mit.

Das Ermittlungsverfahren, das mehr als ein Jahr lief, richtete sich gegen vier Männer und eine Frau zwischen 44 und 56 Jahren. Nach Berichten von Aussteigern standen sie im Verdacht der Misshandlung von Schutzbefohlenen und der gefährlichen Körperverletzung. Sie sollen als Eltern beziehungsweise Erzieher in der umstrittenen Sektenschule Kinder gezüchtigt haben, die die Regeln der Glaubensgemeinschaft nicht befolgt haben.

Kultusministerium entzieht Schule die Genehmigung

Daneben hatte das Kultusministerium der bisherigen Privatschule der „Zwölf Stämme“ zum 31. Juli die Genehmigung entzogen. Die etwa 20 schulpflichtigen Buben und Mädchen der umstrittenen Gemeinschaft aus Klosterzimmern bei Deiningen (Kreis Donau-Ries) müssten damit vom Schuljahr 2013/14 an staatliche Schulen oder andere zugelassene Privatschulen besuchen.

"Die Aktion heute hat aber nichts mit dem Thema Schulpflicht zu tun", betonte ein Sprecher des Kultusministeriums gegenüber unserer Redaktion. Hier bestehe noch kein Handlungsbedarf, weil die Schule noch nicht begonnen habe.

Grund für die Schließung der bisherigen Ergänzungsschule war, dass die „Zwölf Stämme“ zuletzt keinen geeigneten Lehrer mehr benennen konnten. Kultusminister Ludwig Spaenle hatte der Glaubensgemeinschaft dafür mehrere Fristen gesetzt und schließlich den Schlussstrich unter die Diskussion um die Schule gezogen.

Die Mitglieder der „Zwölf Stämme“ haben sich bislang immer geweigert, ihre Kinder in staatliche Schulen zu schicken. Die Gemeinschaft begründet dies mit ihrer Religion, macht „Gewissensgründe“ geltend. Ein Grund ist der Sexualkundeunterricht.

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