Samstag, 16. Dezember 2017

19. November 2017 17:00 Uhr

Donau-Ries

Nördlinger Dekan gesteht sexuellen Missbrauch an Jungen

Der Nördlinger Stadtpfarrer und Dekan Paul Erber wurde in den Ruhestand versetzt. Er soll einen Minderjährigen sexuell missbraucht haben. Die Tat liegt Jahrzehnte zurück und ereignete sich wohl im Unterallgäu.

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Der Nördlinger Stadtpfarrer und Dekan Paul Erber hat zugegeben, einen Jungen sexuell missbraucht zu haben.
Foto: Dieter Mack

Die Gläubigen erfahren noch vor dem Sonntagsgottesdienst von dem Geständnis. Ihnen wird ein Brief von Bischof Dr. Konrad Zdarsa vorgelesen, in der Nördlinger St.-Salvatorkirche übernimmt diese Aufgabe der bisherige Prodekan Jürgen Eichler aus Wallerstein. In dem Schreiben teilt Zdarsa den Katholiken mit, dass der bisherige Dekan und Nördlinger Stadtpfarrer Paul Erber in den Ruhestand versetzt wird. Und der Bischof schreibt auch, warum: Erber hat eingeräumt, einen Minderjährigen sexuell missbraucht zu haben.

Kurz nach Mittag erreicht unsere Redaktion eine Email des Pressesprechers des Bistums Augsburg, Dr. Karl-Georg Michel. Darin steht, dass Erber ab Montag von seinem Amt entpflichtet wird. Die Tat sei erst Anfang November durch einen Brief ans Licht gekommen, heißt es in der Mitteilung weiter. Darin werde Erber der sexuelle Missbrauch eines Minderjährigen zur Last gelegt.

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Dekan Paul Erber räumt sexuellen Missbrauch ein

Den Nördlinger Stadtpfarrer hat man mit diesen Vorwürfen konfrontiert, es habe in Augsburg ein Gespräch mit ihm gegeben, bei dem unter anderem der Generalvikar und die Missbrauchsbeauftragte der Diözese anwesend waren. Erber habe die Tat „vollumfänglich eingeräumt“, heißt es in der Mitteilung des Bistums weiter, sie liege mehrere Jahrzehnte zurück. Der heute 68-Jährige war bereits als Kaplan in Nördlingen, ab den frühen 80er Jahren arbeitete er als Seelsorger am Internat des Mindelheimer Maristenkollegs. In der Zeit im Unterallgäu soll es zu der „unbestreitbar erheblichen Grenzverletzung“ gekommen sein. Opfer ist ein Junge, sein genaues Alter zur Tatzeit gibt die Pressestelle auf Nachfrage nicht bekannt.

Erber habe seinen Stellenverzicht angeboten, teilt der Sprecher des Bistums in der Email mit. Bischof Zdarsa wird wie folgt zitiert: „Zur näheren Prüfung der strafrechtlichen Relevanz wurde der Fall von unserer Missbrauchsbeauftragten umgehend an die zuständige Staatsanwaltschaft weitergeleitet.“ Die hat ihren Sitz in Kempten. Des Weiteren wurden kirchenrechtliche Schritte gegen Erber eingeleitet und die Glaubenskongregation des Heiligen Stuhls in Rom informiert. Der Bischof habe in seinem Brief an die Gläubigen seine Bestürzung zum Ausdruck gebracht, so die Mitteilung. Er bitte sie um ihr Gebet für Opfer von sexueller Gewalt.

Missbrauchs-Geständnis schockt Katholiken im Ries

Die Katholiken im Ries sind fassungslos. Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates von Sankt Salvator, Ursula Landenberger-Schneider berichtet, dass im Gotteshaus eine „Schockstarre“ geherrscht habe, nachdem Eichler den Brief verlesen hatte. Nach der Messe hätten sich die Gläubigen in Gruppen ausgetauscht. Ursula Landenberger-Schneider selbst ist über die Nachricht, dass Erber einen Minderjährigen missbraucht haben soll, schockiert: „Ich möchte dem Opfer mein tiefstes Mitgefühl aussprechen.“ Erber habe viel Gutes für die Pfarrei getan. „Es tut mir sehr, sehr leid, was passiert ist.“ Josef Sienz, Mesner aus Kleinerdlingen, schreibt an unsere Redaktion: „Charakter und Verdienste eines Menschen darf man nicht auf eine einzige Begebenheit reduzieren.“ Er sei über die Vorgehensweise von Zdarsa schockiert: „Vielleicht kann der Bischof aufgrund öffentlichen Drucks nicht anders, aber wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“

Noch ist Jürgen Eichler Prodekan, er wird den Posten des Dekans nun kommissarisch übernehmen. Der Wallersteiner Pfarrer sagte: „Ich bin natürlich schockiert über diese Nachricht.“ Erber sei ein hoch angesehener Priester in der Diözese gewesen: „Ich bin da sprachlos.“ Oettingens Stadtpfarrer Dr. Ulrich Manz erhielt die Mitteilung, dass er jetzt den Posten des Prodekans übernehmen solle.

Die Diözese bereitet einen Gesprächsabend vor, bei dem die Gläubigen in Nördlingen die Möglichkeit erhalten sollen, sich auszutauschen. Ein Termin werde noch bekannt gegeben, hieß es. Paul Erber selbst war am Sonntag für ein Gespräch mit unserer Redaktion telefonisch nicht zu erreichen.

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Ein Artikel von
Martina Bachmann

Rieser Nachrichten
Ressort: Lokalnachrichten Nördlingen

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