Freitag, 23. Juni 2017

20. März 2017 13:30 Uhr

Türkei

Erdogan richtet Nazi-Vorwürfe an Merkel

Der türkische Präsident Erdogan formuliert weiterhin Nazi-Vorwürfe gegen Deutschland. Nun attackiert er Kanzlerin Merkel persönlich - und bleibt gewohnt diffus.

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Trotz heftiger Proteste aus der EU zieht Erdogan immer wieder Nazi-Vergleiche.
Foto: Kayhan Ozer (dpa)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich „Nazi-Methoden“ vorgeworfen. „Du wendest auch gerade Nazi-Methoden an“, sagte Erdogan am Sonntag in Istanbul an Merkel gerichtet. „Bei wem? Bei meinen türkischen Geschwistern in Deutschland, bei meinen Minister- Geschwistern, bei meinen Abgeordneten-Geschwistern, die dorthin reisen“, sagte Erdogan. Mit Blick auf Europa sagte Erdogan, dort könnten „Gaskammern und Sammellager“ wieder zum Thema gemacht werden, aber „das trauen sie sich nur nicht“. Offen ließ Erdogan, wen er mit „sie“ genau meinte.

Die CDU-Vizevorsitzende Julia Klöckner reagierte entsetzt auf die neuen Ausfälle gegen Merkel: „Ist Herr Erdogan überhaupt noch ganz bei Sinnen?“, fragte sie. Sie sprach sich dafür aus, Erdogan politischen Wahlkampf in Deutschland zu verbieten und die EU-Heranführungshilfen in Milliardenhöhe zu streichen.

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Auf die Absage von Wahlkampfauftritten türkischer Politiker reagiert die türkische Regierung seit Wochen mit immer schärferen Ausfällen. Die Bundesregierung verhält sich bisher zurückhaltend. SPD-Chef und Kanzlerkandidat Martin Schulz plädiert dagegen für eine härtere Reaktion. Noch vor den neuen Ausfällen Erdogans warnte er den türkischen Präsidenten davor, Menschen in Deutschland durch Nazi-Vergleiche gegeneinander aufzuhetzen. „Deshalb muss man auch Herrn Erdogan mit klaren Worten sagen, dass das so nicht geht.“

Der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Bruno Kahl, sagte im Spiegel, es sei zweifelhaft, dass die Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch 2016 verantwortlich sei, wie vom Regime in Ankara behauptet. Der türkische Verteidigungsminister Fikri Isik fragte daraufhin, „ob nicht der deutsche Geheimdienst hinter diesem Putsch steckt“. Mehr dazu lesen Sie auf der Politik-Seite.

AZ/dpa

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