Samstag, 16. Dezember 2017

04. Dezember 2017 11:55 Uhr

Kommentar zur CSU

CSU räumt auf einen Schlag alles ab

Die CSU ist eine durch und durch erstaunliche Partei. Da wird wochenlang gestritten wie bei den Kesselflickern - und dann wird auf einen Schlag alles abgeräumt.

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Horst Seehofer macht den Weg für Söder als Ministerpräsident frei und wirft sich zum Ende seiner politischen Karriere noch einmal ins Berliner Getümmel. Markus Söder gibt sich in der Stunde seines Triumphes demütig und staatsmännisch. Ilse Aigner und Joachim Herrmann stellen ihre eigenen Ambitionen zurück.

Machtkampf in der CSU: Herrmann ist der tragische Held

Der tragische Held des Tages ist ohne Zweifel der bayerische Innenminister. Joachim Herrmann ist Verlierer in diesem Politspektakel, weil er jetzt weder Bundesinnenminister noch bayerischer Ministerpräsident wird. Er ist aber auch Sieger, weil er durch sein Nachgeben den vielleicht größten Beitrag von allen zur neu gefundenen Geschlossenheit der CSU geleistet hat. Wäre er gegen Söder angetreten, dann hätte es in geheimer Abstimmung kein 100-Prozent-Ergebnis für Söder gegeben. Hätte nur ein Viertel der Landtagsabgeordneten für Herrmann gestimmt, wäre die CSU mit einer schweren Hypothek in den Landtagswahlkampf 2018 gezogen.

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Schwer genug wird es für die CSU aber auch so. Die für Söder spannendste Frage wird sein, wie hoch seine Partei die Messlatte legt. Beim Ergebnis der letzten Landtagswahl 2013? Da holte Seehofer mit 47,7 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag zurück. Beim CSU-Ergebnis bei der Bundestagswahl 2017? Da holte die CSU in Bayern nur noch 38,8 Prozent? Oder gar bei den jüngsten Umfrageergebnissen, die noch schlechter sind?

Eines steht fest: Wenn Söder die Erwartungen der Partei nicht erfüllt, dann wird das Machtkampf-Spektakel schon im Herbst kommenden Jahres wieder von vorne beginnen.

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Nach der Entscheidung der CSU, Markus Söder als Seehofer-Nachfolger zu ernennen, gibt sich die bayrische Vize-Ministerpräsidentin Ilse Aigner erleichtert. «Ich bin froh, dass wir jetzt eine gemeinsame Lösung haben», sagte sie dem TV-Sender Phoenix.

 

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Ein Artikel von
Uli Bachmeier

Redaktion München
Ressort: Politik


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