Freitag, 18. August 2017

08. März 2016 03:22 Uhr

Heute ist Weltfrauentag

Fast allein unter Männern

Seit vergangenem Jahr gibt es eine Kampagne für mehr Frauen in den bayerischen Feuerwehren. Das spürt man in der Region noch nicht überall Von Manuela Frieß

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Sie waren einfach schon immer fasziniert von der Technik, den Maschinen und den Abläufen. Theresa Kreuzer und Lisa Eichler sind schon seit Jahren Feuerwehrfrauen in Bad Wörishofen. Während bei der 23-jährigen Kreuzer die Begeisterung anfing, als sie während eines Urlaubs einen Einsatz mitbekam, ist die 31-jährige Eichler stark von ihrer Familie geprägt worden. Als Frau zur Feuerwehr? Diese Frage stellte sich den beiden schon gar nicht mehr. Sie haben einfach bei der Jugendfeuerwehr mitgemacht, das war’s.

Das ist in vielen Gemeinden im Unterallgäu anders. Zum internationalen Weltfrauentag haben wir uns mit einigen von ihnen unterhalten. Auch über die Aktion des bayerischen Landesfeuerwehrverbands für mehr Frauen bei den Feuerwehren. Denn während zum Beispiel in Türkheim und Babenhausen sehr wohl Frauen im Team dabei sind, gibt es in Pfaffenhausen und Mindelheim keine einzige. Dabei ist der Umgang, den die Männer mit den Frauen in Bad Wörishofen haben, laut beiderseitiger Auskunft völlig problemlos. Die meisten Wehren sind froh, wenn überhaupt Nachwuchs kommt, und wenn der dann auch noch so engagiert ist wie zum Beispiel Lisa Eichler, dann ist der Nutzen für die Truppe riesig, sagt der Bad Wörishofer Gerätewart Olaf Heil. Die 31-jährige Ärztin hat nicht nur eine Atemschutzausbildung absolviert, sondern auch einen Führerschein für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen, um die Einsatzfahrzeuge lenken zu dürfen. Klar ist jemand, der Angst davor hat, sich einen Fingernagel abzubrechen, nicht unbedingt geeignet. Aber ansonsten gibt es auch Männer, die bestimmte Dinge nicht tun wollen, dafür aber die Ausbildung in einem anderen Bereich vorweisen können. Nur den Funk, den müssen wirklich alle beherrschen, aber niemand müsse eine Weiterbildung für den Umgang mit der Rettungsschere machen, wenn er das nicht wolle, betonen die Wörishoferinnen. Sieben Frauen und 75 Männer sind dort aktiv und auch wenn das nach wenig klingt: An überregionalen Schulungen für Atemschutz oder Absturzsicherung zum Beispiel, nehmen oft bis zu 50 Prozent Frauen teil.

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Einzige Kommandantin in der Region

Anders bei den Kommandanten: Im ganzen Unterallgäu ist Claudia Jähn aus Rammingen allein auf weiter Flur. Seit drei Jahren ist die Alleinerziehende auf dem Posten, aber schlechte Erfahrungen bezüglich ihres Geschlechts hat sie nicht gemacht.

Angefangen hat alles mit einer „Schnapsidee“ im Jahr 1999, als sie zusammen mit acht Freundinnen beschließt: „Wir gehen zur Feuerwehr.“ Wobei die Männer zu Anfang schon noch sehr genau schauten, ob die Frauen alles richtig machen und ob es ihnen nicht doch alles zu schwer würde und sie aufgeben.

„Natürlich braucht es auch ein wenig Biss“, das gibt Claudia Jähn gerne zu, und viel Arbeit hat sie mit ihrem Posten auch, aber es macht ihr trotz allem immer noch Spaß. Sonst würde sie es ja nicht machen. Sie ist genau wie alle anderen freiwillig dabei.

Bauliche Gegebenheiten werden oft als Grund angeführt, dass Frauen nicht bei allen Feuerwehren sind. Der Platz reiche nicht aus, um gesonderte Duschen und Umkleiden einzurichten. Aber eigentlich ist das doch völlig egal, sind sich die drei einig, denn auch die Männer duschen meistens zu Hause. Und die Einsatzkleidung für den Ernstfall wird über den normalen Klamotten getragen.

Wenn Frauen zur Wehr wollen, dann wären die Männer doch schön blöd, sie nicht zu lassen. Schließlich legen auch sie Prüfungen ab und üben das Verhalten bei Einsätzen genauso oft wie ihre männlichen Kollegen. Und das Arbeiten Hand in Hand ist vor allem im Einsatz absolut eingespielt. Jeder weiß, was er zu tun hat, ob da jetzt eine Frau oder ein Mann steht und es tut, ist doch wirklich egal, ist die einstimmige Meinung der drei.

Florian Heimpel von der Jugendfeuerwehr Mindelheim sagt, dass er um jeden froh ist, der kommt, egal ob Mädchen oder Junge. Er findet, mit zwölf Jahren seien die meisten Kinder schon an anderen Sachen interessiert oder bereits in anderen Vereinen engagiert, sodass für die Feuerwehr nicht mehr viele Jugendliche übrig blieben. Eine Beobachtung, die Claudia Jähn bestätigen muss.

Man lernt viele praktische Dinge

Wo doch der Nutzen, den man von einer Ausbildung bei der Freiwilligen Feuerwehr hat, immens ist. Jedenfalls sehen es die Gesprächspartnerinnen so. Lebensrettende Sofortmaßnahmen, praktische Dinge wie Knoten und Stiche, Teamwork und Anpacken: Das alles lernt man bei einer Ausbildung bei den Floriansjüngern. Aber natürlich geht es nicht nur um ernste Dinge und Lernen; die Kameradschaft und Geselligkeit werden bei den Freiwilligen Feuerwehren genauso groß geschrieben wie die Einsätze.

Übrigens ist es wohl ein Trugschluss, dass die Aktion des Landesfeuerwehrverbandes Bayern „Mehr Frauen zur Feuerwehr!“ auch eine höhere Tagesstärke des jeweiligen Ortsverbands zur Folge hat, geben die Frauen zu bedenken. Denn schon längst sind die meisten Frauen ja nicht mehr nur zu Hause tätig, sondern beruflich voll eingespannt. Und das oft nicht am Wohnort. Trotzdem zeigen ungefähr 25 000 aktive Frauen in ganz Bayern, dass der Rückgang an Mitgliedern, der seit den vergangenen sieben Jahren spürbar zunimmt, nur so aufzuhalten ist. Denn was nutzen am Ende die tollsten Hightech-Geräte, wenn niemand mehr da ist, sie auch zu bedienen?

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