Donnerstag, 19. Januar 2017

10. August 2016 06:01 Uhr

Neuburg-Schrobenhausen

Immer mehr Jugendliche sind psychisch krank

Die Neuburger Kinder- und Jugendpsychiatrie ist permanent überbelegt. Woher die Erkrankungen kommen.

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Fast ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen im Freistaat hat psychische Probleme, zum Beispiel Entwicklungsstörungen, ADHS oder Depressionen. Dies ergab vor Kurzem eine Studie der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern. Auch bei uns in der Region haben die Heranwachsenden, bei denen eine psychische Störung diagnostiziert wurde, zugenommen. Die Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie der Kliniken St. Elisabeth in Neuburg war im ersten Halbjahr 2016 durchgehend überbelegt.

Eigentlich verfüge die Abteilung über 30 Betten, doch seit Januar seien im Schnitt 40 bis 50 Patienten auf Station, erzählt Chefärztin Astrid Passavant. Diese Patienten werden von rund 100 Mitarbeitern betreut. Als Passavant vor 25 Jahren begann, die Abteilung als Ambulanz aufzubauen, hatte sie lediglich drei Mitarbeiter. Der Bedarf an einer psychiatrischen Versorgung für Heranwachsende ist jedoch stetig gestiegen, sodass die Abteilung inzwischen neben einer Ambulanz außerdem über eine Tagklinik sowie eine Kinder- und eine Jugendstation verfügt. Zusätzlich gibt es in Neuburg einen niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiater. In Ingolstadt gibt es zwei weitere Fachärzte und eine Ambulanz. Passavants Einschätzung nach seien in der Region 10 aber unbedingt noch ein Kinder- und Jugendpsychiater in Eichstätt und einer in Pfaffenhofen nötig.

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Wie Passavant erklärt, habe in den vergangenen Jahren zum einen das Bewusstsein für psychische Erkrankungen zugenommen, zum anderen sei aber auch die Behandlungsbedürftigkeit deutlich gestiegen. „Die Krankheiten der Kinder werden immer intensiver.“ Und neue Krankheiten kämen hinzu. Ein wichtiger Aspekt ist heutzutage die Mediensucht. Passavant: „Die Kinder werden bei der Mediennutzung viel zu früh sich selbst überlassen.“ Ein Zehnjähriger sei nun einmal noch nicht in der Lage, sein Smartphone oder seinen Laptop nach einer bestimmten Zeit eigenständig abzuschalten. Hier sieht die Chefärztin die Eltern in der Verantwortung, klare Regeln vorzugeben. Mindestens bis zu einem Alter von 14 oder 15 Jahren. Sie weiß, dass das nicht einfach ist. „Jeder erwartet, dass man immer erreichbar ist, dass Nachrichten sofort beantwortet werden und, dass man das neueste YouTube-Video schon gesehen hat.“ Passavant warnt: Eine exzessive Mediennutzung führe bei einem Gehirn, das noch in der Reife ist, dazu, dass es nur sehr einseitig genutzt werde. Bestimmte soziale und motorische Fähigkeiten würden dann verkümmern. Außerdem habe, wer in der Nacht lange vor dem Computer sitzt, am nächsten Tag Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule und könne weniger Leistung bringen, was wiederum Probleme nach sich ziehe.

Die moderne Medienlandschaft begünstigt psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen aber auch noch auf eine andere Art und Weise. Es beschleunige und verdichte sie, sagt die Expertin. Durch das Internet sei es leichter geworden, jemanden zu mobben, erklärt Passavant. Zudem könnten sich die Heranwachsenden auf Foren im Netz einfacher Ideen holen, wie man sich selbst verletzt. „Selbstverletzungen haben enorm zugenommen. Sogar Zwölfjährige fangen schon an, sich zu ritzen.“

Aber nicht nur die Medienlandschaft ist Ursache der zunehmenden psychischen Erkrankungen, auch den Leistungsdruck in der Gesellschaft, wie etwa in der Schule, und die veränderten Familienstrukturen sieht Passavant als ausschlaggebende Faktoren an. Betroffen seien ihrer Ansicht nach alle Altersgruppen: In der Grundschule fallen vor allem die Buben auf, indem sie als Klassenclowns den Unterricht stören. In der Pubertät haben die Mädchen häufiger Probleme, beispielsweise aufgrund von Essstörungen. Unter Depressionen leiden beide Geschlechter gleichermaßen, wobei Mädchen sich eher Hilfe holen und Jungen dazu neigen, alles in sich hinein zu fressen – bis hin zum Selbstmord. Die Mediensucht zieht sich durch alle gesellschaftlichen Schichten. Passavant: „Manche Familien haben kein Essen auf dem Tisch, aber einen Bildschirm in jedem Zimmer.“

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Ein Artikel von
Dorothee Pfaffel

Neuburger Rundschau
Ressort: Lokalnachrichten

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