Freitag, 15. Dezember 2017

08. Dezember 2017 05:16 Uhr

Champions League

«Wir sind da»: Bayern nach 3:1 gegen PSG im Angriffsmodus

Die Bayern melden sich in Europa stark zurück. Paris Saint-Germain hat Superstürmer wie Neymar und Mbappé - aber keinen «Zaubertrank». In München wirkt dafür der Heynckes-Zauber. Das Achtelfinale fürchtet keiner, auch wenn sich delikate Aufgaben im Lostopf befinden.

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Die Spieler vom FC Bayern München feiern mit den Fans den Sieg über Paris Saint-Germain.
Foto: Sven Hoppe (dpa)

Mats Hummels stapfte fluchend vom Arena-Rasen - und der Abgang des Fußball-Weltmeisters dokumentierte bestens den Ehrgeiz des von Jupp Heynckes wieder aufgerichteten FC Bayern.

Dazu passte auch, wie sich Wortführer Thomas Müller nach dem erbrachten Nachweis europäischer Fußball-Spitzenklasse beim starken 3:1 (2:0) gegen das zusammengekaufte Ensemble von Paris Saint-Germain Luft verschaffte.

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«Es wird hier so getan, als ob Paris einen Zaubertrank hätte. Die haben natürlich in der Offensive sehr gute Spieler, aber man sollte mal ein bisschen runter vom Gas, wenn es darum geht, andere Mannschaften so hoch zu heben», sagte der Weltmeister nach dem Prestigeerfolg gegen die Millionenstürmer Neymar und Kylian Mbappé.

«Wir sind da!» Dieses Fazit von Sportdirektor Hasan Salihamidzic war die Botschaft, die am Dienstagabend aus München nach Europa gesendet wurde. Die Fans feierten ihre Lieblinge als «Super-Bayern». Und auch Jupp Heynckes hatte das bekommen, was er unbedingt sehen wollte. «Ich habe ja gesagt, dass der FC Bayern eine große Historie im Europapokal und in der Champions League hat. Mit dem Spiel haben wir untermauert, dass wir nach wie vor nicht nur wettbewerbsfähig sind, sondern dass wir eine gute Mannschaft und Ambitionen haben.»

Der 72-Jährige arbeitet mit Akribie und Leidenschaft am Revival von 2013. Heynckes versucht es - gerade in der Königsklasse - auf die Triple-Tour. Das war besonders in der famosen ersten Spielhälfte zu erkennen. Da bestachen die Bayern als Kollektiv mit einer ganz auf Kompaktheit ausgerichteten Defensivarbeit, in der selbst die Außen Franck Ribéry und Kingsley Coman vehement nach hinten arbeiteten.

Heynckes nannte das «kluges Spiel». Corentin Tolisso, der gegen seine französischen Landsleute ein überragendes Spiel ablieferte und nach dem Führungstor von Robert Lewandowski das 2:0 und 3:1 erzielte, tönte: «Wir haben ein großes Spiel gemacht. Wir sind eine große Mannschaft. Wenn wir uns körperlich durchsetzen, wenn wir taktisch und technisch gut spielen, dann ist es sehr schwer gegen uns.»

Es reichte nach dem 0:3 im Hinspiel nicht mehr zum Gruppensieg. Aber für das Selbstwertgefühl und für die europaweite Wahrnehmung war das 3:1 ganz wichtig. Die Torrekordler aus Paris trafen diesmal nur einmal durch Frankreichs Supertalent Mbappé. «Wenn wir Paris schlagen können, können wir im Achtelfinale auch jeden anderen Gegner schlagen», sagte Nationalspieler Niklas Süle.

Als echte Brocken drohen bei der Auslosung am kommenden Montag der FC Barcelona mit Lionel Messi und Manchester City mit Ex-Coach Pep Guardiola. Mit dem FC Liverpool und Trainer Jürgen Klopp könnte es zu einem reizvollen Duell kommen. Manchester United, AS Rom, Tottenham Hotspur und Besiktas Istanbul müssten die Bayern nicht fürchten. «Wir haben gezeigt, dass man mit uns rechnen kann», sagte Salihamidzic.

«Man sieht, dass die Bayern nach wie vor eine der besten Mannschaften in Europa sind», sagte PSG-Weltmeister Julian Draxler. Auch PSG-Coach Unai Emery schätzt den deutschen Meister ganz hoch ein. «Dieses Spiel könnte in drei, vier Monaten ein K.o.-Spiel sein. Sein Paris, aber auch die Bayern seien «Mannschaften, die Titelanwärter sind».

Noch ist das Zukunftsmusik. Aber Heynckes' Wirken schlägt an - und die Mannschaft folgt ihm. Hummels war wohl auch deswegen verärgert, weil er «wahrscheinlich noch das vierte oder fünfte Tor machen wollte», wie Heynckes anmerkte. Totales Risiko aber gingen die Bayern nicht für den Gruppensieg. «Die Vorgabe vom Trainer war so, dass wir auf jeden Fall das Spiel gewinnen wollen», verriet Kapitän Müller.

Wer weiß schon, wieviel mehr Heynckes aus den Bayern 2017/18 noch herauszukitzeln vermag. Die Fortschritte einzelner Spieler wie Coman, Tolisso, James oder dem erneut herausragend haltenden Ersatztorwart Sven Ulreich sind seit dem Trainerwechsel enorm.

Leistungsträger wie Manuel Neuer, Thiago, Arjen Robben (alle verletzt) sowie Jérôme Boateng, Javi Martínez standen gegen PSG nicht auf dem Platz. Arturo Vidal und Müller wurden nur eingewechselt. Und Franck Ribéry ist auch gerade erst aus dem Lazarett zurückgekehrt.

Der Erfolg gegen Paris war seit dem Viertelfinale 2013 der neunte Sieg am Stück unter Heynckes in Europas Königsklasse. «Wir werden Gas geben und uns richtig vorbereiten im Winter», kündigte Sportchef Salihamidzic an: «Und dann schauen wir, was wir erreichen können.» Wer Triple-Champion Heynckes in München erlebt, weiß, dass der 72 Jahre alte Trainer noch einmal alles will.

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