Mittwoch, 30. Juli 2014

25. März 2014 17:41 Uhr

Gersthofen

Vorstoß gegen die Wernher-von-Braun-Straße

Die Diskussion über Wernher von Braun als Namenspatron hat jetzt auch Gersthofen erreicht. Die Gersthofer bittet den Vizepräsidenten des Bundestags um Hilfe.

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Die Diskussion über Wernher von Braun als Namenspatron hat jetzt auch Gersthofen erreicht. Die Gersthofer bittet den Vizepräsidenten des Bundestags um Hilfe.
Foto: Marcus Merk

Die von Friedberg ausgehende Diskussion über Wernher von Braun als Namenspatron hat jetzt auch Gersthofen erreicht. Dort ist eine Straße nach dem Raumfahrtpionier benannt, der wegen seiner Verstrickungen mit dem NS-Regime in Deutschland in den vergangenen Jahren zunehmend in Misskredit geraten ist.

Bernhard Lehmann, regionaler Sprecher des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, hat sich am Wochenende an Bundestagsvizepräsident Eduard Oswald gewandt. Der einflussreiche CSU-Politiker aus Dinkelscherben, dessen Frau Gisela Gersthoferin ist, solle sich dafür einsetzen, dass die Straße in der Nähe des Briefpostzentrums umbenannt wird, und zudem dafür sorgen, dass Gersthofen eine Straße nach Anna Pröll benennt. Die 2006 verstorbene Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime lebte über 50 Jahre in Gersthofen (siehe grauer Kasten).

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Auslöser für Lehmanns Vorstoß ist Oswalds eindeutige Position in Sachen Wernher-von Braun-Gymnasium in Friedberg. Oswald hält den Forscher, unter dessen Regie während des Zweiten Weltkriegs Tausende von KZ-Häftlingen für Raketenprojekte wie die V2 schuften mussten, als Namenspaten für das Gymnasium für ungeeignet. Dementsprechend hat er auch beim bayerischen Kultusminister interveniert und damit in Friedberg die aktuelle Debatte angestoßen.

Lehmann hofft in Gersthofen nun auf einen ähnlichen Effekt. Denn völlig neu ist das Thema in Gersthofen nicht. Schon Ende 2001 lehnten Gersthofens Stadträte eine Umbenennung der Straße in Fritz-Pröll-Straße ab. Anna Prölls Schwager war im KZ Dora, in dem Häftlinge waren, die V2-Raketen herstellen mussten, ums Leben gekommen. Deshalb stellte die Gersthofer Wernher-von Braun-Straße nach Lehmanns Worten für die Familie Pröll immer eine besondere Provokation dar. Zudem befand sich laut Lehmann an der heutigen Wernher-von-Braun-Straße während des Krieges ein Lager für Zwangsarbeiter.

Innerhalb der jetzigen Stadtratsriege scheint die Neigung, sich noch einmal mit dem heiklen Thema zu befassen, nicht groß zu sein. In öffentlichen Stellungnahmen lehnen bis auf die SPD die Chefs aller Stadtratsfraktionen eine Umbenennung der Wernher-von-Braun-Straße ab. Das sei überzogen, heißt es unter anderem und überdies vor zehn Jahren schon entschieden worden.

2001 stellten Gersthofens Kommunalpolitiker in Aussicht, künftige neue Straßen nach Widerstandskämpfern zu benennen. Das ist bis heute nicht geschehen. „Dabei wäre es ein Leichtes gewesen“, schimpft Lehmann. Doch die Bürgermeister Siegfried Deffner und Jürgen Schantin hätten die Sache verschleppt. »Kommentar

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