Sonntag, 19. November 2017

18. Oktober 2017 09:46 Uhr

Bahngeschichte

Ein Teil der früheren Härtsfeldbahn verschwindet

Bis 1972 fuhren Menschen aus dem Egautal mit dem Bähnle nach Dillingen. Am Endbahnhof muss jetzt der alte Güterschuppen abgerissen werden. Einige Bahnfreunde befürchteten den Abbruch des einstigen Härtsfeldbahnhofs

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Der Reistinger Anton Eggert kann sich noch gut an „das Bähnle“ erinnern. Als Kind fuhr er mit der Härtsfeldbahn oft nach Elchingen bei Neresheim und später in die Landwirtschaftsschule nach Lauingen. „Zwei Kilometer mussten wir zu Fuß von Reistingen bis ins Ried bei Dattenhausen laufen“, erinnert sich Eggert. Dass man noch auf den fahrenden Zug aufspringen konnte, wenn man zu spät dran war, gehört wohl ins Reich der Legende. Wahr ist aber: Das Bähnle, das im Württembergischen „Schättere“ genannt wurde, fuhr gemütlich übers Härtsfeld und durchs Egautal. Maximal 40 Sachen brachte die Härtsfeldbahn, die Aalen mit Dillingen verband, auf den Tacho. Und am Härtsfeldbahnhof in Dillingen endete die romantische Fahrt der Schmalspurbahn, deren Spurbreite exakt einen Meter betrug. Von dort fuhren Bahnpendler mit der Donautalbahn Richtung Ulm oder Donauwörth weiter. Oder sie gingen in Dillingen zur Arbeit, Schule und zum Einkaufen. Bis zum 30. September 1972. An diesem Samstag endete die Personenbeförderung auf der Härtsfeldbahn, und zwei Monate später wurde auch der Güterverkehr eingestellt.

Bahnnostalgiker werden noch durch den alten Härtsfeldbahnhof und einen Güterschuppen an diese Zeiten erinnert. Ein „Eisenbahnfreak“ ist auch der Wertinger Gerhard Amler. Der 37-Jährige, der im Dillinger Geschirrspülerwerk arbeitet, kam jüngst am alten Härtsfeldbahnhof vorbei. „Und da sah ich, dass der Schuppen seiner Ziegel beraubt war“, teilt Amler mit. Arbeiter sagten dem Wertinger, dass der Güterschuppen abgerissen werden soll. Amler wiederum informierte den Verein Härtsfeld-Museumsbahn (HMB), der einen Teil der alten Strecke von Neresheim bis zur Sägmühle für Ausflugsfahrten wiederbelebt hat und sich inzwischen in Richtung Katzenstein voranarbeitet. Der Verein befürchtete, dass mit dem Abriss der alten Gebäude die letzten Reste des Härtsfeldbähnles in Bayern verschwinden könnten. Vorsitzender Werner Kuhn und Jürgen Ranger, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, forderten unsere Zeitung dazu auf, über den Abriss zu berichten und das Verschwinden dieser Eisenbahnrelikte zu dokumentieren.

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Die Aufregung hat sich inzwischen zumindest zum Teil als unbegründet erwiesen. „Der alte Härtsfeldbahnhof bleibt stehen“, teilt der Sprecher der Dillinger Stadtverwaltung, Jan Koenen, auf Anfrage mit. Das historische Bahnhofsgebäude sei in Privatbesitz. Der Stadt Dillingen gehöre nur der alte Güterschuppen. „Er muss abgerissen werden, weil die Standsicherheit nicht mehr gegeben ist“, informiert Koenen. Eine Firma habe den Güterschuppen zuletzt vorläufig gesichert. In etwa zwei Wochen werde er aber abgerissen, erläutert der Sprecher der Stadtverwaltung.

Bei HMB-Vorsitzendem Kuhn ist eine gewisse Erleichterung zu spüren. „Wir trauern um jedes Teil der Härtsfeldbahn, wenn es wegkommt“, sagt der Aalener. Wenn der alte Güterschuppen aber nicht mehr standsicher sei, dann sei es verständlich, wenn ihn die Stadt Dillingen abreiße. „Es wäre aber schön, wenn der Endbahnhof der Härtsfeldbahn erhalten und wieder hergerichtet werden könnte“, sagt der 60-Jährige. Dazu brauche es aber eine sinnvolle Nutzung. Der alte Härtsfeldbahnhof, so hat der Vorsitzende in Erfahrung gebracht, gehöre einem älteren Bürger. Kuhn könnte sich vorstellen, dass der Standort etwa für ein „Café Bähnle oder Café Schättere“ geeignet wäre. Der Verein Härtsfeld-Museumsbahn, der 285 Mitglieder zählt, wäre bereit, hier Unterstützung zu leisten, sagt Kuhn, der gleich zu erzählen beginnt.

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Ein Artikel von
Berthold Veh

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