Freitag, 23. Februar 2018

26. Januar 2018 00:35 Uhr

Gesundheit

Zwei Kliniken für Ärztlichen Bereitschaftsdienst

Am 30. Januar tritt eine grundlegende Änderung für Patienten und Ärzte in Kraft. Viele Politiker sind skeptisch und hoffen auf eine Nachbesserung

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Wohin in nicht lebensbedrohlichen Notfällen? Dies ist ab 30. Januar neu geregelt.

Wohin wendet man sich in nicht lebensbedrohlichen Notfällen außerhalb der üblichen Sprechzeiten? Dafür ist der Ärztliche Bereitschaftsdienst unter der bundesweit einheitlichen, kostenlosen und vorwahlfreien Nummer 116 117 zuständig. In den letzten Tagen des alten Jahres war über die Neuregelung für die Landkreise Günzburg und Neu-Ulm – und die weitreichenden Änderungen für Patienten und Ärzte gleichermaßen – heftig debattiert worden. Doch dann wurde es still. Die zuständige Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) hatte betont, dass sie an der geplanten Neuregelung mit der Konzentration auf die beiden Kliniken Günzburg und Weißenhorn festhalten wolle. Das heißt beispielsweise, dass Hausärzte in Krumbach ihre Praxis verlassen müssen, um in den genannten Kliniken ihren Notdienst anzutreten.

Nun tritt die Neuregelung, wie die KVB in einer offiziellen Presseinformation bestätigt, zum 30. Januar in Kraft. An diesem Tag werden neue Bereitschaftspraxen in der Kreisklinik in Günzburg und in der Stiftungsklinik Weißenhorn eröffnet. Im benachbarten Unterallgäu nimmt die Bereitschaftspraxis in der Kreisklinik Mindelheim ihren Betrieb auf. „Die Einrichtung zentraler Bereitschaftspraxen hat für die Patienten den Vorteil, dass mühsame Recherchen, welcher niedergelassene Arzt Dienst hat und wo sich dessen Praxis befindet, entfallen“, schreibt die KVB. Zahlreiche Politiker aus der Region stehen der Neuregelung hingegen skeptisch gegenüber und hoffen in den kommenden Monaten auf eine Nachbesserung. So hatte es zuletzt auch Dr. Volker Rehbein, der Vorstand der Kreiskliniken Günzburg und Krumbach, formuliert.

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Was ist konkret geplant? Niedergelassene Ärzte in der Region Günzburg/Neu-Ulm werden ab 30. Januar ihren Dienst in den Kliniken Weißenhorn und Günzburg absolvieren. Aber ist diese Kapazität ausreichend? Oder wird der südliche Landkreis Günzburg gar in Sachen Bereitschaftsdienst zum „Niemandsland“, wie es Bürgermeister Hubert Fischer wiederholt formulierte? Mehrere Bürgermeister und die heimischen Abgeordneten Alfred Sauter, Dr. Hans Reichhart und Dr. Georg Nüßlein hatten die zuständige Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) um Nachbesserung gebeten. Dabei solle die Klinik Krumbach in das Konzept mit einbezogen werden. Vor Kurzem wurde im Krumbacher Stadtrat mit großer Mehrheit eine Resolution für die Nachbesserung des Dienstes verabschiedet. Aus den Reihen der Ärzte wird die Positionierung der Politiker hingegen durchaus skeptisch betrachtet. Der Krumbacher Kinderarzt und Stadtrat Dr. Marcus Härtle erklärte, dass das Hauptproblem der Rückgang an Ärzten sei. Die Politik habe es versäumt, hier gegenzusteuern. Aber bei der Neuregelung sehe er „eine Lücke in der bereitschaftsdienstlichen Versorgung so nicht“. Auch künftig gebe es die Möglichkeit von Hausbesuchen. Von politischer Seite hingegen wird mitunter bezweifelt, ob diese Kapazität ausreichend ist.

Mehrere Bürgermeister aus dem südlichen Landkreis hatten gegenüber der KVB ihre Bedenken zum Ausdruck gebracht. Kurz vor Weihnachten verabschiedete der Kreistag eine Resolution, in der die Pläne der KVB abgelehnt werden. Die Landtagsabgeordneten Alfred Sauter und Dr. Hans Reichhart sowie der CSU-Bundestagsabgeordnete Dr. Georg Nüßlein hatten sich an Dr. Wolfgang Krombholz, den Vorsitzenden des Vorstands der KVB gewandt.

In seinem Antwortschreiben wies Krombholz die Kritik an dem neuen Konzept zurück. Krombholz wies unter anderem darauf hin, dass die bisherige Form des Bereitschaftsdienstes mit mehr Diensten für die Ärzte „in weniger dicht besiedelten Regionen bislang eines der wesentlichen Niederlassungshindernisse für junge Ärztinnen und Ärzte gewesen sei“. Er betonte ferner, dass „wir unsere Standortentscheidungen bereits im März 2016 in einem persönlichen Gespräch dem Vorstand der Kreiskliniken Günzburg-Krumbach mitgeteilt haben“. Ebenso sei zu diesem Zeitpunkt der Bayerische Landtag im Ausschuss für Gesundheit und Pflege über die Weiterentwicklung des Bereitschaftsdienstes informiert worden.

Das Konzept, das jetzt für die Kreise Neu-Ulm und Günzburg, aber auch in Mindelheim umgesetzt werde, habe sich in anderen Regionen Bayerns bewährt. „Es kam beispielsweise während der Öffnungszeiten der Bereitschaftspraxen zu einem Rückgang der Fallzahlen der benachbarten Notaufnahmen.“

Insgesamt betrachtet bestehe für Patienten aus dem südlichen Landkreis Günzburg die Möglichkeit, „innerhalb von ungefähr 30 Minuten eine Bereitschaftspraxis aufzusuchen“ oder „einen Hausbesuch zu erhalten“. Wenn sich herausstellen sollte, dass in bestimmten Regionen Bedarf für eine weitere Bereitschaftspraxis bestehe, „werden wir die entsprechenden Schritte einleiten“.

Ein Schreiben mit ähnlichem Inhalt hatten kürzlich die Bürgermeister der Verwaltungsgemeinschaft Krumbach von Gökhan Katipoglu, dem Leiter Notdienste der KVB, erhalten. Heimische Politiker haben wiederholt bekräftigt, dass sie den Vorschlag von Dr. Volker Rehbein, Vorstand der Kreiskliniken, für eine sinnvolle Alternative halten. Rehbein hatte die Möglichkeit ins Spiel gebracht, in der Klinik Krumbach eine Bereitschaftspraxis für die Wochenenden und den Mittwoch einzurichten.

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Ein Artikel von
Peter Bauer

Mittelschwäbische Nachrichten
Ressort: Lokalnachrichten Krumbach

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