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Filmfestival

27.10.2018

Aichacher Kinofreunde zeigen zwei Dokumentarfilme

Müllexperten beim Kinoabend: (von links) Rolf Fischer (Gigler), Filmemacher Roland Schrotthofer und Michael Haas (Sachgebietsleiter Abfallwirtschaft) stellten sich nach dem Film „Welcome to Sodom“ den Fragen der Festivalbesucher. Rechts im Bild: Kinofreunde-Moderator Manfred Zeiselmair.
Bild: Herrmann

Entsorgung von Elektroschrott in Ghana rüttelt auf. Roland Schrotthofer, Produzent von „Welcome to Sodom“, stellt sich den Fragen des Publikums.

Elend im Müll und Hoffnung für Afrika durch eine Stimme – zwei Dokumentarfilme und ein begeistertes Kinopublikum. Wie im Vorjahr war der Kinofreunde-Abend wieder einer der Höhepunkte des Aichacher Filmfestivals. Bei den zwei zur Auswahl angebotenen Filmen fiel es manchem Besucher schwer, sich zu entscheiden.

Die Besucher waren bereits eine Stunde vor Filmbeginn ins Aichacher Cineplex-Kino gekommen. Sie wollten sich die musikalische Einstimmung des vielstimmigen Chors des Aichacher Deutschherren-Gymnasiums nicht entgehen lassen. Unter Leitung von Musiklehrer Arnold Fritscher – und erstmalig mit Trommelbegleitung – sorgte der Jugendchor mit eigens für den Abend einstudierten afrikanischen Songs für einen gelungenen Start in den Abend. Kinofreunde-Sprecher Manfred Zeiselmair konnte knapp 200 Besucher begrüßen, die sich im Anschluss auf zwei Säle verteilten: Mehr als die Hälfte entschieden sich für den Dokumentarfilm „Welcome to Sodom“, dessen Produzent und Drehbuchautor Roland Schrotthofer zur Präsentation eigens aus Wien angereist kam.

In der erst vor einigen Wochen in den deutschen Programmkinos angelaufenen und dabei Aufsehen erregenden Doku wird das Leben auf der wohl größten und giftigsten Elektroschrott-Müllhalde der Welt beschrieben. Unweit des Zentrums von Ghanas Millionenmetropole Accra leben etwa 6000 Frauen, Männer und Kinder. Bezeichnenderweise nennen sie diesen Ort „Sodom“. Rund 250000 Tonnen Elektroschrott, zum größten Teil aus Europa, landet hier jährlich und wird in seine Bestandteile zerlegt. Das Besondere an dem Film ist, dass er weder anklagt noch kommentiert. Er beobachtet sehr intensiv und lässt die Bewohner sprechen. Dabei geben die Protagonisten einen tiefen Einblick in diesen unwirtlichen Ort: Da ist der Herr über die Feuer, in denen die Kabelberge, Monitore und Computer verbrannt und eingeschmolzen werden, um an die Metalle zu kommen. Ein kleines Mädchen verkleidet sich als Junge, weil es so an besser bezahlte Arbeit kommt. Mit einem Magneten sammelt sie die kleinsten Metallreste aus der verbrannten Erde rund um die großen Feuer. Da ist der Plastik sammelnde Medizinstudent aus Gambia, der aufgrund seiner Homosexualität aus seiner Heimat fliehen musste. Ein selbst ernannter katholischer Missionar predigt scheinbar konzept- und endlos Tag für Tag den Tausenden Muslimen. Und inmitten dieser Apokalypse hat sich ein junger Arbeiter in einem Holzverschlag ein Tonstudio eingerichtet, in dem er seine Rap-Songs über die „Freiheit in Sodom“ aufnimmt.

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Im Anschluss an den sehr bewegenden Film stellte sich der Produzent Roland Schrotthofer den Fragen des Publikums. Dabei beschrieb er unter anderem den langen und schwierigen Weg, das Vertrauen der Protagonisten zu gewinnen. Drei Monate lang war er mit seinem Team auf der Deponie. Er sprach – trotz der geringen Lebenserwartung der Bewohner – von einem „Ort voller Hoffnung“, der Menschen aus allen Landesteilen und sogar Nachbarländern anziehe.

Unter der Moderation von Manfred Zeiselmair kamen auch zwei lokale Abfallexperten zu Wort. Michael Haas vom Landratsamt Aichach-Friedberg beleuchtete die rechtliche Seite, wonach der Export von Elektromüll in Europa verboten sei. Laut Rolf Fischer vom Schrobenhausener Entsorgungsunternehmen Gigler gibt es jedoch durchaus illegale Schlupflöcher, zum Beispiel, wenn Elektromüll als funktionierende Gebrauchtgeräte deklariert werde. Am Beispiel des E-Müll-Aufkommens im Kreis wurde deutlich, dass sich das Konsumverhalten unserer Luxus- und Wegwerfgesellschaft ändern müsse. Unter dem Motto „Reparieren statt wegwerfen“ biete zum Beispiel das Wittelsbacher Land in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule regelmäßige Repair-Café-Termine an, an denen für geringes Geld defekte Elektrogeräte wieder in Gang gebracht werden“, erklärte Haas.

Wer es an dem Abend weniger konträr und aufregend wollte, wählte den Film „Mama Africa“, der die Geschichte der charismatischen südafrikanischen Sängerin Miriam Makeba erzählt. Eine Hommage an eine Frau, die wie keine andere die Hoffnung und die Stimme Afrikas verkörperte und sich zeitlebens gegen Apartheid und Unterdrückung ihrer Landsleute einsetzte. (zm)

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