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Konzert

24.03.2015

Eindrucksvoller Lobpreis gelingt auch in Moll

Es geht um Allergrößtes, um Allerschwierigstes; die Johannes-Passion ist gefürchtet wegen ihrer erregenden Dramatik, ihrer tückischen Gestaltwechsel, doch Kammerchor mit dem Orchester und den Solisten waren meisterlich vorbereitet: Es sangen Manuel Ried, Laura Faig, Susanne Heinzmann, Marcus Weißhaar, Wolfgang Wirsching und Sebastian Schmidt.
Bild: Manuela Rieger

Kammerchor St. Sebastian, Orchester und Solisten präsentieren sich bei Bachs „Johannes-Passion“ als harmonischer Klangkörper

So viel vorweg: Die beachtenswerte Gesamtleistung wurde vom Publikum mit Standing Ovations belohnt. Einen großen sakralen Raum mit Musik erfüllen, Klänge und Töne, die bezaubern, tief in das Herz eindringen lassen und wie ein gutes Mahl nach einer langen Fastenzeit den Hunger stillen: So etwas gelingt nur wenigen Komponisten. Einer, der zielsicher diese Kunst beherrschte, war Johann Sebastian Bach.

Nun ist gerade Fastenzeit und eine Passion gilt der geistigen Erbauung. Damit das Darben nicht so schwerfällt, gibt es die Passionen von Bach. Am Sonntag konnten die Aichacher in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt ihren Hunger nach guter Musik stillen, und zwar bei einer Aufführung des Kammerchors St. Sebastian mit Unterstützung des Wittelsbacher Knabenchors sowie des Kammerorchesters Dieter Sauer und Solisten. Sie boten Johann Sebastian Bachs „Johannes-Passion” (BWV 245). Sie entstand wahrscheinlich in der Fastenzeit des Jahres 1724. Bei dieser Passion wird Jesus im Gegensatz zur „Matthäus-Passion” als Weltenherrscher dargestellt.

Bereits beim düster-erhabenen Eingangschor „Herr unser Herrscher” wird deutlich, wie übervoll dieses Werk von Bach ist, ohne aufdringlich zu sein. Der Chor singt ausgesprochen akzentuiert und schafft es so, den „Den Ruhm unseres Herrschers” in Moll zu preisen. Was eigentlich eine große Herausforderung ist, denn Moll ist das Tongeschlecht des Passionsleidens und wenig zum Lobpreisen geeignet. Organist und Leiter Alois Kammerl gelingt es in allen Teilen, den Chor, die Sänger und Musikanten so miteinander harmonieren zu lassen, dass diese wie ein großer Klangkörper wirken. Die verschiedenen Parts fügen sich lebendig zusammen und lassen fühlen, was unter dem Wort Erbauung zu verstehen ist. Der Chorklang ist wunderbar geschmeidig. Und auch die kontrastreiche Gegenüberstellung der kontemplativ angelegten Chorsätze und die flammenden Judenchöre und grellen „Kreuzige”- und „Barrabam”- Schreie verfehlen ihre Wirkung bei den Konzertbesuchern nicht.

Die Chorsätze führen den Hörer direkt in das Passionsgeschehen. Vom Anfangschoral „Herr, unser Herrscher” bis zum Schlusschoral „Ach Herr, lass dein lieb Engelein” wird ein einheitliches und sensibles Gesangsgebilde geschaffen. Dadurch kann dem Besucher ein tiefes Eintauchen in das Musikwerk ermöglicht werden. Das Experiment, sich des Knabenchors zu bedienen, ist voll aufgegangen. Verena Tomys mit der Gambe und Marie-Therese Daubner am Cello sowie Harald Geerkens an der Orgel komplettieren das Orchester.

Die Sänger brillierten ebenso, allen voran die junge Laura Faig. Diese zarte Frau überzeugte zum Beispiel bei ihrer Arie „Zerfließe mein Herz”. Wundervoll und engelsgleich sang sie die Partie. Susanne Heinzmann brachte ihre gesamte Professionalität zu Gehör. Marcus Weißhaar, der die Christusworte sang, tat dies mit sehr viel Gefühl und ausgesprochen sicherer Stimme. Den schwierigen Part des Evangelisten übernahm Tenor Manuel Ried überzeugend und wusste die überaus schwierigen Tenorpartien mühelos zu nehmen. Dagegen war der Auftritt von Wolfgang Wirschings Bass sehr kraftvoll, was sich besonders in der Arie „Betrachte, meine Seel” zeigte. Tenor Sebastian Schmidt konnte mit artikulierter Aussprache punkten.

Wie nachhaltig und eindrucksvoll das Stück vorgetragen wurde, zeigte nach zwei Stunden die bedächtige Stille vor dem lang anhaltenden Applaus des Publikums, das der großartigen Leistung der Musiker auch mit stehenden Ovationen tiefen Respekt zollte.

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