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Aichach-Friedberg

10.08.2020

Getreide: Wie steht es um die Ernte im Wittelsbacher Land?

Das Lagerhaus in Motzenhofen mit den derzeit (noch) vier Silos, die bis zur Ernte im nächsten Jahr auf die doppelte Kapazität erweitert werden sollen.
Bild: Josef Abt

Plus Die Getreideernte ist dieses Jahr sehr ertragreich. Was das für die Mitarbeiter bedeutet und welche Auswirkungen das auf den Markt hat.

Mähdrescher im Dauereinsatz: Die Getreideernte im Wittelsbacher Land ist nach idealen Temperaturen am Wochenende schon sehr weit fortgeschritten und in einigen Regionen schon nahezu abgeschlossen. Vereinzelt stehen noch Weizenfelder, weil auch mit den hochmodernen und effizienten Dreschmaschinen die Kapazitäten nicht unendlich sind. Mitarbeiter der Lagerhäuser waren in den vergangenen Wochen fast rund um die Uhr im Arbeitseinsatz. Die Anforderungen fürs Personal bei der Getreideannahme liegen oft am Limit.

Die Arbeiten in den Raiffeisen-Lagerhäusern in Rehling und Motzenhofen beginnen oft früh am Morgen, wenn die Fahrzeuge der Landwirte mit dem Drusch des Vortags am Lagerhaus Schlange stehen. Eine Anlieferung bis um Mitternacht ist keine Seltenheit. Alles muss gut koordiniert sein: Fahrt auf die Eingangswaage, Probenahme mit Qualitätsbestimmung, Zuordnung der jeweiligen Abladestellen, Rückfahrt zum Wiegen der leeren Fahrzeuge. Dies alles mit den großen Fahrzeugen, die sich hier kreuz und quer auf dem Gelände bewegen.

Gute Getreideernte: Alle Lagerräume sind gefüllt

Peter Bürle, Leiter des Raiffeisen-Agrarzentrums Lech-Paar (RAZ), erwartet bei den noch ausstehenden Anlieferungen eine gute Qualität, ähnlich wie bei der bereits eingefahrenen Ernte. Laut Bürle gibt es eine unerwartet hohe Menge an Wintergerste. Waren es im Vorjahr rund 4000 Tonnen, so sind heuer 5000 Tonnen Wintergerste angeliefert worden. Es seien rund 6000 Tonnen Weizen innerhalb weniger Tage angeliefert worden, durchwegs mit einer guten und homogenen Qualität. Spitzenqualitäten fehlten bislang, Grund dafür sei wohl das trockene Frühjahr. Doch positiv ist laut Bürle die Tatsache, dass eine leicht überdurchschnittliche Erntemenge eingefahren werden konnte.

Die heißen Tage der letzten Woche haben dazu geführt, dass es bei der Anlieferung einen regelrechten Ansturm gab. Sei es im Lagerhaus Oberach (Gemeinde Rehling) und in der neuen Niederlassung in Motzenhofen (Gemeinde Hollenbach). „Momentan ist jeder zur Verfügung stehende Lagerraum gefüllt worden“, so Bürle. Durch das große Einzugsgebiet und die optimalen Erntebedingungen kamen beide Lager an ihre Grenzen bei der Annahmeleistung. An jedem der beiden Standorte wurden teils über 1500 Tonnen pro Tag erfasst. In Oberach wird neben den Lechraingemeinden Rehling, Todtenweis und Aindling auch sehr viel Getreide aus dem Nachbarlandkreis westlich des Lechs angeliefert, also aus Langweid, Achsheim und Umgebung. Das neue Raiffeisen- Agrarzentrum in Motzenhofen wird von Landwirten aus der Region Hollenbach, Inchenhofen bis weit östlich aus der Aichacher Region angefahren.

Getreideernte: So ist die Lage in Aichach-Friedberg

In Rehling-Oberach stehen neben einer kleineren Siloanlage auch vier große Lagerhallen zum Einlagern bereit. In Motzenhofen steht als Lager schwerpunktmäßig die neue Siloanlage mit ihren vier Lagersilos (Kapazität je 1500 Tonnen). Schon jetzt hat sich herausgestellt, dass die Lagerkapazität dieser Silos in Motzenhofen nicht ausreichend ist. Deshalb sollen hier bis zur kommenden Ernte noch vier weitere Lagersilos mit einem Volumen von jeweils 1500 Tonnen aufgebaut werden, die Kapazität wird verdoppelt. Neben den gängigen Getreidearten werden an den Lagerstellen auch Sojabohnen, Erbsen, Ackerbohnen erfasst.

Auch Ackerbohnen, die auch als dicke Bohnen bekannt sind, werden an den Lagerstellen erfasst.
Bild: Jens Wolf/dpa (Symbolbild)

Viele Landwirte aus dem östlichen Teil des Landkreises bringen ihre Ware auch in die Lagerhallen der VR Agrar Center Wittelsbacher Land GmbH in Wollomoos, einem Ortsteil von Altomünster. Die Wintergerste sei komplett abgeerntet, berichtet Geschäftsführer Ludger Hessel. Dieses Jahr seien überdurchschnittliche Erträge erwartet worden und und auch eingetroffen. „Aber wir waren darauf vorbereitet“, so Hessel. Deswegen habe man kein Lagerproblem. Beim Weizen sei mit „gigantischen Mengen“ gerechnet worden, die Erträge seien aber „nur“ überdurchschnittlich. Dafür sei die Qualität des Weizens auf hohem Niveau mit wenigen Ausreißern. „Aufgrund der späten hohen Regenfälle haben wir aber die Befürchtung, dass die Qualität noch leidet“, so Hessel.

Laut Hessel geben sich seine Mitarbeiter viel Mühe, damit die Landwirte möglichst schnell entladen und wieder zurück aufs Feld können. „Der Landwirt hat in der Ernte sowieso wenig Zeit – die soll er nicht mit Warten verbringen müssen“, sagt Hessel. Jetzt hofft man noch auf eine reibungslos verlaufende, restliche Getreideernte. Wenn die Ernte eingebracht ist, kehrt in den Lagerhäusern wieder ein wenig Ruhe ein – auch wenn dann schon wieder die Vorbereitungen zum Bestellen der ersten Felder anstehen.

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