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Aichach-Friedberg

23.08.2019

„Hexenjagd im Wittelsbacher Land“: Autorin veröffentlicht Regionalkrimi

Agnes Bernauer und Herzog Albrecht III. auf der Bühne am Stadtplatz.

Das Wittelsbacher Land hat einen Regionalkrimi: Als Coletta Coi veröffentlicht eine Autorin aus dem Landkreis ihr Buch „Hexenjagd im Wittelsbacher Land“.

Wer hat die Hauptdarstellerin entführt? Wer hat den Steigbügel und Sattel gelockert? Wer gab den Pferden Hafer und ließ sie fast in die Zuschauerreihen stürmen? Und: Wer hat die Schwerter vertauscht und die blutende Verletzung verursacht? In Coletta Cois Regionalkrimi „Hexenjagd im Wittelsbacher Land“, passiert all das und noch viel mehr während einer Freilichtaufführung auf der bekannten Burgberg-Bühne im Bayracher Hinterland. Bis es zur Festnahme des Übeltäters kommt, hinterlassen die Krimi-Protagonisten ihre Spuren in bekannten Gefilden. Für ortskundige Bewohner des Wittelsbacher Landes ein Lesevergnügen mit Wiedererkennungswert.

„Hexenjagd im Wittelsbacher Land“: In einem Atemzug mit Neuschwanstein

Die Autorin, die unter dem Pseudonym Coletta Coi schreibt und bereits drei Bücher veröffentlicht hat, lebt mitten unter uns. Mit der „Hexenjagd im Wittelsbacher Land“ bewegt sie sich zum ersten Mal im kriminellen Milieu, und das sozusagen vor unserer Haustür. Vielleicht nicht rein zufällig ist ihr neuestes Werk kurz vor der Bayerischen Landesausstellung im kommenden Jahr erschienen. Denn dieses Ereignis wird, nebst vielen anderen in und um Bayrach im Buch explizit erwähnt. Es bringt sogar die zunächst natürlich ungewollten kriminellen Machenschaften erst richtig ins Rollen.

Ein halbes Jahr vor besagter kultureller Großveranstaltung wird Tourismusdirektor Nepomuk Schneider von Landrat Bernd Budscher und Oberbürgermeister Wollermann beauftragt, mit einer zündenden Idee das Bayracher Hinterland aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. Touristenströme müssten nach Bayrach gelockt werden und die klammen Kassen füllen. In einem Atemzug mit Neuschwanstein, Wien, Bayreuth und Salzburg genannt werden, das sei das Ziel, betont der Landrat. Das Sisi-Schloss allein gebe nicht mehr genug her.

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Der gar nicht schneidige Schneider muss sich wohl oder übel auf die Suche machen. Er leckt Blut, als er im Internet auf die Straubinger Agnes-Bernauer Festspiele stößt. Er will die Bernauerin auf den Burgberg holen. Erstaunlich zügig gelingt es ihm, die Burgberg-Mimen davon zu überzeugen, mit dem historischen Drama um die Augsburger Baderstocher an ihre früheren Aufführungserfolge anzuknüpfen. Es gebe jede Menge Massen- und Kampfszenen, herzhafte Liebes-und Eifersuchtspassagen und ein dramatisches Finale, schwärmt Schneider. Historisch sei’s auch interessant, nachdem die bayerischen Herzöge Albrecht III. von Straubing und dessen Vater Herzog Ernst I. von Bayern-München wesentliche Rollen spielten.

Dass Schneider mit seiner eigenmächtigen Entscheidung die Straubinger verprellt, die im gleichen Jahr ihre Agnes-Bernauer Festspiele ausrichten, lässt ihn völlig kalt. Er träumt vor allem von einer Beförderung, sollte sein Vorhaben zum Erfolg führen.

Es wird tatsächlich ein Erfolg, trotz einer beträchtlichen kriminellen Energie, die sich in und auf der Burgberg-Bühne entzündet. Hauptkommissarin Eleonore Dünkel-Waldmann, eine attraktive, ehrgeizige, junge Frau mit Hund, ermittelt auf eine Art, die bei Kollegen und bei Schneider Irritationen verursacht. In echter „Tatort“-Manier hat auch sie ihre kleinen Geheimnisse, verfolgt falsche Fährten, geht einem angeblichen hilfsbereiten Münchner Polizei-Kollegen gehörig auf den Leim. Die Festnahme des Täters verdankt sie maßgeblich der Spürnase ihres Hundes.

Der durchschlagende Erfolg wird im Biergarten in Blumenthal gefeiert. 100 000 Besucher (!) in einem Jahr habe Schneiders bernauerische Intuition ins Bayracher Land gespült, verkünden die Stadtoberen. Die Beförderung scheint überfällig.

Buch: Kritischer Blick auf das Wittelsbacher Land

Auf 182 Seiten hält die Autorin die Spannung bis zum Schluss aufrecht. Stilistisch flott und schnörkellos mischt sie Reales mit Fiktivem und beteuert bereits im Vorspann, dass die Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig und die historische Richtigkeit nie 100-prozentig sei. Sie lässt sich Zeit, um die unterschiedlichen Charaktere ihrer Akteure im Kontext gut nachvollziehbar darzustellen und erlaubt sich am Rande einen aufschlussreichen Exkurs in den Zickenkrieg der Burgberg-Spielerinnen.

Sie führt die Leser an bekannte (Tat-)Orte und erzeugt Déjà-vu-Erlebnisse bei Recherchen in Ober- und Unterwittelsbach, in Inchenhofen, Friedberg und Adelzhausen. Trotz kleiner Vokalverdrehungen oder lautmalerischer Englischtranskriptionen rund um die Namensgebung lokaler Politgrößen, sollte die Dechiffrierung für aufgeweckte, ortskundige Krimi-Leser kein Problem sein.

Die erfrischende Tatsache, dass die Autorin trotz erkennbarer Verbundenheit mit Land und Leuten einen leicht amüsiert-kritischen Blick auf das Wittelsbacher Land in seiner ganzen Pracht und Herrlichkeit wirft, beflügelt das Lesevergnügen.

Bezug des Buches

Coletta Cois Buch „Hexenjagd im Wittelsbacher Land. Ein Regionalkrimi aus Bayern“ ist herausgegeben von Seemann Publishing, ISBN: 9781078407366

Agnes Bernauer

Sie ist die Tochter eines Augsburger Baders. Herzog Albrecht III. von Straubing lernt das bildhübsche Mädchen in der Fuggerstadt kennen. Wahrscheinlich heiraten sie heimlich und leben in Straubing, München und Vohburg.

Die Geschichte Albrechts Vater, Ernst I. von Bayern-München, missfällt die heimliche Liaison seines einzigen Sohnes. Er hat Sorge um seine Nachfolge. Auch Albrechts älteste Schwester Beatrix, intrigiert gegen die selbstbewusste Bernauerin. Herzog Ernst nutzt die Abwesenheit seines Sohnes, um die Bernauerin in Straubing festnehmen zu lassen. Ihr werden Hexerei und Majestätsverbrechen angelastet. Eingenäht in einen Sack, wirft man sie von der Brücke in die Donau. Nach nur einem Jahr versöhnt sich Albrecht mit seinem Vater und tritt dessen Nachfolge an. 1436 heiratet er Anna von Braunschweig.

Erinnerung In Straubing kann man eine Kapelle besichtigen, die in Erinnerung an Agnes Bernauer erbaut wurde.

Literatur Das Drama um die Badertochter wurde vielfach literarisch und musikalisch aufgearbeitet. Bekannt sind die Agnes-Bernauer Festspiele im Straubinger Herzogschloss, die seit vielen Jahren im vierjährigen Turnus mit Laiendarstellern ausgerichtet werden.

Die Autorin

Die Autorin stammt aus Niederbayern. Sie lebt und arbeitete viele Jahre im Wittelsbacher Land. Als junges Mädchen spielte sie selbst die Titelrolle bei den Agnes-Bernauer-Festspielen in Straubing.

Ihr Pseudonym Sie schreibt unter dem Pseudonym Coletta Coi: Coletta war ein Vorname in ihrer Familie, Coi verweist auf ihre Faszination für den japanischen Edelkarpfen Koi.

Weitere Veröffentlichungen Ihre drei vorhergehenden Bücher behandeln brisante gesellschaftliche Themen. Das jetzt vorliegende Buch ist ihr erster Krimi. Schreiben ist für sie ein Hobby, für das sie sich vornehmlich in den Ferien und an den Wochenenden Zeit nimmt. Schreiben ist Abschalten vom Alltag und dem Beruf. Ihr letztes Buch schrieb sie innerhalb eines knappen Jahres.(vj)

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