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Krimi aus dem Wittelsbacher Land

01.10.2009

Jodok - wo ein Mesner-Ehepaar mit der Axt erschlagen wurde

Ein "Sittengemälde" der Gesellschaft im Wittelsbacher Land zur Zeit des 19. und 20. Jahrhunderts soll der neue Krimi "Jodok" von Arno Loeb sein. Unter dem Pseudonym "Peter Garski" entführt Loeb den Leser in die dubiosen Legenden, die sich um die St.-Jodok-Kapelle bei Haunswies ranken. Von Karolina Deubele

Affing - Ein "Sittengemälde" der Gesellschaft im Wittelsbacher Land zur Zeit des 19. und 20. Jahrhunderts soll der neue Krimi "Jodok" von Arno Loeb sein. Unter dem Pseudonym "Peter Garski" entführt Loeb den Leser in die dubiosen Legenden, die sich um die St.-Jodok-Kapelle bei Haunswies ranken.

Dort wurde 1870 das Mesner-Ehepaar mit einer Axt brutal erschlagen. Geklärt wurde der Fall nie. Ebenso wenig der mysteriöse Tod der Pfarrersbabette von Haunswies, die 1926 an einem Kopfschuss starb. Sie soll Selbstmord begangen haben. Doch laut Hans Horst, Romanfigur und Selbstmordforscher, töten sich Frauen nie mit einem Kopfschuss. Sie wollen auch noch tot "schön sein". War es also Mord?

Eines ist sicher: Die insgesamt vier Todesfälle im Krimi "Jodok" sind brutal und unbarmherzig. Sie werden im Nachhinein von der pseudofrommen und ignoranten Gesellschaft vertuscht. Fast jede der Romanfiguren hat "Dreck am Stecken" - eine Intrige jagt die andere.

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In "Jodok" regieren Leidenschaft, Kampf, Lüge und Gier das Leben der Altlandkreis-Bewohner zur Kolonialzeit. "Sie können, wollen oder dürfen sich nicht dagegen wehren", erklärt Schriftsteller Loeb (60). So winden die Figuren sich im engen Korsett, das ihnen die Gesellschaft anlegt, und leben ihre vulgären und sadistischen Gelüste im Geheimen aus.

Der Augsburger Arno Loeb hat bereits mehrere Krimis verfasst, die alle in seiner Heimatstadt spielen. Dort hat der umstrittene Autor zuletzt vor allem Schlagzeilen durch seine Gerichtsauftritte gemacht. Eine Berufungskammer des Landgerichts verurteilte ihn im August wegen übler Nachrede zu 2400 Euro Geldstrafe (wir berichteten). Loeb hatte auf einer Internetseite Gerüchte über angebliche außereheliche Kinder von Oberbürgermeister Kurt Gribl weiterverbreitet.

In seiner Jugend kam Loeb auf Radtouren mit seinen Eltern oft an der St.-Jodok-Kapelle in Haunswies vorbei. "Schon immer fand ich sie mysteriös", sagt Loeb. Als er von dem ungesühnten Doppelmord erfuhr, begann er seine monatelangen Recherchen. In Augsburger Bistumsarchiven, alten Zeitungsausgaben, im Selbstmordarchiv der Augsburger Staatsbibliothek und in Gesprächen mit den Einwohnern versuchte er, der Wahrheit um die grausamen Todesfälle ein wenig näher zu kommen. "Ich habe mit Personen gesprochen, die in der St.-Jodok-Kapelle zum Beten kamen", so Loeb. Aber wirklichen Aufschluss über die Morde brachte auch das nicht. So fühle er sich in die Personen hinein, um zu verstehen, was sie an und umgetrieben habe. "Ich kann es den Romanfiguren nicht verwehren, wenn sie sich entwickeln wollen. Sie haben ein Eigenleben", sagt Loeb.

Für Spannung sorgt die Erzählperspektive im Buch: Der Leser erlebt die Morde mit einem Erzähler, der alles weiß, jedoch nichts verhindern kann. Da tun sich menschliche Abgründe auf, die den ein oder anderen Schaulustigen interessieren werden. Stilistisch gesehen dürfte das Buch nicht jeden zufrieden stellen. Loeb fädelt aber historische Hintergründe in die Handlung ein, die die Lebenssituation der Romanfiguren umrahmen. Schmunzeln kann man über den evangelischen Jodok-Mesner Bäumel, der gläubige Katholiken an der Nase herumführt. Unweigerlich entwickelt man Sympathien für die schamlosen Charaktere, die nachher zu Opfern ihrer Gier werden.

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