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Konzert

13.04.2015

Mussorgskis Hexen tanzen Tango

Studierte Musiker, mit Preisen bedacht: Das Trio NeuKlang im Pfarrsaal St. Michael.
Bild: Manuela Rieger

Das Trio NeuKlang präsentiert sich im Aichacher Pfarrzentrum mit seinen Interpretationen klassischer Kompositionen als Neuerer seiner Zeit. Das Publikum reagiert begeistert.

Hardliner hätten die Nase gerümpft, Puristen staunten über den opulenten Klang: Darf ein Musiker klassische Komponisten verändern? Ja, Könner dürfen das – vor allem, wenn sie so interpretieren wie das Trio NeuKlang. Die drei Musiker agierten bei ihrem Konzert im Aichacher Pfarrzentrum St. Michael mit musikalischem Sachverstand und Respekt, ohne jemals platt zu werden und zeigten sich als Quertreiber zwischen Klassik und Tango, auch mal als Nuevo. Das Trio liebt keine melodischen Klischees; sie sind Paradiesvögel der Musikgeschichte auf der Durchreise.

Dabei haben Nikolaj Abramson an der Klarinette, Jan Jachmann am Akkordeon und Arthur Hornig mit seinem Violoncello es sich nicht leicht gemacht. Die Komponisten, deren Werke ausgespäht wurden, waren selbst schräge Vögel ihrer Zeit: Schostakowitsch, Tschaikowsky, Vivaldi, Wagner und selbst Beethoven wurde seiner Zeit verlacht und nicht anerkannt.

Ein riskantes Vorhaben: Das Schräge schrägen? Und was macht NeuKlang? Kaum sind die ersten Töne von Bach und Vivaldi verklungen, da hört der Kenner: NeuKlang macht keinen Spaß mit ernster Musik. Vielmehr nehmen die Musiker heitere Motive zum Anlass, den tieferen Ernst im Tango wiederzufinden.

Das hat Stil und Struktur: Von vielen Wunschkandidaten blieb dem Trio das Material verwehrt, doch dafür rückt dann doch das Requiem von Mozart ins Lampenlicht und der Tango wirft seine ganze Melancholie in die Waagschale. Welch ein wohlklingender Unterschied zu den Versuchen, die jüngst in umgekehrter Richtung erfolgten. Einige Pioniere des Techno zieht es neuerdings zum orchestralen Spektakel in die geweihten Hallen der Klassik. Mozart und Tango? Ja, das passt auf den ersten Blick nicht zusammen, doch es gibt Parallelen. Mozart war verspielt und dabei ernsthaft und tiefgründig zugleich – genau diese Intensität ist es, die das Wesen der Tango-Musik ausmacht.

Dinge zusammenbringen, die auf den ersten Blick rein gar nichts miteinander zu tun haben erfordert Mut und kann gehörig schief gehen. Es kann aber auch unverhofft schöne, inspirierende Ergebnisse zutage fördern.

Drei Musiker mit technischem und künstlerischem Gewicht

Raum zur Entfaltung haben die drei Musiker reichlich. Den nutzt das Trio sinn- und freudestiftend. Eingebettet sind die Stücke in präzise Arrangements – das ist nicht verwerflich. Einzigartig dürfte inzwischen sein, was die drei an technischem und künstlerischem Gewicht auf die Bühne bringen. Ein Walzer Schostakowitschs oder der Barbier von Sevilla verschmilzt mit Beethoven und mutiert zum Tango. Wagners Opern wären viel kürzer, würden diese zusammengelegt. Brahms mit den Tänzen ausgewanderter ungarischer Gauchos war zu hören. Dazwischen ein besinnliches „Besame mucho“. Und plötzlich tanzen die Hexen in der Nacht auf dem kahlen Berge: Hexensabbat, Modest Petrowitsch Mussorgski sei Dank. Herrlicher NeuKlang, nicht nur für Tango-Fans. Das begeisterte Publikum wurde zum Schluss zweimal belohnt. Seit Astor Piazzolla ist dem Ausdruckspotenzial des Tangos so ziemlich alles zuzutrauen, da durfte der Libertango des Argentiniers nicht fehlen. Beim zweiten Mal in einer „Bearbeitung der Bearbeitung von Grace Jones“ interpretiert, wäre nicht das Trio NeuKlang, wenn nicht vieles in die Beine und auf ganz besondere Weise ins Ohr ginge.

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